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StartseiteHintergrundAnti-Modell Spanien27.12.2002

Anti-Modell Spanien

oder wie man mit einer Umweltkatastrophe nicht umgehen sollte

Spaniens König Juan Carlos in seiner traditionellen Weihnachtsansprache. Thema Nummer Eins ist erstmals seit langer Zeit nicht der Terrorismus der ETA oder die Arbeitslosigkeit, sondern der Untergang des Öltankers "Prestige" am 19. November in 240 Kilometern Entfernung zur nordwestspanischen Küste. Der Umweltschutz sei nicht weniger wichtig als Fragen zur sozialen Gerechtigkeit oder des Wirtschaftswachstum, sagt der König. Die Umwelt sei ein einzigartiges Kulturgut. Alle hätten die Pflicht, sie für die nachfolgenden Generationen zu schützen.

Hans-Günter Kellner

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Der hohe Stellenwert des Tankerunglücks ist um so bemerkenswerter, als die Weihnachtsansprache eine der wenigen Reden ist, die der König weitgehend alleine bestimmt. Während das Königshaus seine sonstigen Stellungnahmen eng mit der Regierung abstimmt, ist die Weihnachtsansprache von Juan Carlos oft sogar eine Mahnung an die Politiker. Ein Fingerzeig, den die betroffenen Menschen in Galizien mit Genugtuung registriert haben dürften.

Mittwoch, 13. November. 15 Uhr 15: Der mit über 70.000 Tonnen Schweröl beladene Tanker "Prestige" funkt 50 Kilometer vor der galizischen Küste SOS. Rettungshubschrauber retten die Besatzung, an Bord bleiben nur der Kapitän und zwei Offiziere. Das Schiff ist ein sog. rostiger Seelenverkäufer. Es ist über 26 Jahre alt, fährt unter der Billigflagge der Bahamas und gehört einem griechischen Reeder, der an gleicher Stelle schon vor zehn Jahren den Tanker "Agean Sea" verloren hatte. Die Fracht: Schweröl der Klasse M-100. Greenpeace spricht von einem der giftigsten Brennstoffe, den es gibt. Die Mannschaft ist auf eine solche Katastrophe kaum vorbereitet, der Kapitän ein 68-jähriger griechischer Greis, der kaum Englisch spricht, die Besatzung schlecht ausgebildete Philippinen und Rumänen. Ein dänischer Lotse, der das Schiff wenige Wochen zuvor durch die Ostsee gesteuert hatte, meint wenig später in der spanischen Presse, das Schiff hätte nur noch zum Abwracken fahren dürfen.

Über die Ursache des Lecks wird noch heute spekuliert. Ein harter Wellenschlag oder einfach nur ein Baumstamm, den am selben Tag ein Frachter verloren hatte und der im Meer trieb. Fest steht: Die stürmische See mit bis zu acht Meter hohen Wellen öffnet den Einhüllen-Tanker "als wäre sie ein Dosenöffner", sagt ein spanischer Rundfunksprecher. Öl beginnt auszulaufen. Das Schiff wird auf die galizische Küste zugetrieben und nähert sich den Dörfern bis auf nur wenige Kilometer.

Der Kapitän bittet vergeblich darum, in einen Hafen geschleppt zu werden, und das Öl abpumpen zu lassen. Spanien will das Schiff so weit wie möglich von seinen Küsten entfernen. Die Prestige wird in Richtung Norden geschleppt. Doch als den lecken Tanker in Mitteleuropa niemand haben will, geht es wieder in Richtung Süden. Angeblich sind die Kapverdischen Inseln zur Aufnahme bereit. Einzige Auflage Spaniens: Das Schiff muss sich mindestens 120 Meilen vom Festland entfernt halten.

Samstag, 16. November: Die Schwarze Flut ist da: Das Öl verseucht die spanische Küste auf zunächst knapp 200 Kilometern zwischen Fisterra und La Coruña mit Öl. Kormorane, Möwen, Flugenten und Delphine liegen leblos an den Stränden. Fischgründe und Muschelbänke, Lebensgrundlage von 6.000 Familien, sind zerstört. Die Prestige verliert unterdessen auf ihrer Irrfahrt vor der galizischen Küste weiter Schweröl.

Und die Politiker? Während immer deutlicher wird, dass Spanien gerade die schlimmste Umweltkatastrophe seiner Geschichte erlebt, verweilt Ministerpräsident José María Aznar beim Lateinamerika-Gipfel in der Dominikanischen Republik und fliegt sofort weiter zum NATO-Gipfel nach Prag. Erst vier Wochen später besucht er Galizien, traut sich wegen der Bürgerproteste jedoch nicht an die Strände. Umweltminister Jaume Matas entspannt sich im andalusischen Naturpark Doñana, Infrastrukturminister Álvarez Cascos geht jagen, ebenso wie der galizische Ministerpräsident und Ex-Franco-Minister Manuel Fraga, der gerade seinen 80. Geburtstag feiert. Das Krisenmanagement bleibt Arsensio Fernández Mesa überlassen, dem sogenannten "Regierungsbeauftragten" in Galizien, einem hohen politischen Beamten der Zentralregierung. Während die ersten Freiwilligen an den galizischen Stränden in knietiefem Schweröl versinken, die Menschen von der "Schwarzer Flut" sprechen, beschwichtigt er: Arsensio Fernández Mesa:

Bei den niedrigen Temperaturen im Meer wird sich das Öl wahrscheinlich verfestigen. Der Flecken wird sich dann nicht weiter auf die Küste zu bewegen. Es kann dann passieren, dass das Öl zu Boden sinkt, wie eine feste Masse.

Noch heute hoffen die Behörden, das Öl werde sich im Rumpf des inzwischen auf 3.500 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund liegenden Tankers verfestigen. Auch das Vokabular der offiziellen Verlautbarungen hat sich kaum geändert. Was für die Behörden "Flecken" sind, ist für Menschen in den Dörfern die "Schwarze Flut". Offiziell ist von einem "Unfall" die Rede, während die Menschen eine "Katastrophe" erleben. Muxía ist eines der am schlimmsten betroffenen Dörfer an der galizischen Todesküste. Xavier Aboi aus Muxía:

Noch heute wollen die Behörden nicht anerkennen, dass es eine Ölpest gibt. Sie sprechen von Verunreinigung. Sie wollen das Offensichtliche nicht anerkennen: Die Dimension dieser Katastrophe. Und die Probleme, die wir noch bekommen werden. Wir kennen solche Unglücke leider zu gut, und stets wurde nicht einmal deren Existenz anerkannt. Das Schiff war auf vier Meilen vor der Küste, und die spanische Regierung erklärte, es sei zwanzig Meilen entfernt gewesen. Aber die Menschen hier standen doch morgens auf und sahen das Schiff da vor ihren Fenstern. So weit ging die Blindheit der Regierung. Die Leute sind zornig, zornig wegen dieser Zensur.

In manchen Dörfern führte der Zorn zu Handgreiflichkeiten. Regionalpolitiker wurden mit Öl beworfen, weil es in den Dörfern an fundamentalsten Hilfsmitteln für den Kampf gegen das Öl fehlte. Fischer, die die Verseuchung ihrer Lebensgrundlage nicht tatenlos mit ansehen wollten, schöpften mit bloßen Händen das Öl vom Meer ab. Für viele hat in den ersten Wochen des Unglücks der Staat überhaupt nicht existiert. Lula Bua, Chef der Fischer in Muxía:

Das ist keine Frage von einem oder zwei Unfällen. In den letzten Jahren hat es hier mindestens drei solcher Unglücke gegeben. Vor zwei Jahren trieb ein mit Flüssiggas beladener Tanker genau an der Stelle wie auch die Prestige jetzt. Vier Meilen vor unseren Häusern. Gott sei Dank konnten die Maschinen rechtzeitig wieder in Gang gebracht werden. Wenn das Schiff hier gegen die Klippen geworfen wird, verschwindet unser komplettes Dorf. Dass es nicht so kam, war reine Glückssache.

Polycommander, Androes Patria, Urqiola, Agean Sea und jetzt Prestige. Galizien hat in den letzten 30 Jahren elf Tankerunglücke erlebt. Dabei sind insgesamt 300.000 Tonnen Öl an der Küste des Landes angeschwemmt worden. Es grenzt schon an ein Wunder, dass sich die Region davon immer wieder erholt hat. Überraschen mag aber auch, dass das Unglück der "Prestige" im November Spanien trotz dieser Erfahrungen völlig unvorbereitet getroffen hat.

Als die Prestige leck schlug, hatte das Land nur acht Kilometer hochseefähiger Ölbarrieren und kein für den Einsatz dieser Sperren geschultes Personal. Doch inzwischen sind über 600 Kilometer Küste verschmutzt. Spanien verfügt nur über ein Schiff zum Absaugen von Öl auf dem Meer. Es ist in der Meerenge von Gibraltar stationiert. So mussten Spezialschiffe aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien zur Hilfe gerufen werden. Vor acht Jahren hatte das Land in der Region noch zehn Hochseeschlepper im Staatsdienst. Heute sind es nur noch vier, die privaten Unternehmen gehören. Spanische Zeitungen berichteten, die Schlepper hätten mit dem Eigner der Prestige stundenlang um den Preis für das Abschleppen verhandelt. Dies - und nicht die offiziell vorgegebene Weigerung des Kapitäns zur Mitarbeit - sei der wahre Grund gewesen, weshalb der Tanker so lange steuerlos im Meer getrieben sei.

Heute können wir nicht mehr weitermachen. Die Flut steigt jetzt. Es hängt ein bisschen vom Wind ab, aber die Leute meinen, morgen kommt eine neue Ölflut und der Strand ist wieder voller Öl. Abtragen müssen wir das Öl trotzdem. Wenn sich verschiedene Ölschichten übereinander legen, macht das keiner mehr sauber. Jetzt ist es schon schwer. Was Du heute weg machst, musst Du morgen nicht mehr säubern.

Clara und Chus stehen mit den Stiefeln im zähen, übel riechenden Teer am Strand "Numiño" bei Muxía. Sie gehören zu einer Gruppe von 250 Freiwilligen des Fachbereichs Umweltwissenschaften der Madrider Universität. 12 Stunden hat die Busfahrt bis nach Muxía gedauert. Freitag, Samstag und Sonntag helfen sie bei den Säuberungsarbeiten, in der Nacht zum Montag geht es wieder nach Madrid. So wie die beiden sind inzwischen Tausende nach Galizien gekommen, um den Dreck der Prestige zu reinigen. Der 22-jährige José aus der gleichen Gruppe kritisiert, es fehle an Elementarem: Werkzeug und Schutzkleidung:

Das macht das alles natürlich immer teurer. Die Schutzkleidung, die Stiefel und Handschuhe haben wir selbst bezahlt. Das sind jeden Tag 40 bis 50 Euro. Das kann man ja alles nur ein mal benutzen, dann muss es weggeschmissen werden.

Am 1. Dezember erlebte Galizien die größte Demonstration in seiner Geschichte. Die Zahl der Teilnehmer wird auf 250.000 geschätzt. Die Demonstration ist die Geburt der Bewegung "Nunca Mais" zu deutsch: "Nie wieder". Die Forderung unterstreicht die Meinung vieler: Das Land habe keine Lehren aus den vielen Tankerunglücken gezogen. Doch es geht auch um das allgemeine Bewusstsein, von einer allmächtigen Obrigkeit nicht ernst genommen zu werden. Die Frau eines Fischers ist empört, will aber aus Angst, die Regionalverwaltung könnte ihrem Mann die Entschädigungszahlungen in Höhe von 40 Euro pro Tag streichen, ihren Namen nicht nennen:

Die verarschen uns doch nach Strich und Faden. Die spanische Zentralregierung genauso wie die galizische Regionalbehörden. Wir, das ganze Land, müssen ihnen zeigen, dass wir uns das nicht gefallen lassen. Ich habe schon so viele Ölfluten hier erlebt. Das kann doch nicht wahr sein, dass jetzt schon wieder genau das gleiche passiert. Und dann diese Desinformation, das Ausmaß nicht anerkennen zu wollen, sich niemals für unsere Probleme zu interessieren. Und die Fernsehnachrichten. Wenn Du über die Nachrichten in anderen Ländern mehr darüber erfährst, was im eigenen Land passiert, das ist unerhört.

Auf der Kundgebung entlädt sich die Frustration der Gegner der seit 13 Jahren in Galizien mit absoluter Mehrheit regierenden Volkspartei. Laut werden die Rufe nach dem Rücktritt des regionalen Regierungschefs Manuel Fraga, einst unter Diktator Francisco Franco Zensur- und Tourismusminister. Fraga habe im ländlichen Galizien Strukturen geschaffen, die jede Opposition unmöglich machten. Das halbe Land lebe von Subventionen, und wer auf solche Gelder angewiesen sei, werde sich nicht gegen die Regierung wehren, meint Oberstufenlehrer Coldo:

Vor zwei Wochen hat die Volkspartei im Parlament acht Millionen Euro für die Restaurierung von alten Bauernhäusern für den Tourismus bewilligt. Das Problem ist, wie dieses Geld bei den Leuten ankommt. Die Regionalverwaltung filtert die Subventionen regelrecht und begünstigt die Kommunen, die von der Volkspartei regiert werden. Die Bürgermeister überreichen das Geld bar auf der Hand an die Empfänger. Damit wird klar, das Geld kommt von der Volkspartei. Damit werden Netze von Abhängigkeiten geschaffen, die bisher so gut funktionieren. Was jetzt geschehen ist, hinterfragt diese Strukturen. Ich hoffe, diese Demonstration wird der Neuanfang einer zivilen Gesellschaft in Galizien sein.

Auch der galizische Schriftsteller Manuel Rivas, in Deutschland mit "der Bleistift des Zimmermanns" bekannt geworden, beschränkt sich im Abschlusskommuniqué nicht auf ein allgemeines "Nie mehr wieder". Er fordert die Rücktritte der Verantwortlichen für die im Krisenmanagement begangenen Fehler der spanischen und der galizischen Regierung, kritisiert die Mineralölindustrie, deren Erträge unter dem Tankerunglück kaum leiden und geht auch mit dem staatlichen Fernsehen hart ins Gericht.

Die Kritik am staatlichen spanischen Fernsehen "Televisión Española" sowie an der ebenso staatlich-regionalen "Televisión Galega" ist in Galizien heute mindestens ebenso laut wie die an den Behörden. Auch der Betriebsrat von "Televisión Galega" beschwert sich, den Reportern des Senders sei lange Zeit untersagt gewesen, Begriffe wie "Ölflut" oder "Katastrophe" zu verwenden. Diese politische Einflussnahme sei möglich, weil die Generaldirektoren direkt von der jeweiligen Regierung ernannt werden.

Private Medien informieren dagegen seit Beginn des Unglücks regierungskritisch. Die Tageszeitung "La Voz de Galicia" etwa beschäftigt noch heute mindestens 25 Reporter täglich mit dem Thema "Prestige". Stellvertretender Chefredakteur Xosé Luis Vilela über die Informationspolitik der Regierung:

Wir müssen natürlich wissen, was sie sagt. Aber seit Beginn der Krise sehen wir, dass wir unserer Regierung nicht trauen können. Die Regierung war bisher vor allem bestrebt, uns zu beruhigen, die Botschaft war: Es passiert schon nichts. Die Wahrheit war genau das Gegenteil. Ein Beispiel: Am Tag des Untergangs der Prestige, am 19. November, berichteten wir darüber, dass das Schiff viel Öl verliert und dass dieses Öl auf uns zukommen wird. Aber die Regierung erkannte überhaupt nicht an, dass sich über dem Wrack ein enormer Ölteppich bildete. Die Tage vergingen, ohne dass irgendwelche Vorkehrungen getroffen wurden.

Die Behörden behinderten die Medien auch aktiv. Die Regierung verbot den von Journalisten gecharteten Privatflugzeugen zeitweise, die verschiedenen Ölteppiche zu überfliegen. Offizielle Begründung: Die Sicherheit im Luftraum über dem Meer. Journalist Vilela meint, die Menschen erlebten vor ihrer Haustüre eine Katastrophe, seien aber lange Zeit damit völlig alleine gelassen worden. Die Regierung habe der Demokratie damit geschadet: Xosé Luis Vilela:

Wir sind beschuldigt worden, zu lügen. Die Realität hat uns schließlich Recht gegeben. In einer Demokratie darf man niemals die Wahrheit als Spielball benutzen. Man kann Positionen und Ideologien vertreten, aber die grundlegenden Daten müssen für alle die gleichen sein.

Die so heftig kritisierte Partido Popular hat auf die Katastrophe erstaunlich spät und nervös reagiert. Spaniens Ministerpräsident José María Aznar war bisher nicht bei den Fischern in Galizien und hat sich erst drei Wochen nach Beginn der Katastrophe einer Fragestunde im spanischen Parlament gestellt. Auch dort stand die Informationspolitik der spanischen Regierung zur Debatte. Nach den ersten Tauchgängen des französischen Tiefsee-U-Bootes Nautile hatte der spanische Vizeregierungschef Mariano Rajoy erklärt, es träten nur noch "plastifizierte Fädchen" aus dem Schiff aus. Wenig später musste er zugeben, dass die Prestige täglich 125 Tonnen Öl verliert und sich neue Ölteppiche bilden. Oppositionsführer Rodríguez Zapatero:

Die "Fädchen" sind 125 Tonnen Öl, die täglich aus dem Boot aufsteigen. Eine 125 Tonnen schwere Lüge. Die größte Untreue in einer Demokratie ist der Betrug der Bürger, Herr Aznar. Die Lüge ist genauso schädlich wie die Schwarze Flut.

Der Generalsekretär der Sozialisten spricht nicht umsonst von Untreue. Die Regierung beschuldigt die Opposition seit Wochen, sich wegen ihrer Kritik am Krisenmanagement unsolidarisch zu verhalten. Im Parlament entgegnet José María Aznar der Opposition:

Den Kampf gegen die Verunreinigung werden wir mit der Anstrengung aller gewinnen. Aber es gibt Flecken, die sind schlimmer als das Öl. Das sind die der Unsolidarität und der Untreue. Und diese Flecken werden Sie ihr Leben lang mit sich herumtragen.

Der Radiosender "Caden Ser" sieht nach dem Tankerunglück einen "politischen Erdrutsch". In einer im Auftrag des Senders durchgeführten repräsentativen Umfrage zufolge antworteten über die Hälfte auf die Frage, "Sind Sie mit der Amtsführung von José María Aznar einverstanden" mit "Nein". Noch im Oktober waren es nur 40 Prozent. Fast 60 Prozent meinten, Spanien brauche einen Regierungswechsel.

In Galizien gab es bisher dagegen zwar keine Umfragen. Doch bereits heute ist dort der "Bloque Nacionalista Gallego" die stärkste Oppositionspartei und könnte von einem Machtverlust Manuel Fragas profitieren.

Umweltschützer schätzen unterdessen, dass es mindestens zehn Jahre dauern wird, bis sich das empfindliche Ökosystem an der bisher so artenreichen galicischen Küste von der Ölpest erholt haben wird. Voraussetzung für diese Schätzung wäre freilich, dass es zu keinen neuen "Schwarzen Fluten" kommt. Doch nichts deutet darauf hin, dass die These der Regierung eintritt, das Öl verfestige sich im kalten 3.500 Meter tiefen Meeresgrund. Im Gegenteil. In den letzten Tagen wurde bekannt, dass sich die Zahl der Risse im Wrack von 14 auf 20 erhöht hat, inzwischen täglich 130 statt bisher 125 Tonnen Öl austreten und sich neue Ölteppiche auf der Wasseroberfläche bilden. Die Spanier werden noch lange an der "Prestige" leiden.

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