Dienstag, 28. Juni 2022

Archiv


Auf dem Weg zur gemeinsamen Erinnerung:

Es sind schockierende Bilder: Ein tschechischer Filmemacher zeigt zur besten Sendezeit 60 Jahre alte Aufnahmen eines Massakers an deutschen Zivilisten in Tschechien, verübt unmittelbar nach der deutschen Kapitulation.

Mit Reportagen von Kilian Kirchgeßner | 23.07.2011

Diese Bilder, die vor etwa einem Jahr über die tschechischen Bildschirme gingen, haben eine bis dahin undenkbare Debatte ausgelöst: über die Gewalt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der Abertausende Sudetendeutsche zum Opfer fielen.

An das einstige Tabuthema tasten sich engagierte Tschechen von unterschiedlichen Seiten heran: Lehrer setzen es auf den Unterrichtsplan, Städte errichten Denkmäler und Museen, Vereine suchen den Kontakt mit den früheren Bewohnern ihrer Dörfer.

Das Tabu von einst ist gebrochen: Der einstige Widerwille gegen das Thema - über Jahrzehnte systematisch geschürt vom kommunistischen Regime, das die Angst vor den Sudetendeutschen instrumentalisiert hat - weicht allmählich einem Interesse an der eigenen Geschichte.

Auch die Frage nach der Schuld, nach Opfer- und Täterrollen, wird gestellt.
Fernsehfilme, Dokumentationen und der Fund von immer neuen Massengräbern aus der Zeit der Vertreibung stehen für eine veränderte Wahrnehmung.

Die Sendung zeigt, wie die junge Generation das alte Bild hinterfragt - und auch, wie der offene Umgang mit der Vergangenheit zu neuen Partnerschaften über Grenzen führt.


Am Mikrofon: Simonetta Dibbern