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StartseiteForschung aktuellAtmende Turbine erntet Strom im Meer07.11.2012

Atmende Turbine erntet Strom im Meer

Australier bauen das größte Wellenkraftwerk der Welt

Ein Megawatt: Bei Windrädern ist diese Leistungsklasse gang und gäbe. Für Wellenkraftwerke hingegen stellt das eine magische Grenze dar, die bislang noch nie eine Anlage bezwungen hat. Eine Firma aus Australien will die Hürde nun nehmen: Sie baut das erste Wellenkraftwerk mit einer Leistung von einem Megawatt - für die Branche wäre das ein wichtiger Meilenstein.

Von Frank Grotelüschen

Australien will die Kraft der Wellen ernten (Monika Seynsche)
Australien will die Kraft der Wellen ernten (Monika Seynsche)

Der Süden Australiens, die Küste vor Port MacDonnell - ein Paradies für Sportangler. Bald werden sie ihr Revier mit einer seltsamen Anlage teilen: ein Betonklotz vier Kilometer vor der Küste, 3000 Tonnen schwer und 15 Meter hoch, das obere Drittel ragt aus dem Wasser. Der Klotz ist hohl, und durch breite Öffnungen dringen die Wellen in sein Inneres, beschreibt Ali Baghaei, Chef der australischen Firma Oceanlinx:

"Dringt eine Welle in die Betonkammer, presst sie die Luft dort zusammen. Die komprimierte Luft wird nach oben zu einer Turbine geführt. Diese Turbine dreht sich im Luftstrom und erzeugt Energie. Zieht sich die Welle dann zurück, erzeugt sie einen Unterdruck. Dadurch saugt sie Luft von außen durch die Turbine. Dass die Turbine dabei nicht plötzlich rückwärts läuft, dafür sorgt ein Mechanismus, der die Turbinenblätter automatisch verstellt."

Eine Art atmendes Wellenkraftwerk, wobei die Wellen als Zwerchfell fungieren, also als Triebkraft der Atmung. Und bei jedem Atemzug produziert die Turbine Strom. Seit zehn Jahren hat Oceanlinx diverse Prototypen gebaut, einer größer als der andere. Nun planen die Experten ihren größten Coup - jenen Betonklotz vier Kilometer vor der australischen Südküste. Ende 2013 soll er eine magische Grenze durchbrechen: eine Leistung von einem Megawatt. Soviel hat bislang noch kein Wellenkraftwerk auf der Welt erreicht.

"Ein Megawatt, das ist erst der Anfang. Im Prinzip sollte es möglich sein, mit unserer Turbine drei Megawatt zu leisten. Aber wir wollen erst mal klein anfangen, um dann, wenn die Tests gut laufen, die Turbine hochzutunen und noch mehr Leistung rauszukitzeln."

Das größte Problem von Wellenkraftwerken ist ihre mangelnde Robustheit. Schon mancher Prototyp wurde in Vergangenheit von einem Sturm in Stücke gehauen. Das soll bei Oceanlinx nicht passieren, sagt Baghaei. Die Anlage ist aus stabilem Beton, und alle beweglichen Teile, insbesondere die Turbine, befinden sich hoch oberhalb der Wasserlinie.

"Das Design ist ausgelegt für einen Jahrhundertsturm. Theoretisch sollte die Anlage sogar einen Tsunami aushalten."

Andere Wellenkraftwerks-Hersteller setzen zwar ebenfalls auf das Konzept der Luftturbine. Doch sie installieren ihre Generatoren nicht vor, sondern direkt an der Küste oder integrieren sie in Hafenmauern. Die Oceanlinx-Tüftler dagegen wollen sogar hinaus auf die hohe See. Dazu montieren sie ihre Konstruktion auf einen Schwimmponton.

"Wir arbeiten an zwei Versionen eines schwimmenden Kraftwerks. Typ 1 besitzt nur eine Turbine. Er soll als Stromgenerator für Öl- und Gasplattformen dienen und Dieselgeneratoren ersetzen. Typ 2 besitzt sechs Turbinen und soll deutlich mehr Strom liefern, im besten Fall bis zu 18 Megawatt."

Da diese sechs Luftturbinen aussehen wie Flugzeugtriebwerke, könnte man das schwimmende Kraftwerk glatt für ein futuristisches Flugboot halten. Eine Eigenheit aber hat das Luftturbinen-Patent: Es macht Geräusche. Und zwar Geräusche ähnlich wie dieses:

Mutriku Dragon - so nannten die Einwohner des baskischen Fischerdorfs Mutriku eine Anlage, die vor einigen Jahren in ihre Hafenmauer eingebaut wurde. Während der Bauphase hatten die Betonhauben, in die die Wellen die Luft pressen, wie Orgelpfeifen gewirkt und Geräusche erzeugt, die man einem fauchenden Drachen zuschreiben würde. Die Oceanlinx-Turbine soll zwar nicht so furchterregend klingen, sagen ihre Entwickler. Aber immerhin wird sie sich so anhören, als würde ein großes Tier atmen.

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