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Apnoe-Tauchen
Mit einem Atemzug in die Tiefe

Elf Minuten und 35 Sekunden unter Wasser: das ist der Weltrekord beim Apnoe-Tauchen. Ein solcher Tauchgang ohne Sauerstoffflasche erfordert viel Training, körperliche Fitness und vor allem Entspanntheit. Nur so kann der Körper diese Höchstleitungen erzielen.

Von Sebastian Witte | 06.08.2016

Eine Taucherin bei der Apnoe Weltmeisterschaft 2012,
Eine Taucherin bei der Apnoe Weltmeisterschaft 2012. (Maxppp)
Um nicht atmen zu müssen, muss erst einmal das Atmen trainiert werden.
"Es gibt ja die Atmung in den Brustraum. Über den Thorax. Und dann kann ich ja auch in den Bauch atmen. Man kann ja den Bauch heben."
Apnoe-Tauchlehrer Ralf Plachetka wie er seinen Schülern das richtige Atmen beibringt.
"In dem Moment wo der Schüler auf der Yoga Matte liegt, kann ich ihm ja ein Stück Blei auf den Bauch legen. Und dann sag ich "Heb mal das Blei". So benutzt man auch das Zwerchfell. Das ist eine Dehnungsübung für das Zwerchfell."
Höchstleistungen durch Ruhe und Ausgeglichenheit
Durch solche Übungen lassen sich die Lungen also besser befüllen. Das ist beim Apnoe- Tauchen besonders wichtig, denn man muss möglichst viel Luft für den Tauchgang mitnehmen. Der Begriff Apneo, Griechisch für "nicht atmen", trifft es da ganz gut. Unter Wasser kann der Sportler nicht mehr Luft holen als er in den Lungen mitgebracht hat. Eine ziemlich beängstigende Situation, könnte man denken. Plachetka erklärt aber, durch die richtige Einstellung und langsames Herantasten an immer größere Tiefen und längere Tauchzeiten würde keine Panik aufkommen.
"Unter Wasser merk ich ja ob es mir gut geht oder nicht. Im Alltag geht so was verschütt. Bei dem Trubel und Lärm. Wenn man aber dann in der Stille so schwerelos schwebt, kommt die Frage: Wie geht es mir? Aber je wohler ich mich fühle desto besser geht es mir und desto bessere Zeiten und Tiefen kommen raus."
Der 55-Jährige erklärt, wie man durch Ruhe und Ausgeglichenheit Höchstleistungen erzielt. In seinen Schilderungen wird aus einer scheinbar lebensbedrohlichen Unterwasserreise ein entspannter Selbstfindungsurlaub. Der Tauchlehrer trainiert sich und seine Schüler so, um mental auf die Tiefe vorbereitet zu sein.
"Autogenes Training ist gut. Autogenes Training heißt, man macht man so kleine Reisen. Bevor wir ins Wasser gehen, machen wir solche Entspannungsübungen. Dann mach ich gern so eine Reise und nehme die Schüler mit. Die schließen ihre Augen. Dann schwärme ich von Kreta, dass man da in der Sonne liegt. So kann man sich entspannen. Das Gefühl nimmt man dann mit ins Wasser und das hilft."
Mit Atmung und Wasser vertraut machen
Das Apnoe-Tauchen erfordert, neben der Entspanntheit, aber auch viel Training, körperliche Fitness und Geduld. Man müsse kleine Schritte machen und sich langsam mit seiner Atmung und dem Wasser vertraut machen. Man dürfte sich eben nicht überfordern, ist sein Rat.
"Man macht das ja nicht auf einen Schlag. Also dass man sagt "ich guck jetzt mal wie weit ich komme!" Ich übe dann mit den Schülern das Streckentauchen. Die schaffen auch 25 Meter auf Anhieb. Dann sind die 50 auch nicht weit. Das kriegt man dann nach ein paar Tagen und etwas Übung auch hin."
Beim Apnoe-Tauchen geht es den Tauchern aber nicht um Tempo. Im Gegenteil, es geht ziemlich entschleunigt zu. Bei Rekordversuchen, möglichst lange unter Wasser zu bleiben, bewegen sich die Taucher sogar gar nicht. So kommt es zu unglaublichen 11 Minuten ohne Atmung. Lange die Luft anhalten zu können, hat auch manchmal über Wasser seine Vorzüge, erzählt Ralf Plachetka.
"Ich hatte am Haus eine Kanalarbeit zu tun. Das stinkt dann. Da musste ich die Luft anhalten. Bin dann runter gegangen und hab das Problem gelöst. Nach 1 1/2 Minuten bin ich dann wieder hoch gekommen und hab einen frischen Luftzug genommen. Manchmal ist das also auch im Alltag ganz hilfreich."
Viele von Plachetkas Übungen und Tipps greifen eben nicht nur unter Wasser. Autogenes Training oder das Konzentrieren auf die eigene Atmung helfen auch um alltäglichen Stress zu bewältigen. Ein Apnoe-Taucher sollte übrigens Nichtraucher sein, erklärt Plachetka. Klingt einleuchtend. Eben noch so ein Rat, den auch Nicht-Taucher beherzigen sollten.