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StartseiteSport am WochenendeWohldosierte Pause06.06.2020

Antidoping-Kampf Wohldosierte Pause

Der Corona-Lockdown führte quasi auch zu einem Stopp der Dopingtests. Der Verdacht liegt nahe, dass manche Sportler die kontrollfreie Zeit genutzt haben, um illegale Substanzen zu konsumieren. Die Auswirkungen auf die kommenden Wettkämpfe könnten verheerend sein.

Von Darian Leicher

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Doping-Kontrolle des Schwedischen Fußball-Verbandes   (imago )
Dopingtests fanden während des Corona-Lockdowns kaum statt. Wurde die Pause von Betrügern ausgenutzt? (imago )
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Zwischen Aschebahnen und Parkanlagen: Pamela Dutkiewicz hat turbulente Trainingswochen hinter sich. Jetzt endlich darf sich die Hürdensprinterin und WM-Bronzemedaillengewinnerin des TV Wattenscheid wieder wie gewöhnlich auf die Wettkämpfe vorbereiten. Laufen, springen, Technik-Training: "Das Event, auf das ich schaue, ist die deutsche Meisterschaft am 8./9. August in Braunschweig."

Doch die neue Normalität ist getrübt. Denn die Athletinnen und Athleten wurden knapp zwei Monate lang allein gelassen. So gab es keinen Besuch von den Doping-Kontrolleuren der NADA, der Nationalen Anti-Doping-Agentur: "Meine letzte Doping-Kontrolle ist schon gut zehn Wochen her. Das ist nicht normal. Eine so große Pause habe ich noch nie erlebt."

Die deutsche Leichtathletin Pamela Dutkiewicz springt über Hürden. (picture alliance / Rainer Jensen / dpa)Leichtathletin Pamela Dutkiewicz wurden wochenlang nicht getestet (picture alliance / Rainer Jensen / dpa)

Gut 90 Prozent weniger Proben als üblich

Seit der Sportbetrieb coronabedingt stillsteht, hat die NADA das Doping-Kontrollsystem eingestellt – aus Sicherheitsgründen. Mitte Mai verkündete NADA-Vorstandsmitglied Andrea Gotzmann via Jahres-Pressekonferenz, dass das Kontrollsystem langsam wieder anlaufe. "Seit Ende Mai startet die Anti-Doping-Agentur auch wieder das normale Trainingskontrollprogramm. Aber mit allen Möglichkeiten der Infektionsverhütung," erklärte Gotzmann diese Woche im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Dopingproben in einem Labor.  (imago ) (imago )Coronakrise - Dopingkontrollen weitgehend ausgesetzt
Aufgrund der Coronakrise sind auch die Dopingproben auf ein Minimum heruntergefahren. Es wird kaum mehr getestet. Der gesamte Spitzensport steht vor einem Glaubwürdigkeitsproblem.

Es wird also wieder kontrolliert – aber noch lange nicht auf Vor-Corona-Niveau. Aktuelle Zahlen des Kölner Doping-Kontrolllabors machen deutlich, wie gering der Anteil der eingehenden Proben derzeit ist: Gut 90 Prozent weniger als sonst zu dieser Jahreszeit – das bestätigte Laborleiter Mario Thevis.

Pamela Dutkiewicz macht sich Sorgen, dass manche Athleten die kontrollfreie Zeit genutzt haben, um illegale Substanzen mit Langzeit-Wirkung zu konsumieren: "Ich kann mir vorstellen, dass Sportler, die diesen Schritt vorher nicht gewagt haben, die Hürde als nicht mehr so hoch ansehen. Wenn man ganz sicher weiß, dass während der Corona-Zeit nicht getestet wird, könnte ich mir vorstellen, dass sich der ein oder andere einen Ruck gibt."

Boxerin Nadine Apetz (2017) (xFuturexImage/imago)Boxerin Nadine Apetz: "Gelegenheit macht Doper" (xFuturexImage/imago)

"Gelegenheit macht Doper"

Das sieht Boxerin Nadine Apetz ähnlich. Die WM-Bronzemedaillengewinnerin vom SC Colonia 06 vermutet: "Gelegenheit macht Diebe. Und in diesem Fall natürlich: Gelegenheit macht Doper."

Auch bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur erkennen sie das Problem. Während des coronabedingten Stillstands des Leistungssports habe sie aber einfach keine Kontrolleure durchs Land schicken können, erklärt NADA-Chefin Andrea Gotzmann: "Das ist aus Sicherheitsgründen notwendig gewesen. Insbesondere für alle Personen, die am Kontrollprozess beteiligt sind." Stattdessen hat die NADA auf freiwilliger Basis Kontrollkits verschickt, mit denen die Athletinnen und Athleten selbst Blutproben abgeben konnten.

Teststreifen für Dopingtest per Blutstropfenanalyse (Deutsche Sporthochschule Köln) (Deutsche Sporthochschule Köln)Stillstand und kreative Lösungen
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Die Auswirkungen auf kommende Wettkämpfe könnten verheerend sein

Dennoch: Die Auswirkungen auf die kommenden Wettkämpfe könnten verheerend sein, meint Pamela Dutkiewicz: "Viele haben die Fehlvorstellung, dass gedopt wird kurz bevor man in den Wettkampf geht. So ist das aber nicht. Gerade diese Phase, in der man wahnsinnig viel trainiert und die Saison vorbereitet, ist natürlich der optimale Zeitpunkt, um schneller laufen zu können, mehr Gewichte zu stemmen und die Grundlage für eine starke Leistung zu legen."

Der coronabedingte Wettkampf-Stopp also als ideale Doping-Zeit? Nein, sagt Bahnradfahrer Maximilian Levy. Der Europameister von 2017 im Keirin behauptet, die Zeit ohne Dopingtests habe kaum Auswirkungen. Wer vorher nicht gedopt hat, werde es auch jetzt nicht tun: "Die, die ohnehin schummeln und da ihre Möglichkeiten haben, werden das vorher gemacht haben und die werden es auch danach weitermachen. Und alle, die vorher fairen Sport betrieben haben, werden jetzt nicht gesagt haben: Oh toll, Olympia ist nicht in zwei, sondern in 15 Monaten – jetzt ziehe ich mir was rein. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, wie manch einer darauf kommt, jetzt so zu tun, als wäre der Sport verseuchter als vorher."

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Dennoch wird es wohl Lücken geben – für den Dopingexperten Fritz Sörgel sind die Gefahren der Manipulationen besonders im Hinblick auf Olympia 2021 dramatisch. Vor allem, wenn eine zweite Corona-Infektionswelle im Winter die Kontrollsysteme ein weiteres Mal aus dem Takt bringen sollte: "Dann muss man schon zu der Auffassung kommen, dass es Spiele sein werden, wie wir sie in dieser Form rein logistisch aber auch hinsichtlich der Betrugsmöglichkeiten noch nie erlebt haben."

Für Sportlerinnen und Sportler wie Pamela Dutkiewicz, die auf ihr großes Ziel Olympia hintrainieren, hat die Doping-Kontrollpause einen bitteren Beigeschmack.

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