Archiv

AthenStreit um ehemaliges Flughafengelände

Im Athener Stadtteil Elliniko befand sich früher der Flughafen. Nach seiner Stilllegung entstanden hier zahlreiche Wettkampfstätten für die Olympischen Spiele 2004, die seitdem größtenteils leer stehen. Nun soll das große Areal verkauft werden. Bewohner des Stadtteils und Stadtplaner protestieren gegen die Privatisierung.

Von Jerry Sommer | 18.06.2014

Griechische Fahnen und die EU-Flagge wehen im Wind am 01.09.2013 am Strand von Elafonissi auf der Insel Kreta in Griechenland
In den nächsten zehn Jahren möchte ein privater Investor fünf Milliarden Euro in das ehemalige Flughafengelände investieren. (dpa picture alliance / Herbert Knosowski)
Das Medizinische Zentrum Elliniko in Athen. Das Ärztehaus liegt auf dem insgesamt sechs Quadratkilometer großen Gelände des stillgelegten Athener Flughafens. Hier arbeiten Freiwillige - und behandeln die Kranken, die keine Krankenversicherung haben. Doch wenn das gesamte Areal im Südosten Athens verkauft wird, müsste auch das Ärztezentrum geräumt werden. Lekka, eine 40-jährige Mikrobiologin, ist dagegen:
"Das gefällt mir nicht. Hierher kommen viele Leute, die den Ort brauchen. Und man darf nicht vergessen: Das Gelände gehört dem Volk, es ist nicht dafür da, dass einige Leute damit Geld scheffeln."
Das Gelände liegt seit Jahren brach
Das ehemalige Flughafengelände liegt seit Jahren überwiegend brach. Nur wenige der hier für die Olympischen Spiele 2004 errichteten Sportstätten sind noch in Betrieb. Das Unternehmen "Lamda" des griechischen Millionärs Spiros Latsis hat die Ausschreibung der Regierung für die Privatisierung gewonnen. Es Lamda will in Elliniko in den nächsten zehn Jahren fünf Milliarden Euro investieren. Lamda-Sprecher Odysseos Athanassiou:
„Wir werden Hochhäuser bauen, neue Wahrzeichen für Athen, ein integriertes Touristen-Resort, ein Casino, ein Aquarium, Museen, einen der größten Parks Europas und das direkt am Mittelmeer; einen großen Bürokomplex, Einkaufszentren und einen riesigen Themenpark - wie Disneyland nur viel kleiner".
Fünf Milliarden investieren
Doch solche Pläne könnten sich angesichts der Wirtschaftskrise in Griechenland als Luftschlösser erweisen. Und für Athen seien sie auch nicht sinnvoll, kritisiert Panayotis Tournikiotis, Professor für Stadtplanung:
"Es gibt gegenwärtig keinen Bedarf an mehr Büros, mehr Wohnungen, mehr Museen. Das Gegenteil ist der Fall! Um die Innenstadt wieder zu beleben, müssen die dort leer stehenden Büro-und Wohngebäude wieder gefüllt werden."
Öffentlicher Park als Alternative
Anna Lavasa stapft durch das meterhohe Gras auf dem ehemaligen Flughafengelände. Sie möchte sich anschauen, wie sich die 1.500 Olivenbäume entwickeln, die sie zusammen mit einer Gruppe von Privatisierungsgegnern vor zwei Jahren gepflanzt hat. Die Bürgerinitiative fordert, ebenso wie die umliegenden Gemeinden, das gesamte Gelände in einen öffentlichen Park umzuwandeln. Die 61-jährige Anna ist empört, dass die ursprünglichen Zusagen der Politik nicht mehr gelten sollen:
"Das Gelände gehört ja allen Griechen und als der Flughafen vor zehn Jahren geschlossen wurde, haben alle Regierungen zugesagt, hier einen großen öffentlichen Park einzurichten."
Doch solche Versprechungen sind längst vergessen. Die internationalen Kreditgeber drängen Athen zur Privatisierung. Die örtliche Gemeindeverwaltung des Stadtteils Elliniko lehnt dies weiterhin ab. Ihre Vertreterin Fereniki Vatavali kritisiert das in ihren Augen undemokratische Verfahren:
"Die umliegenden Gemeinden sowie alle gesellschaftlichen Gruppen vor Ort wurden überhaupt nicht gefragt. Einzig und allein die Privatisierungsbehörde der Regierung entscheidet über den Verkauf - wie ein Staat im Staat."
Die Meinungen im Stadtteil sind geteilt. Im kleinen Restaurant "Dionissios" in der Nähe der Metrostation „Elliniko" hoffen die meisten ganz einfach, dass die Brachflächen endlich genutzt werden. Der 65-jährige Rentner Manolis meint:
"Da muss investiert werden. Dass das Gelände Brachland bleibt, ist eine Dummheit - wo wir doch so große ökonomische Probleme haben".
Eine Mutter von zwei Kindern ist gegen eine unkontrollierte Bebauung ganz nach dem Gusto der privaten Investoren - und gegen ein Casino auf dem Gelände:
"Da müssen Sportanlagen, Kulturstätten, Theater, Dinge für Kinder hin und nur wenige Geschäfte!"
Noch ist nichts entschieden
Der 30-jährige Haris, ein Goldan- und -Verkäufer, ärgert sich über den Preis von nur 900 Millionen Euro, den die privaten Investoren dem Staat zahlen sollen:
"15 Millionen kostet ein Grundstück von nur vier Hektar am Strand hier in der Gegend. Für die Größe von Elliniko sind 900 Millionen Euro nichts - überhaupt nichts."
Noch ist der Kaufvertrag nicht endgültig unterschrieben. Die angrenzenden Gemeinden haben vor Gericht mehrere Klagen eingereicht. Auch ist die Oppositionspartei Syriza aus den Kommunal- und Europaparlamentswahlen im Mai gestärkt hervorgegangen. Und Syriza lehnt den Verkauf strikt ab.