Kirche
Appelle für Demokratie, Frieden und Zusammenhalt - Katholikentag in Würzburg beendet

Mit einem Gottesdienst und eindringlichen Appellen zu Mut und gesellschaftlichem Engagement ist der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg zu Ende gegangen. Seit Mittwoch hatten mehrere Zehntausend Menschen an Gottesdiensten, Diskussionen und politischen Debatten teilgenommen.

    Heiner Wilmer (3.v.r), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Franz Jung (2.v.r), Bischof von Würzburg, stehen beim Abschlussgottesdienst des 104. Katholikentages auf dem Residenzplatz.
    Der Katholikentag ging mit einem großen Abschlussgottesdienst zu Ende. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
    Zum Abschluss des Katholikentags rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Wilmer, die Menschen dazu auf, sich für Frieden und Menschlichkeit einzusetzen. Bei dem Gottesdienst auf dem Würzburger Residenzplatz sagte der designierte Bischof von Münster: "Die Welt brennt. Aber sie ist nicht verloren." Niemand solle wegsehen oder zögern.
    In seiner Predigt richtete Bischof Wilmer den Fokus auf die Lage im Bürgerkriegsland Sudan. Dort ereigne sich derzeit die "größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit". Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen. "Wir dürfen die Menschen in Afrika nicht vergessen", forderte Wilmer.
    Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stetter-Karp, dankte den Helfern sowie den Besuchern des Katholikentags. Das Leitwort des diesjährigen Treffens lautete "Hab Mut, steh auf!".

    Debatten über Kirche, Politik und gesellschaftlichen Zusammenhalt

    Seit Mittwoch waren mehrere Zehntausend Menschen zu dem katholischen Laientreffen nach Würzburg gekommen. Bei rund 900 Veranstaltungen hatten die Teilnehmer über Reformen in der katholischen Kirche sowie die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt diskutiert. Es ging aber auch um gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie internationale Krisen und Kriege.
    Zu den prominenten Gästen zählten Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzler Merz, Bundestagspräsidentin Klöckner und der bayerische Ministerpräsident Söder.
    In seiner Eröffnungsrede hatte Bundespräsident Steinmeier dazu aufgerufen, sich gegen Hoffnungslosigkeit und gesellschaftliche Spaltung zu stellen. Die Gesellschaft dürfe sich nicht selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund reden, so Steinmeier.
    Bundestagspräsidentin Klöckner hatte die Kirchen dazu aufgefordert, sich stärker auf die Vermittlung des Glaubens zu konzentrieren und nicht nur aktuelle politische Debatten zu kommentieren. Ministerpräsident Söder hatte wiederum das Versäumnis der katholischen Kirche bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt thematisiert. Der Vatikan habe auf erste Vorwürfe viel zu spät reagiert.
    Auch die Rolle von Frauen in der Kirche war Thema. ZdK-Präsidentin Stetter-Karp warf der Kirche eine massive Diskriminierung von Frauen vor. Auf der Veranstaltung sagte sie, in der katholischen Kirche herrsche das männliche Geschlecht über das weibliche. Daher stießen Reformen der Sexualmoral und die Zulassung von Frauen für Weiheämter auf so erbitterten Widerstand.

    Aufruf gegen Antisemitismus

    Beim Abschlussgottesdienst in Würzburg sprach auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster. Er rief die Menschen dazu auf, Zivilcourage gegen Antisemitismus zu zeigen und für demokratische Werte einzustehen.
    Der Deutsche Katholikentag ist eines der wichtigsten Treffen katholischer Laien in Deutschland. Er wird alle zwei Jahre in einer anderen Stadt veranstaltet. Der nächste Katholikentag findet 2028 in Paderborn statt.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

    Politische und innerkirchliche Konflikte - Katholikentag in Würzburg ist beendet
    Diese Nachricht wurde am 17.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.