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StartseiteCampus & KarriereFerienjobber werden zur Mangelware02.07.2018

Arbeiten in der unterrichtsfreien ZeitFerienjobber werden zur Mangelware

In den Schul- oder Semesterferien sein eigenes Geld verdienen: für viele Jugendliche oder Studierende eine erste Erfahrung von Selbstständigkeit. Dennoch sinkt die Zahl der Ferienjobber. Der Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen macht für diese Entwicklung unter anderem die Eltern verantwortlich.

Von Ludger FIttkau

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Abiturient Lucas Alsbach nimmt von seinem Job auch mehr mit als die Fähigkeit, ein Go-Car zu reparieren. (deutschlandradio / Ludger Fittkau)
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Ferienjobs für Schüler Bis zu 1.000 Euro steuerfrei

Lucas Alsbach ist 19 Jahre alt, hat sein Abitur gerade hinter sich und hämmert nun auf dem Hof eines Wiesbadener Kinder-Freizeitzentrums auf ein Gokart ein:

"Gerade im Moment reparieren wir hier Gokarts, die hier für die Kinder angeboten werden. Ursprünglich waren es vier, aber jetzt im Moment haben wir nur zwei. Jetzt habe ich hier von dem die Reifen abgebaut und die dort dran gebaut, an das andere Gokart, damit wir wieder drei haben."

Lucas Alsbach verdient sich im Kinderferienprogramm des sozialen Stadtteilzentrums in Wiesbaden sein erstes Geld. Es ist kein üppiger Verdienst - aber:

"Es ist ja das erste Geld, das ich überhaupt verdiene, nach dem Abitur, ich bin eigentlich relativ zufrieden."

Glücksgefühl beim ersten eigenen Geld

Das Glücksgefühl, mit einem Ferienjob zum ersten Mal eigenes Geld zu verdienen – das streben allerdings zurzeit immer weniger Schülerinnen und Schüler an. Dies stellt Gerald Kink fest. Er leitet in Wiesbaden das Hotel Oranien und ist Präsident des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen. Ob Schülerinnen und Schüler einen Ferienjob suchen, liege zuallererst an den Eltern, so Gerald Kink:

"Es sind sehr, sehr viele, die noch so denken, dass sie sagen: Es tut gut, wenn man mal im Sommer ein paar Wochen praktische Erfahrungen sammelt: Ob das im Einzelhandel ist, Regale auffüllen oder eben zu einem gastronomischen Kollegen geht und sagt: Komme, ich mache mal vier Wochen Service oder helfe in der Küche.

Eine andere Denkweise in der Gesellschaft sagt: Vielleicht sollte die jüngere Generation die Zeit noch mehr für sich nutzen, um noch etwas zu genießen und selber was unternehmen. Und der pädagogische Zweck dahinter, sich selbst auch ein bisschen Geld zu verdienen, der verschwindet ein wenig."

Immer mehr Aushilfen und Servicekräfte fehlen

Es fällt den Gaststätten und Hotels seines Verbandes jedenfalls in den letzten Jahren immer schwerer, Ferienjobber oder Aushilfen in der örtlichen Schüler- oder Studentenschaft zu finden, beklagt Gerald Kink. Dabei könne man eigentlich recht gutes Geld verdienen und einiges lernen, da ist sich der Hotelier sicher:

"Wir haben das große Glück und haben wirklich oftmals Praktikantinnen und Praktikanten, die bei uns gearbeitet haben, die sich dann bei der Berufsentscheidung an uns erinnert haben und gesagt haben, das war nett, das war spannend, das hat mir Spaß gemacht. Das Wort Spaß hat ja einen hohen Faktor bei der Berufswahl. Und dann haben die sich bei uns gemeldet und es sind nicht wenige Ausbildungsverhältnisse durch Praktika zustande gekommen, ja."

Auch die Arbeit im Kinder-Stadtteilzentrum in Wiesbaden hat Lucas Alsbach letztendlich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz geholfen. Denn bevor er dort anfing, wusste er noch nicht so recht, welchen Ausbildungsweg er nach dem Abi einschlagen sollte, erzählt er. Doch nun hat einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker sicher, nachdem er im Kinder-Freizeitzentrum schon die Computer betreut hat:

"Na ja, ich würde sagen, dass ich hier derjenige bin im Team, der sich am meisten damit auskennt. Deswegen habe ich auch zwei Computer komplett neu eingerichtet, die gekauft wurden. Habe mich auch hier im Kinderzentrum um den Computerraum gekümmert so ein bisschen. Und ansonsten war ich halt immer zur Stelle, wenn es irgendein Problem gab."

Ferienjobs besonders gut für Stubenhocker geeignet

Gerald Kink, der Präsident des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA in Hessen glaubt, dass es vor allem Jugendlichen, die stundenlang auch in ihrer Freizeit vor dem Computer sitzen sehr guttut, einen kommunikativen Ferienjob zu machen:

"Bei uns kann man lernen, wie es funktioniert, was handwerklich zu tun ist. Man lernt. Wie der Umgang miteinander ist, wie man sich gegenseitig in Spitzen auch mal stützt. Man lernt auch, finde ich, die Kommunikation in unserer Branche, sie müssen mit dem Gast auch kommunizieren. Also müssen sie auch reden mit ihm. Sie müssen mit ihren Kollegen auch sprechen. Also ich finde schon, man nimmt definitiv was für sich selbst mit."

Abiturient Lucas Alsbach nimmt von seinem Job auch mehr mit als die Fähigkeit, ein Gokart zu reparieren.

"Also, so ein Ferienjob ist immer gut, wenn man was lernt sowieso und wenn man das Geld bracht auch."

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