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Arbeit mit Hindernissen

Den Job der Wahl zu finden, ist für Behinderte noch schwieriger als für Menschen ohne Behinderung. Immer noch ist Behinderung ein Einstellungshemmnis. Da liegt es nahe, als Freiberufler die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ein Porträt über den Weg zum selbstbestimmten Arbeitsalltag.

    Dominik Peter ist mit Leib und Seele Reisfotograf und Reisejournalist. Ihn reizen die fernen Länder, die fremden Kulturen, das andere Klima. Und er mag die Herausforderung, in kurzer Zeit Informationen zu sammeln, Artikel zu schreiben und Sehenswürdigkeiten zu fotografieren. Doch vor einigen Jahren erlitt Peter einen Unfall.

    Also, ich war auf einer Reise in die Dominikanische Republik für Kunden und habe dort fotografiert und während ich fotografiert habe, ist ein riesengroßer Ast, der 250 Kilo hatte, von einer Sekunde zur anderen abgebrochen. Ich stand direkt drunter, und er ist mir von hinten also auf den Kopf gefallen, und deswegen bin ich seitdem querschnittsgelähmt. Der hat also einen Wirbel total zerfetzt. Im Nachhinein kann ich froh sein, dass ich diesen Unfall überlebt habe, weil die Versorgung in der Dominikanischen Republik natürlich alles andere als dem Standard entsprach und musste dann ausgeflogen werden nach Deutschland, um hier ärztlich versorgt zu werden.

    Für einen Rollstuhlfahrer bringt der Beruf des Reisejournalisten viele Schwierigkeiten mit sich: Kirchtürme, Kathedralen und andere alte Bauwerke sind mit dem Rollstuhl häufig nicht zu befahren, und in malerischen Städten wimmelt es häufig von hohen Bordsteinkanten. Trotzdem hatte Dominik Peter nie einen Zweifel: Er wollte wieder in seinem Beruf arbeiten. Als Freiberufler ist er ins Arbeitsleben zurückgekehrt. Die Chancen festangestellt zu arbeiten, hält er für gering.

    Wenn Tausende von anderen Kollegen keine Anstellung finden, dann als Behinderter angestellt zu werden, da sind die Anreize, die gegeben werden, um einen Behinderten anzustellen, viel zu niedrig.

    Welche Möglichkeiten behinderte Freiberufler haben, weiß Rechtsanwältin Bettina Theben.

    Es gibt natürlich all die Möglichkeiten, die auch Nicht-Behinderten offen stehen. Kredite und Unterstützung auch bei Lohnkosten durch das Arbeitsamt. Für behinderte Freiberufler gibt es darüber hinaus, die Möglichkeit, über das Integrationsamt Zuschüsse zu erhalten zum Arbeitsplatz selber, zur Sachausstattung, also wenn man zum Beispiel wegen der Behinderung ´n besonderen Computer braucht, besondere Schreibtische, irgendwie so was, wenn man ´n Auto braucht, auch dies. Und dann auch Zuschüsse für die so genannte Arbeitsassistenz, als Arbeitnehmer, die man sich anstellt, die einem wegen der Behinderung bestimmte Dinge abnehmen, die man selber dann nicht mehr machen kann.

    Für Dominik Peter ist die Arbeitsassistenz besonders wichtig: Der Assistent hilft auf den Reisen weiter, auf denen sich Peter alleine schwer bewegen könnte. Wer wie Peter seine Behinderung bei einem Arbeitsunfall davongetragen hat, bekommt von der Berufgenossenschaft Zuschüsse aus der Unfallversicherung: etwa für den Umbau der Wohnung. Allerdings gibt es oft Konflikte mit den Behörden. Dominik Peter hat viele Kämpfe ausgestanden, besonders mit der Berufsgenossenschaft.

    Das lustigste, was mir in dem Zusammenhang passiert ist, war eine Äußerung, dass man mich doch umschulen wollte, das war dann ein Angebot hin zum Hausmeisterjob irgendwo in ´nem Behindertenheim, und das jemanden anzubieten, der als Chefredakteur schon gearbeitet hat, ist natürlich ein Unding.

    Seit einem Jahr arbeitet Dominik Peter wieder in seinem Beruf, und findet, dass die Entscheidung richtig war. Die Texte und Bilder verkaufen sich gut, und die Liste der bereisten Orte ist lang.

    Dresden, Prag, Paris, das sind dann die kleineren Sachen, dann Mittelstrecke Spanien, Portugal, das sind die ganz klassischen Reiseziele, die man immer anbieten muss, weil da fahren die Deutschen gern hin, also muss man da auch Themen sammeln. Aber ich war auch schon im Burma seither und in Thailand, was natürlich Nationen sind, die einen Rollstuhlfahrer schon massiv fordern.

    Links zum Thema:

    Integrationsämter