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StartseiteUmwelt und VerbraucherArtenschutzprojekt Froschkönig19.07.2005

Artenschutzprojekt Froschkönig

Weiden sollen zu Laubfroschwiesen umgestaltet werden

Der Froschkönig im Märchen hat zwar so manche Probleme, aber Wasser steht ihm genug zur Verfügung. Das ist im wirklichen Laubfroschleben ganz anders. Es fehlt an Tümpeln und Teichen, die im Sommer schön warm sind und – ganz wichtig - in denen keine Fische leben. Solche Tümpel haben sich früher ganz von selbst auf Viehweiden gebildet. Naturschützer in Niedersachsen versuchen deshalb, Landwirte in den Laubfroschschutz einzubeziehen.

Von Elke Drewes

Aus ganz normalen Wiesen sollen Laubfroschwiesen werden.  (AP Archiv)
Aus ganz normalen Wiesen sollen Laubfroschwiesen werden. (AP Archiv)
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NABU: Laubfrosch

Mit einigem Glück sollen im nächsten Frühjahr schon auf einer Brennnesselwiese in Burgdorf -Immensen bei Hannover die Laubfrösche nächtliche Konzerte geben. Landwirt Hans Mikulle hat die 1 ha große Wiese dem Naturschutzbund als Laubfroschwiese zur Verfügung stellt.

"Ich kann die nicht nutzen für meinen Betrieb, früher war es Weide gewesen, aber die paßt nicht mehr rein, zu klein."

Außerdem ist die Wiese zu feucht. Wenn es im Frühjahr viel regnet, versinken Treckerreifen und Pferdehufe im Morast. Für den Laubfrosch aber sind Wärme und Feuchtigkeit ideal. Beides fand er vor einigen Jahrzehnten noch auf den Viehweiden, erinnert sich Landwirt Mikulle.

"Früher waren auf den Grünländereien überall Tränken. An den Tränken wurde die Erde weggetreten, da war immer Wasser drin, warmes Wasser, und darin waren immer Laubfrösche. Die Viehtränken waren das A und O, kleine Wassertümpel, das war der Idealfall für den Frosch."

Himmelsweiher heißen diese Regenwassertümpel in Norddeutschland. Es gibt sie aber kaum noch, denn viele Landwirte haben die Tümpel und Senken auf Wiesen und Äckern zugeschüttet, um die Flächen besser zu nutzen. Auch läuft bei den modernen Viehtränken kein Wasser mehr über, das den Fröschen als Laichgewässer dienen könnte. Deshalb legen die Mitglieder des Naturschutzbundes kleine Tümpel und Weiher an, so wie auf der Brennnesselwiese von Landwirt Mikulle. Ganz wichtig: es dürfen keine Fische im Wasser sein, denn die fressen Froschlaich und Kaulquappen. Außerdem sollten Bäume und Büsche in der Nähe sein oder angepflanzt werden, denn der Laubfrosch klettert gerne und sonnt sich auf den Blättern, weiß Uwe Manzke vom Naturschutzbund Hannover.

"Laubfrösche können sich in Baumwipfeln aufhalten, 20, 30 Meter hoch, aber auch in Brombeerhecken, da sehen wir sie auch besser. Brombeerhecken haben den Vorteil, sie haben Sonnen- und Rückzugsplätze bei Wind und Regen. Und sie haben Früchte, die locken wiederum Insekten an, die der Laubfrosch gerne verspeist, Fliegen, Schmetterlinge und Mücken, aber er frisst auch Asseln und Spinnen, alles was da herum klettert."

Der 42 Jährige Biologe beobachtet und kartiert seit 20 Jahren die Laubfroschbestände in der Region Hannover. Seit den 80er Jahren sind sie stark zurückgegangen, erst in den letzten beiden milden Wintern haben sich die Laubfrösche an wenigen Orten wieder erholt. Deshalb will der Biologe das Artenschutzprojekt "Froschkönig – ein König sucht sein Reich", das vor einigen Jahren schon im Münsterland erfolgreich war, in Niedersachsen verbreiten. Damit noch andere Landwirte so wie Hans Mikulle aus Immensen Weiden als Laubfroschwiesen zur Verfügung stellen. Der Naturschutzbund hat schon einen Bauunternehmer beauftragt, auf der Brennnesselwiese von Landwirt Mikulle einen kleinen Teich auszubaggern, erklärt Manfred Tschäke vom NABU Burgdorf.

"Diese Teichanlage dient zum Schutz der gesamten Amphibien. Molche, Grasfrösche und Moorfrösche, die haben es ja auch nötig, dass man sich um sie kümmert und dies könnte ein idealer Platz werden, damit die Tiere überleben können."

Im vergangenen Herbst haben die Naturschützer schattige Sträucher an einem weiteren Teich in Burgdorf entfernt, damit der sonnenliebende Laubfrosch sich dort breit macht, berichtet Uwe Manzke.

"Die Erfolge waren sofort zu sehen: jede Menge rufende Männchen, über 20 Rufer. Auch der Wasserhahnenfuß war schön zu beobachten, das Wasser leuchtete weiß, auch die Wasserfeder war drin und wir erhoffen uns auch andere Gewässer wieder Laubfrosch gerecht her zu stellen."

Dafür braucht der Naturschutzbund Spendengelder und natürlich noch andere Landwirte und Grundbesitzer, die Wiesen und Weiden zur Verfügung stellen.

Weitere Informationen im Internet unter www.laubfrosch-hannover.de

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