Mittwoch, 07. Dezember 2022

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Anti-Doping-Kampf
Weniger Labore, gezieltere Tests

Der Anti-Doping-Kampf ist oft ein Kampf gegen Windmühlen: Oft testen die Labore am Doping vorbei. "Die Laboranalysen sind nicht das Problem, wir müssen die Dopingsünder besser finden", sagte Sportmediziner Jürgen Steinacker im DLF. "Das Anti-Doping-System muss viel investigativer, analytischer sein."

Jürgen Steinacker im Gespräch mit Marina Schweizer | 27.11.2016

    Urinproben von chinesischen Athleten der Olympischen Spiele in Peking werden sortiert.
    Urinproben im Anti-Doping-Labor (dpa-Bildfunk / AP Photo / Robert F. Bukaty)
    Es gebe auf der Welt funktionierende und wenige gut funktionierende Testsysteme, führte Professor Jürgen Steinacker von der Uniklinik Ulm weiter aus: "In Deutschland und wenigen anderen Ländern können wir davon ausgehen, dass System gut funktioniert. Aber es gibt große Unterschiede."
    Um diese zu minimieren schlägt Steinacker vor, die Proben international auszutauschen. Außerdem sollten Labore, die nicht funktionieren, nicht mehr arbeiten. "Wir haben viel zu viele Labore auf der Welt - über 30 - von denen vielleicht zehn eine sehr gute Qualität haben. Dann gibt es noch zehn mit einer guten und der Rest ist zweifelhaft."
    Mehr Kontrollen bringen nichts
    Weniger Labore und weniger, dafür gezieltere Kontrollen könnten die Anti-Doping-Arbeit voranbringen: "Wenn wir noch mehr Kontrollen machen, werden wir nicht mehr positive Proben entdecken. Die Laboranalysen sind nicht das Problem, sondern wir müssen die Dopingsünder finden", erklärte Steinacker.
    Also nicht weiter großflächig kontrollieren, sondern dorthin gehen, wo positive Proben zu erwarten sind. "Das bedeutet, dass das Anti-Doping-System viel mehr investigativ, analytisch sein muss. Das ist nicht Willkür. Man muss analysieren: Wo gibt es Leistungssprünge, wo entwickeln sich Cluster?"
    Man müsse zwar in der Fläche testen, das aber kostet Unmengen von Geld. "Der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF hat zehn Leute, die sich mit Dopingkontrollen beschäftigen. Das ist ein Kostenaufwand, der um die zehn Millionen Dollar pro Jahr beträgt. Trotzdem konnte dort betrogen werden", kritisiert Steinacker. "Es gibt dort einen Riesen-Aufwand, der betrieben wird. Dieser muss richtig gelenkt und beaufsichtigt werden."
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