Sonntag, 20.09.2020
 
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Leverkusen emanzipiert sich vom Bayer-Konzern

Sportförderung, Wohnungsbau, Kindergärten - Leverkusen, das war Bayer. Der Konzern wird sein Kerngeschäft in der Rheinebene belassen, aber der Horizont ist für das Chemie- und Pharmaunternehmen längst globaler geworden. Der internationale Wettbewerb setzt Zentrifugalkräfte frei, die vom Traditionsstandort wegführen. Für Leverkusen heißt das Umdenken.

Von Philipp Krohn

Die Bayer-Konzernzentrale in Leverkusen (AP Archiv)
Die Bayer-Konzernzentrale in Leverkusen (AP Archiv)

" Wir sind durch Bayer groß geworden - ohne Bayer gäbe es nicht Leverkusen, das muss man ganz klar sagen. "

" Heute ist es schon sehr, sehr schwer durch die verschiedenen Firmen, die Bayer hat, und wir sind ja alle verteilt heute - rundherum. Deswegen fragt man ja immer: was bist Du, woher kommst Du, ist Bayer noch Bayer? "

Diese Frage stellt sich ganz Leverkusen. Kaum eine deutsche Stadt ist so abhängig von einem Konzern. Wenn Bayer hustet, hat Leverkusen Schnupfen - so heißt es bis heute. Und daraus erwächst dem Pharma-Unternehmen auch eine besondere Verpflichtung, meint der Stadthistoriker Matthias Bauschen.

" Salopp könnte ich formulieren: Das Unternehmen ist ja schuld, dass die Stadt Leverkusen entstanden ist. Insofern muss sich die Mutter um ihre Kinder weiter kümmern. "

Noch plätschert es in Leverkusens City. Der Wiesdorfer Platz in der Stadtmitte wird bald umgebaut. All das wird dann der Vergangenheit angehören: die Aluminium-Skulptur mit den Wasserbehältern, die umkippen, sobald sie voll sind und das Wasser nach unten schütten, das vierstöckige Rathaus mit der grünen Fassade und auch das graue Stadthaus, in dem bald der letzte Pater Noster die Bürger zu den Verwaltungsbüros befördert.

Leverkusen will sich eine neue Mitte zulegen - und dabei geht es auch um Abnabelung: die Abnabelung vom Bayer-Konzern, erklärt der Sozialdemokrat Ernst Küchler, der Oberbürgermeister der Stadt:

" Früher dachte man: Solange es bei Bayer stinkt, geht's uns gut. Die Identität dieser jungen Stadt erwuchs auch aus der Zugehörigkeit zu dem Werk - unserem Werk. Das war Identität. Und mit abnehmender Identität muss die Stadt etwas schaffen wie eine neue Identität. Und dazu trägt natürlich die Mitte in Leverkusen, die wir schaffen oder die gebaut wird, maßgeblich bei. Das ist sehr vergleichbar mit dem, was man Ende der 60er, Anfang der 70er schon einmal versucht hat und damals mit Erfolg versucht hat, nämlich aus einer Gemeinde, die aus dem Zusammenschluss einzelner kleiner Gemeinden bestand, eine eigene Stadt Leverkusen - mit einem eigenen Herz, hat man damals gesagt - zu schaffen. "

Damals entstand die Mitte, die nun umgebaut werden soll: Ein großes neues Einkaufszentrum soll Kunden anziehen. In dasselbe Gebäude wird sich auch die Stadtverwaltung einmieten - für ein eigenes hat sie kein Geld mehr. Das Leverkusener Zentrum mit den Cafés, Geschäften und Eisdielen, in das die Bürger strömen, bekommt ein völlig neues Gesicht.

Das Bayer-Kaufhaus wird dieses Gesicht nicht mehr schmücken. Der letzte Einkaufstempel, den der Pharmakonzern noch betreibt, wird Ende 2007 abgerissen.

Das Ende des Bayer-Kaufhauses hat eher eine symbolische Bedeutung. Nach knapp 100 Jahren hat Bayer den Rückzug aus der Versorgung der Leverkusener nahezu vollständig abgeschlossen. Einer Versorgung, die noch zu Beginn der Stadtgeschichte lebensnotwendig war, sagt der Historiker und frühere Zeitungsredakteur Matthias Bauschen:

" Bayer ist an den Rhein bei Wiesdorf gekommen und hat außer dem Rhein im Grunde wenig vorgefunden. Nördlich vom Werk, da gab es nur Wies-Dorf, also den Ort Wiesdorf, der in der Tat ein Dorf war von Fischern und Bauern - ein ganz kleines Nest. An Infrastruktur war außer der alten Provinzialstraße (die heutige B8) und dem Rhein nicht viel vorhanden. Deswegen musste Bayer zunächst alles selbst schaffen, um seine Leute an sich zu binden. "

In so genannten Konsum-Kreditanstalten konnten sich die Bayer-Mitarbeiter - und nur sie - Anfang des 20. Jahrhunderts mit Lebensmitteln eindecken. 1912 wurde daraus das erste von zahlreichen Bayer-Kaufhäusern, die dann 80 Jahre später nach und nach wieder schlossen. Nun verschwindet im Leverkusener Zentrum das letzte von ihnen.

Seit 1862 hatte der Apotheker Carl Leverkus auf dem heutigen Firmengelände eine Fabrik betrieben. Knapp dreißig Jahre später, zur so genannten Jahrhundertwende, wurde sein Unternehmen von der Farbenfabrik Friedrich Bayer aufgekauft. Die hatte ihren Sitz in Wuppertal Noch einmal 20 Jahre später verlegte die Firma ihren Sitz nach Wiesdorf, erzählt die Leiterin des Stadtarchivs, Gabriele John:

" Bayer nutzte wie andere Firmen, die hierher gekommen sind auch, den Standortvorteil: die Lage am Rhein, die recht gute Eisenbahnanbindung, die relativ dünne Besiedelung in dem Gebiet, die natürlich Ausbau und Ausdehnung möglich machte. "

Und so entwickelte sich rund um das Werk die Gemeinde Wiesdorf zu einem immer lebenswerteren Ort. Die zufriedenen Mitarbeiter brachten das Unternehmen voran, das durch die Aspirin-Tabletten weltbekannt wurde - so bekannt, dass in den Dreißigerjahren der Bürgermeister der Stadt, Heinrich Claes, auf dem Namen Leverkusen bestand, als mehrere Gemeinden zusammengefasst wurden, so Gabriele John:

" Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm der Name Leverkusen am liebsten war. Alle an diesem kommunalen Zusammenschluss beteiligten Gemeinden haben ihren Namen verloren sozusagen und ihn als Stadtteilname behalten. Der Name der Stadt war ein neuer. "

Und er war nicht nur neu, sondern auch eine völlige Ausnahme. Denn als einzige deutsche Stadt ist Leverkusen somit gewissermaßen nach einem Industriellen benannt, dem Apotheker Carl Leverkus. Die Internationalen Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Behinderten. Dass der Wettkampf hier in Leverkusen stattfindet, ist kein Zufall: Bayer unterstützt den Behindertensport jährlich mit Millionen-Beträgen. Eine der Trainerinnen der Gehandicapten ist Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius:

" Das ist einzigartig in Deutschland, was es hier an Trainingsmöglichkeiten gibt. Ich werde finanzielle monatlich vom Bayer-Konzern unterstützt, habe einfach die Sicherheit, dass ich weiß, dass ich hier einen Konzern habe im Rücken, der - wenn es nicht so gut läuft - nicht hängen lässt, sondern unterstützt und wo ich auch weiß, dass der Konzer nicht mal von heute auf morgen bankrott geht. "

Doch auch die Sportler merken: Das Geld bei Bayer sitzt nicht mehr allzu locker. In den vergangenen Jahren wurde die Sportförderung um 15 Prozent gekürzt. Das gilt für die Profi-Fußballer wie für den Sportangelklub von Bayer und neun weitere Werks-Sportvereine allein am Standort Leverkusen. Und zunehmend ändert sich auch die Zielrichtung der Sportförderung, wie der Bayer-Arbeitsdirektor Richard Pott zugesteht:

" Die Förderung des Breiten- und Behindertensports hat für uns nach wie vor eine sehr hohe Priorität. Hier stehen wir unverändert zu unseren Commitments. Die Förderung des Profisports wird aus unseren Werbeetats, aus unserem Werbebudget finanziert und dient natürlich demzufolge auch dazu, unser Image aufrechtzuerhalten oder nach Möglichkeit zu verbessern. "

Auf hohem Niveau fördert Bayer zwar weiter auch Breiten- und Behindertensport. Aber im globalen Wettbewerb prüft man sehr genau, wo es dem Konzern nutzt und wo nicht.

Bayer ist schon seit Beginn der Firmengeschichte ein globales Unternehmen gewesen. Mit drei Teilkonzernen produziert das Unternehmen auf allen Kontinenten: Arzneimittel, genmodifiziertes Getreide, Kunst- und Klebstoffe. Drei weitere Teilkonzerne stellen die nötigen Dienstleistungen bereit. Doch der Anteil der Umsätze im Ausland steigt - und Leverkusen leidet zunehmend, sagt Rainer Häusler, der Kämmerer der Stadt:

" Man muss wissen, dass der Bayer-Konzern hier gerade mal in Deutschland so etwa 14/15 Prozent Umsätze macht insgesamt. Und das bedeutet, dass die übrigen Umsätze, sprich daraus resultierende Ergebnisse, im Ausland versteuert werden und nicht hier am Standort Leverkusen. "

In diesem Jahr muss die früher so reiche Stadt einen Nothaushalt aufstellen. Von der Spitze der nordrhein-westfälischen Kommunen ist sie bei der Steuerkraft inzwischen ins untere Mittelfeld abgerutscht.

" Wir befinden uns heute in der dramatischsten Finanzlage, die diese junge Stadt jetzt durchmachen muss. Wir hatten in der Vergangenheit ein hohes Gewerbesteueraufkommen oder insgesamt ein hohes Steueraufkommen aufgrund der Ertragslage der hier ansässigen Unternehmen - zum Beispiel Bayer. In der Spitze hatten wir, um das einfach mal zu sagen, jahresbezogen ein Gewerbesteueraufkommen von 125 Millionen Euro. Und wir verfügen aktuell in diesem Jahr nur noch über ein Aufkommen von 45 Millionen Euro. Und das ist ja schon ein eklatanter Unterschied. "

Mit einem Drittel der Gewerbe-Steuereinnahmen muss die Stadt nun die Infrastruktur für 160.000 Einwohner aufrechterhalten, die zum großen Teil - als aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter - immer noch von Bayer abhängig sind. Doch Arbeitsdirektor Richard Pott meint, die Stadt habe lange über ihre Verhältnisse gelebt. Die Erwartungshaltung an den Konzern findet er überzogen:

" Das Thema ist, dass die Stadt mit schwankenden Steuereinnahmen zurechtkommen muss. Diese schwankenden Einnahmen werden im übrigen im Moment nicht nur von Bayer verursacht, sondern hier gibt es ja auch andere Unternehmen, die Gewerbesteuer bezahlen. Der zweitgrößte Arbeitgeber am Standort ist eindeutig Lanxess. Und abhängig von der Ertragslage dieser Unternehmen gibt es eben mehr oder weniger Steuerzahlungen, mit denen die Stadt Leverkusen letztendlich zurecht kommen muss und haushalten muss. "

Der Oberbürgermeister Ernst Küchler gesteht ein, lange Zeit hätten sich die Stadtführer die Abhängigkeit vom Chemie- und Pharma-Unternehmen nicht eingestanden - und auch die Krisenanfälligkeit zu spät erkannt:

" Früher dachte ich - und nicht nur ich - Strukturwandel, das ist der Übergang von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft. Und das macht sich vorwiegend fest an Schwerindustrie: an Kohle und Stahl aber inzwischen mussten wir feststellen, dass Strukturwandel auch bedeutet: Strukturwandel im Dienstleistungssektor - nehmen Sie mal Banken und Versicherungen, aber Strukturwandel auch zum Beispiel in der Chemiebranche. "

Um 16.000 ist die Beschäftigtenzahl in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten geschrumpft - ungefähr um die gleiche Zahl hat Bayer seine Belegschaft in Leverkusen reduziert. Allerdings betont der Arbeitsdirektor, dass auf dem Werksgelände heute immer noch genauso viele Menschen arbeiten. Nur eben für Zulieferer, externe Dienstleister und über 4000 Beschäftigte auch für Lanxess, die ehemalige Chemiesparte von Bayer. Die Stadt muss dennoch auch bei der Lohnsteuer deutliche Einbußen verkraften.

Im Bayer-Kulturzentrum probt der Bayer-Männerchor: 83 Sänger üben für die Weihnachtskonzerte. Silbernes und graues Haar dominiert in dem turnhallengroßen Raum mit einem kleinen Podium und dem schwarzen Flügel, an dem Leiter Ulrich Jung dirigiert. Vielleicht fünf von 83 Männern sind jünger als 40 Jahre.

Nach zwei Stunden Proben ist Schluss. Chorvorstand Jürgen Mikus gratuliert noch den Sängern, die Geburtstag hatten. Und danach trifft man sich zum Stammtisch. Bayer hat eine eigene Kulturabteilung, die das künstlerische Leben in Leverkusen bereichert. Auch hier werden die Mittel gekürzt. Große Reisen zu den Bayer-Werken auf anderen Kontinenten sind nicht mehr drin.

Früher einmal gehörte der Chor mit rund 200 Mitgliedern zu den größten der Welt. Heute kommen maximal 100 Sänger - etwa 85 von ihnen arbeiten bei Bayer. Beim Kölsch danach können sie auch mal ihrem Vorgesetzten ins Gesicht sagen, was sie von ihm halten. Und auch sonst ist der Austausch positiv:

" Es ist ja so, dass die Leute aus ganz unterschiedlichen Abteilungen kommen: da sind Schlosser, Schreiner, Schweißer, Aufzugsmonteure genauso wie Chemiker und Doktoren und Forscher und Kaufleute. Man sieht sich ja nicht unbedingt tagsüber, wenn der eine aus W1 und der andere aus X6 kommt. "

Doch auch hier leidet die Identität. Junge Leute sind kaum mehr für den Chor zu gewinnen: ein Generationenproblem, sicherlich - aber auch ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl zum Konzern. Die Mitarbeiter müssen sich stärker bewähren und stehen unter größerem Druck. Eine Veränderung, die auch Arbeitsdirektor und Bayer-Vorstand Richard Pott beobachtet, der als gebürtiger Opladener , wie auch Vorstandschef Werner Wenning ,Kind dieser Stadt ist:

" Ich denke, dass dieses: Wir arbeiten beim Bayer - in der Sprache des Rheinlandes, weiterhin gegeben ist. Es ist klar, dass die hohe Identifikation mit dem Unternehmen insbesondere bei den jüngeren Mitarbeitern nicht mehr so flächendeckend gegeben ist, wie das vielleicht vorher der Fall war. Was wir unseren Mitarbeitern bieten, ist die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz, auf ein hohes Einkommen - gekoppelt an die Ertragslage des Unternehmens - und von zunehmender Bedeutung auf eine angemessene Altersversorgung. "

Ein Grund für die zerbrechende Identität ist die Aufspaltung von Bayer in sechs Teilkonzerne.

Was die Sänger für den Chor beobachten, gilt für die gesamte Stadt, meint Matthias Bauschen, der mehrere zeitgeschichtliche Bücher über Leverkusen geschrieben hat und für den Leverkusener Stadt Anzeiger drei Jahrzehnte lang die Kommunalpolitik verfolgt hat. Noch in den 80er Jahren hätten Stadt und Konzern eng zusammenarbeiten müssen, um Altlasten am Rheinufer zu beseitigen. Heute hätten beide immer weniger Berührungspunkte:

" Die Tatsache, dass Bayer diese ganze Infrastruktur vom Kindergarten über eine Bibliothek bis hin zu Sportvereinen, Musikvereinen geschaffen hat, praktisch für alle Lebensbereiche Vorsorge getroffen hat für seine Mitarbeiter, hat dazu geführt, dass es ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl gegeben hat. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist zerbröselt - ich glaube, in dem Maße, wie die Mutter nicht mehr Mutter, sondern Global Player wurde, wo Leverkusen nicht mehr der Nabel der Bayer-Welt war, wie es früher einmal der Fall war. "

Viele Fragen bleiben offen: was tritt an die Stelle des früheren Identitätsgefühls? Kann es Leverkusen gelingen, durch den Bau eines ECE-Einkaufszentrums - so wie sie auch in Essen, Ludwigshafen oder Schweinfurt geplant sind - ein individuelles Zentrum zu schaffen? Oder müsste die Stadt nicht mehr in Richtung Rhein denken, wo ein attraktives Landesgartenbau-Gelände auf den alten sanierten Flächen an der Dhünn-Aue errichtet wurde? Und wie geht es weiter mit Bayer und Leverkusen? Matthias Bauschen wird bei dieser Frage nostalgisch:

" Wenn ich an der B8 entlang fahre, ich sehe da vor allem bei Dunkelheit das Bayer-Kreuz. Und ich hoffe, dass es in fünf Jahren da auch noch steht. Wenn ich dann weiterfahre, dann erinnere ich mich, dass das früher mal das Bayer-Werk war, und heute heißt das Chemiepark - Chemiepark Bayer ja. Aber das ist schon ein Unterschied. Wenn ich von der Autobahn vom Anschluss über den Willy-Brandt-Ring stadteinwärts fahre, auf die B8 zu, dann bekommt mich ein etwas ungutes Gefühl, wenn ich dieses Plakat oder Schild sehe, auf dem das Wortungetüm Lanxess steht, an das ich mich wohl nie gewöhnen werde. Das ist dann plötzlich nicht mehr Bayer. Das ist Lanxess, für mich eine fremde Welt. "

Die Stadt ist spät aufgewacht. Ihre Abhängigkeit hat sie erst allmählich als Problem erkannt. Dass die Chemiefirma Kemira eine neue Produktionsstätte außerhalb des Chemieparks baut und damit mindestens 70 Arbeitsplätze am Standort sichern kann, wird schon als einer der großen Erfolge der Wirtschaftsförderung gesehen. Bestandspflege und Ansiedlung bleiben ein mühsames Geschäft, sagt Stadtkämmerer Rainer Häusler:

" Es ist uns im Jahr 2005 gelungen, drei Unternehmen hier anzusiedeln mit zusätzlichen 20 Arbeitsplätzen. Es ist uns gelungen, elf Unternehmen am Standort zu halten, die einen Arbeitsplätzebestand von 180 hatten. Das ist der so genannte Tropfen auf dem heißen Stein im Vergleich dazu, was in der Vergangenheit an Arbeitsplätzen verloren gegangen ist. "

Und Bayer? Wendet sich weiter von Leverkusen ab. Im Sommer wurde für 17 Milliarden Euro der Berliner Pharmakonzern Schering übernommen - die größte Akquise in der Firmengeschichte. In Berlin will man mit der Abteilung Bayer Schering Pharma intensiv neue Medikamente erforschen. Dass der Konzernsitz in die Hauptstadt wandern könnte, befürchtet Oberbürgermeister Ernst Küchler dennoch nicht. Dass sich der Vorstand zum Standort bekennt, hält er für glaubwürdig:

" Ich behaupte, dass wir auch in den nächsten Jahrzehnten von der Chemie abhängig sind. Und das finde ich auch okay, wir haben gut davon gelebt und werden hoffentlich auch in Zukunft gut davon leben, dass wir zwei Weltkonzerne mit dem Konzernsitz in Leverkusen haben wie Bayer und Lanxess. "

Das Wahrzeichen der Stadt - das rund 50 Meter große Bayer-Kreuz auf dem Firmengelände - wird wohl weiterhin die Nacht über Leverkusen ausleuchten. Aus Tradition, meint Arbeitsdirektor Richard Pott, und nicht etwa, weil der halbe Vorstand des Konzerns in dieser Stadt geboren wurde.

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