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Atombomben und Asteroiden

Im Februar ist über Südrussland ein etwa 15 Meter großer Asteroid in der Luft explodiert. Sofort forderten manche, solche Geschosse müsste man abwehren - notfalls mit Atombomben sprengen.

Von Dirk Lorenzen |
    In Hollywoodfilmen mag diese Brachialmethode funktionieren - im echten Leben wäre sie fatal. Denn nach einer Sprengung träfe die Erde nicht ein Geschoss, sondern eine ganze Schrotladung.

    Doch gibt es tatsächlich einen Zusammenhang von Atomwaffen und Asteroiden. Der Eintritt des Geschosses über Russland hatte beim Messnetz zur Überwachung des Atomwaffenteststopps zu einem der stärksten bisher nachgewiesenen Signale geführt.

    Dieses Netz verfügt derzeit über 45 äußerst empfindliche Stationen, die in der ganzen Welt verteilt sind und Infraschallwellen registrieren - Wellen sehr niedriger Frequenz, die unsere Ohren nicht hören.

    17 Stationen haben die Wellen des Asteroiden gespürt, darunter eine in der Antarktis. Per Satellit gelangten die Daten sekundenschnell in die Zentrale nach Wien. Die Auswertung ergab kilometergenau, wo die Explosion stattgefunden hatte.

    Die Experten sahen sofort, dass sie es mit einem sich schnell bewegenden Ereignis zu tun hatten - ein Atomwaffentest war damit ausgeschlossen.

    Das Messnetz existiert seit gut zehn Jahren. Seitdem bekommen die Astronomen als Beifang der Atomwaffenüberwachung einzigartige Daten darüber, wie viele mindestens metergroße Brocken die Erde treffen.

    Denn dem Infraschallnetz entgeht nichts - auch nicht ein kosmischer Treffer in völlig unbewohnten Gebieten.

    Bericht der CTBTO in Wien zum russischen Feuerball

    Überwachungsnetz für das weltweite Nuklearteststoppabkommen