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StartseiteCorsoNasa vom Teppich bis zur Tasse19.07.2019

Apollo-11-Kontrollraum nachgebautNasa vom Teppich bis zur Tasse

Geräte, Möbel, Beleuchtung, Teppich und Tapete: Im restaurierten „Mission Control Room“ soll alles genau so aussehen, wie in den Stunden der Mondlandung vor 50 Jahren. Sogar die alten Kaffeebecher der Ingenieure sind zurück. Ein Stück Designgeschichte ist gesichert - und der US-Patriotismus.

Von Ann-Kathrin Horn

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Blick in den renovierten Raum des Johnson Space Center in Houston (www.imago-images.de/Alicia L. Pérez)
50 Jahre nach der Mondlandung - Blick in den renovierten Raum des Johnson Space Center in Houston, Texas (www.imago-images.de/Alicia L. Pérez)

Sandra Tetley: "Es soll so aussehen, als hätte man eine Zeitreise gemacht. Als wäre die Mondlandung gerade passiert und die Ingenieure sind von ihren Monitoren aufgestanden, um sich einen Kaffee zu holen, oder eine rauchen zu gehen. Stifte liegen auf den Tischen, Aschenbecher stehen drauf. Und an den Geräten leuchten exakt die Knöpfe wie damals."

Sandra Tetley, Restauratorin im Johnson Space Center bei der Nasa in Houston, - im Prinzip eine Art Denkmalschützerin, hat ein ehrgeiziges Ziel: Alles im sogenannten Mission Control Room soll wieder genau so aussehen wie am 20. Juli 1969, am Tag der Mondlandung. Zusammen mit früheren Nasa-Mitarbeitern und Architekten hat sie den Raum rekonstruiert. Schwierig, denn: Erinnerungen oder Fotos von damals gab es kaum, sagt Architekt David Bucek:

"Als wir mit dem Projekt angefangen haben, hieß es: ‚Keine Ahnung, wie der Teppich aussah, keine Ahnung, wie die Tapete oder die Decke aussahen.‘ Also sind wir mit unserem Team in die Archive, haben nach alten Aufnahmen oder Dokumente aus der Bauzeit gesucht. Wir haben sogar einen forensischen Analytiker hergeholt, um zu untersuchen, welche Materialien noch original aus den späten 60er-Jahren sind."

Tapete und Teppich waren schwer zu bekommen

Alle Objekte, die noch im Original von damals erhalten waren, wurden gesichert. Alles andere musste das Team zusammensuchen. Die Recherchen dazu dauerten ganze sechs Jahre. Und reichten von den grauen Stoffbezügen der Drehstühle über den hellbraunen Teppich bis hin zu den braunen Glas-Aschenbechern, die damals vor fast jedem Monitor standen. Die Kaffeebecher und auch die Kaffeemaschine von damals hat David Bucek auf einer Verkaufsplattform im Netz gefunden. Schwieriger war es, Tapete und Teppich zu rekonstruieren.

David Bucek: "Hinter dem Rohrpost-System von damals haben wir noch ein Stück Original-Teppich gefunden. Und hinter einem alten Feuerlöscher war noch ein Stück von der alten Tapete. Das Nachfolgeunternehmen der Firma, die diese Tapete hergestellt hat, hatte tatsächlich auch noch die Original-Musterrolle."

Die Tapete wurde so lange hergestellt, bis die Farbe, ein sehr heller Beige-Ton, und die Struktur, eine Art gewebtes Muster, stimmten. An anderer Stelle musste das Team Kompromisse eingehen: Der Teppich wurde aus Kostengründen einfacher als damals geknüpft.

Die Restaurierungsarbeiten kosteten insgesamt fünf Millionen US Dollar. Gesammelt wurde das Geld vom Space Center Houston, einem nicht-kommerziellen Zentrum, das auf dem Nasa-Gelände ein Museum betreibt und Touristen herumführt. Wichtig war, dass das Geld nicht von der Nasa selbst kommt.

David Bucek: "Viele Menschen hier bei der Nasa wollen nach vorne schauen, in die Zukunft – und wollen nicht, dass Geld für etwas ausgegeben wird, das sich mit der Vergangenheit befasst. Daher musste das Geld privat aufgetrieben werden, damit wir der Nasa kein Geld für ihre aktuellen Weltraum-Projekte wegnehmen."

Patriotismus stärken

Auch wenn sie ihn nicht selbst bezahlt hat: Für die Nasa kommt der Raum zur richtigen Zeit. Denn er ist nicht nur ein Designobjekt, sondern auch ein Objekt des Stolzes, gut, um Patriotismus zu stärken. Immerhin zeigt er eindrücklich, zu welchen technischen Leistungen die USA schon vor 50 Jahren fähig waren – und es auch in Zukunft sein wollen. US-Präsident Donald Trump will, dass die USA bis 2024 wieder Menschen zum Mond bringen – und danach sogar zum Mars. Ist das Größenwahn?

Nein, meint Robert Brinkman, der als Tourist mit seiner Frau das Gelände besichtigt. Ein Raumfahrt-Fan, der sogar am Tag der Mondlandung Geburtstag hat: "Es ist sehr wichtig, dass wir bei dieser Sache weiterhin aggressiv sind. Es ist Forschung. Es ist das Erkunden, was dort draußen ist. Je mehr wir lernen, desto besser."

Auch für Restaurateurin Sandra Tetley ist das Thema Weltraum eine nationale Angelegenheit und wichtig für die Amerikaner. Deshalb ist sie auch so stolz auf den restaurierten Kontrollraum:

"Für mich als Restauratorin und als US-Amerikanerin ist das hier einer der wichtigsten Orte der Welt. Ich meine, wir haben Menschen auf den Mond gebracht und wieder heil zurück. Und das ist aus diesem Raum heraus geschehen."

Alle Räume mit 3D-Lasern gescannt

Den restaurierten Mission Control Room können sich jetzt Nasa-Mitarbeiter und Touristen durch eine Glasscheibe anschauen. Und sehen dann auf den Monitoren exakt die Daten, die auf den Bildschirmen am Tag der Mondlandung angezeigt wurden, auch genau die gleichen Knöpfe wie damals leuchten, die gleichen Dokumente wie damals liegen auf den Tischen.

In den Räumen nebenan zählt nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Von dort aus werden die aktuellen Missionen der Nasa gesteuert. Sandra Tetley hat diese Räume vorsichtshalber mit 3D-Lasern scannen lassen. Angenommen, die Amerikaner bringen tatsächlich irgendwann Menschen erfolgreich zum Mars, wäre vielleicht ein weiterer Kontrollraum museumsreif.

"Ja vielleicht, wenn sie es auf den Mars schaffen, dann würde ich natürlich auch den Kontrollraum gern erhalten."

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