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Auf dem absteigenden Ast

Selbstverständlich gibt es auch in Slowenien einen Deutschlehrerverband. Selbstverständlich deshalb, weil Sloweniens Geschichte so eng mit der deutschen Sprache verbunden ist. Während der K.u.K.-Zeit wurde in Slowenien deutsch gesprochen - und noch heute merkt man die direkte Nachbarschaft zu Österreich. Und trotzdem ist die Präsidentin des Deutschlehrerverbandes in Slowenien nicht ganz zufrieden.

    Ein Beitrag von Antje Kühlmorgen

    Nada Puklavec arbeitet als Dozentin an der Universität in Maribor, an der Wirtschaftsfakultät. Ihr Fach: Deutsch als Fremdsprache, mit dem Schwerpunkt Fachdeutsch im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Ehrenamtlich, das ist aber die Regel, ist sie für den Deutschlehrerverband aktiv. Deutsch hat zwar eine lange Tradition in Slowenien, aber bei verschiedenen Gesprächen mit Dozenten und Studenten habe ich den Eindruck, dass es einen sehr starken, anglophilen Trend gibt - und das nicht nur im Landesinneren

    Ja, das stimmt, das kann ich auch für die Region an der österreichischen Grenze behaupten, wo bisher Deutsch immer stärker vertreten war. Jetzt wird das vom Englischen verdrängt. Die Deutschlehrerinnen, die hier Deutsch unterrichten, sorgen sich um ihre Arbeitsplätze oder fürchten, dass sie andere Fächer unterrichten müssten

    Aber nicht nur die Situation der Deutschlehrer macht Nada Puklavec Sorgen. Jetzt, wo der EU-Beitritt unmittelbar bevorstehe, habe man mit guten Deutschkenntnissen bessere Aussichten auf einen Job, sagt sie . Der Anteil der deutschen Sprache wird in der erweiterten EU am größten sein. Allein deshalb sehe sie in in der zunehmenden Verdrängung der deutschen Sprache in Slowenien ein Problem.

    Um so wichtiger sei es, Verantwortliche in Ministerien und Schulen davon zu überzeugen, wie wichtig Deutsch als Fremdsprache sei.

    Wir starten eine Aktion, wo wir verschiedene Gremien bzw. Personen darauf hinweisen, dass Deutsch immer stärker gebraucht wird, zumal der größte Prozentsatz der Wirtschaftsbeziehungen mit deutschsprachigen Länder unterhalten wird.

    Im slowenischen Schulsystem kann man ab der 4. Klasse die erste Fremdsprache lernen, und dann, in der Sekundarstufe die 2. Fremdsprache. In der Regel entscheiden sich die meisten Schüler und Schülerinnen zunächst für Englisch, wegen der einfacheren Grammatik und weil's im Trend liegt, außerdem laufen viele englische Filme im slowenischen Fernsehen. Mit der Entscheidung, zuerst mal englisch zu lernen, täten sich die Schüler aber keineswegs einen Gefallen, meint Nada Puklavec:

    Denn eine Studie von einer Kollegin der Mariborer Fakultät hat ergeben, dass es viel bessere Resultate gibt, wenn sie mit Deutsch anfangen. Deutsch haben sie ja gleich ein paar Kilometer weiter und können es üben.

    Der Deutschlehrerverband in Slowenien zählt rund 500 Mitglieder, die durch verschiedene Veranstaltungen, Seminare und Stipendien Interesse und Freude an der deutschen Sprache vermitteln wollen. Zu den Aktivitäten in Slowenien gehört dazu auch ein jährlich stattfindender Deutschwettbewerb für 16-17 Jährige, die in Textergänzungsübungen und kleinen Aufsätzen ihr Wissen unter Beweis stellen können.

    Eines der Aufsatzthemen beim letzten Wettbewerb: "Europa ist unsere Zukunft und bietet uns viele Chancen"

    Als Preise winken Ferienaufenthalte in Österreich in internationalen Jugendcamps oder Sprachkurse. Die Österreicher, gemeint ist vor allem das Kultusministerium, seien da sehr großzügig, sagt Nada Puklavec Nur mit Deutschland funktioniere leider der Austausch noch sehr unzureichend, dabei stelle man gar keine hohen Ansprüche.

    Das muss ja nicht unbedingt ein langer Kurs sein. Es genügt vielleicht eine Woche, wo die jungen Menschen sich mit deutschen Jugendlichen austauschen und Freundschaften knüpfen.

    Und als Präsidentin des Deutschlehrerverbandes in Slowenien hat sie noch anderen Bedarf:

    Wir würden uns vor allem wünschen, dass wir Lehrer bekommen, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten können.

    Denn die Lehrer, die zur Zeit aus dem deutschsprachigen Ausland nach Slowenien kommen, unterrichten in erster Linie Geographie, Geschichte und Kunst.

    Links zum Thema:

    Informationen über den internationalen Deutschlehrerverband und den Deutschlehrerverband