Freitag, 22.11.2019
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteSport AktuellDoping per Inhalator?11.09.2019

AsthmaspraysDoping per Inhalator?

Schon seit Jahren wird im Sport gemutmaßt: Athleten täuschen Asthma vor, um dann mit Ausnahmegenehmigungen für Asthmamitteln legal dopen zu können. Eine Studie soll jetzt klären, ob und wie groß der Einfluss von Asthmasprays wirklich ist.

Von Josef Opfermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Frau mit einem Inhalator für Asthmaspray.  (Ulrich Baumgarten)
Asthmasprays sind auch unter Sportlern weit verbreitet (Ulrich Baumgarten)
Mehr zum Thema

Ausnahmegenehmigungen Noch Medikament - oder schon Doping?

Doping Wieso nehmen Fußballer Asthma-Mittel?

Doping im Radsport Tour-Sieger Froome positiv getestet

Christopher Froome unter Doping-Verdacht "Eine so hohe Dosierung macht mich stutzig"

Ungereimtheiten im Anti-Doping-Kampf Der Wettkampf der Asthmatiker

Bradley Wiggins unter Dopingverdacht Schwere Vorwürfe gegen Ex-Tour-de-France-Sieger

Umgang mit Skandalen im Sport Spritzen, Schmieren, Schummeln

Finanziert wird die Studie von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. 315.000 Dollar investiert sie in das Projekt, an dem federführend Forscher aus Ulm, aber auch Köln und Berlin beteiligt sind. Geklärt werden soll: Steigern Asthmasprays die Leistung bei Sportlern?

An der Studie mitwirken wird auch Maria Kristina Parr vom Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin. Sie erklärt, wo die Probleme bei Asthmamitteln im Sport liegen können.

"Das ist einmal die Weitung der Bronchien und das besser Atmen, bessere Sauerstoffaufnahme und dadurch möglicherweise höhere Leistung. Andererseits haben aber auch diese Asthmamedikamente möglicherweise einen Einfluss auf das Muskelwachstum."

Fußballerbeine auf dem Trainingsplatz (dpa/picture alliance/DENNIS M. SABANGAN) (dpa/picture alliance/DENNIS M. SABANGAN)Doping - Wieso nehmen Fußballer Asthma-Mittel?
Eine Hacker-Gruppe hat Daten veröffentlicht, wonach offenbar bei der WM 2010 in Südafrika 25 Spieler Asthma-Mittel nehmen durften, die auf der Dopingliste standen – weil sie medizinische Ausnahmegenehmigungen hatten. 

Im Sport gang und gäbe

Und auf den Erfolg? Bei den Olympischen Spielen 2002 zum Beispiel holten die fünf Prozent der Athleten, die sagten, sie hätten Asthma, stolze 15 Prozent der Medaillen. In der Studie geben die Forscher 24 Probanden mal Asthmamittel - und mal Placebos. Dann kommen die Tests, erklärt Maria Kristina Parr.

"Zum Beispiel eben Lungenfunktionstests, so wie man sie vielleicht selber schon mal beim Arzt erlebt hat. Dann gibt es auch noch biologische Parameter, die im Blut, Urin oder auch in der Muskulatur selber gemessen werden."

2020 sollen die Ergebnisse vorliegen

Johannes Vogel ist Triathlet und Deutscher Vizemeister der Unter-23-Jährigen. Er sagt, er habe kein Asthma und nehme auch keine Asthmamittel. Doch fallen ihm Konkurrenten auf, die sprayen.

"Im Vorstartbereich eines Triathlons sieht man das besonders bei internationalen Wettkämpfen sehr, sehr häufig, aber auch einige krasse Situationen habe ich schon gesehen, zum Beispiel einmal beim internationalen Wettkampf hat ein Mitbewerber beim Radfahren seine Asthmaflasche vom Oberrohr genommen und ein, zwei Züge inhaliert."

Von der Studie verspricht sich Vogel Klarheit. "Man macht sich da natürlich schon seine Gedanken und überlegt, ah, könnte das den Mitbewerber vielleicht doch die fünf Sekunden schneller machen. Natürlich hat man das im Hinterkopf, ja."

2020 legen die Forscher Ergebnisse vor. Dann wird man wissen, was es bringt, mit Asthmamitteln zu betrügen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk