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Asiatischer Supercomputer

IT.- Mehr als 2000 IT-Fachleute aus aller Welt haben an der Internationalen Supercomputer-Konferenz teilgenommen, die nun in Hamburg stattgefunden hat. Überraschendes Ergebnis: Japan meldet sich mit dem K-Computer auf Platz Eins der Top-500-Liste der schnellsten Superrechner zurück.

Von Peter Welchering | 25.06.2011
    Der schnellste Computer der Welt, der japanische K-Computer, liegt genau im Zeitplan. Vor vier Jahren wurden auf der damals noch in Dresden stattfindenden Supercomputerkonferenz die ersten Pläne für den neuen Rechnerboliden vorgestellt. Und für das Jahr 2012 wurde das Durchbrechen der Leistungsgrenze von 10 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde prognostiziert. In der jetzigen Ausbaustufe bringt der am Riken-Institut entwickelte Supercomputer eine Leistung von 8,1 Petaflops, also 8,1 Billiarden Gleitkommaoperationen in der Sekunde. Und damit verwies der K-Computer den Vorjahressieger aus China auf Platz 2. Professor Hans Meuer, einer der Herausgeber der Top-500-Liste der schnellsten Supercomputer der Welt, beschreibt das so:

    "Ja, es war schon ein dramatischer Wettlauf. Also die Sensation war natürlich, dass Japan die Nummer-Eins-Position wieder übernommen hat. Da hat ja eigentlich kaum jemand mitgerechnet. Es galt als abgemacht, dass es ein Rennen zwischen USA und China wird, aber die Japaner haben gezeigt, dass sie zurück sind."

    Im nächsten Jahr soll der K-Computer komplett fertig sein. Dann wird er den Prognosen zufolge auch die Zehn-Petaflops-Grenze reißen. Das Projekt liegt im Plan. Und genau damit hatte niemand gerechnet. Aufholbedarf hat dagegen Konkurrentin IBM, denn die ist mit ihren beiden Zehn-Petaflops-Projekten in diesem Jahr noch gar nicht für die Top-500-Liste angetreten. Supercomputer-Manager Klaus Gottschalk:

    "Wir arbeiten gerade gemeinsam mit der US-Regierung an zwei Projekten, die beide an die Zehn-Petaflops-Grenze heranklopfen werden und sie übertreffen werden, also die beiden Rechner heißen Blue Waters, das ist ein power-7-basiertes System, das jetzt gerade im Aufbau ist und die nächste Generation BluGene, das Sequoia genannt werden wird, das auch die Zehn-Petaflops-Grenze übertreffen wird."

    Wie schnell die Supercomputer sind, das wird mit einer Test-Suite namens Linpack gemessen. Und diese Test-Suite ist vor der Supercomputerkonferenz ziemlich in die Kritik gekommen. Sie beruht auf der Lösung linearer Gleichungssysteme. Kritiker wenden ein, dass konkrete Einsatzszenarien und Simulationsaufgaben von Supercomputern damit gar nicht getestet werden. Zudem spielten bei der Linpack-Suite Leistungskriterien wie Ein- und Ausgabegeschwindigkeit, Bandbreite und Speicherleistung keine Rolle. Deswegen wurde erwartet, dass die Linpack-Suite um Testprogramme erweitert wird, die sich stärker an konkreten Einsatzbedingungen orientieren. Hans Meuer:

    "Also Linpack, das wird eigentlich seit Beginn unseres Top-500-Projekts kritisiert, das im Jahr 1993 an der Universität Mannheim entstanden ist. Warum nehmt ihr Lindpack, werden wir immer wieder gefragt. In der Tat ist es so, dass für alle unsere Aussagen nur eben auf das Lösen eines linearen Gleichungssystems stützen können. Jetzt hier in diesem Fall mit dem K-Computer hat der immerhin ein Gleichungssystem von weit über zehn Millionen linearen Gleichungen mit entsprechenden Unbekannten gelöst und hat dafür 28 Stunden gebraucht."

    Und weil die Rechenzeit für diesen Leistungstest damit viel zu lang geworden ist, wollen die Organisatoren des Top-500-Projektes die Linpack-Tests verkürzen und gerade nicht um zusätzliche Praxistest erweitern. Dieses Ergebnis hat so manchen Konferenzteilnehmer überrascht. Frank Baetke dagegen, Supercomputerexperte bei Hewlett-Packard, begrüßt die Verdichtung der Linpack-Testläufe, weil mit ihnen sehr langfristige Leistungsprognosen möglich sind.

    "Bis jetzt hat der Trend, den man da vorher gesagt hat, der hat sich recht gut bestätigt. Wir sehen ja jetzt bereits, dass wir am oberen Ende kurz vor den zehn Petaflops gelandet sind mit den K-Computer. Und typischerweise in der Top-500-Liste ist es so, dass das High-End-System in der Top-500-Liste diese Position ein halbes oder ein oder sogar zwei Jahre hält und dann überholt wird. Der Trend geht ungebrochen weiter in Richtung Exascale-Computing."

    Ein solcher Supercomputer würde dann eine Trillion Gleitkommaoperationen in der Sekunde schaffen. Ein fast unvorstellbarer Wert, eine Eins mit 18 Nullen. Prognostiziert wird ein solches Exaflops-System für das Jahr 2019. Und vielleicht wird der schnellste Computer der Welt dann im Forschungszentrum Jülich stehen. Denn die Forscher dort haben in Sachen Exaflops-Computer bisher die Nase vorn.