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StartseiteHintergrundAuf dem Weg zur pazifischen Nation17.06.2006

Auf dem Weg zur pazifischen Nation

Die politische und kulturelle Wiedergeburt der Maori in Neuseeland

Ähnlich wie die Aborigines in Australien wurden auch die Maori von den britischen Kolonialisten lange Zeit unterdrückt und sie starben an eingeschleppten Krankheiten, gegen die sie nicht resistent waren. Doch es gibt auch zahlreiche Unterschiede, die sich bis heute auf das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der Ureinwohner Neuseelands auswirken. Immer mehr der rund achtzig Maori-Stämme im Land nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

Von Michael Frantzen

Maori (AP Archiv)
Maori (AP Archiv)
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"The descendants of the British colonizers have become in my view independent of Britain."

Abgenabelt haben sie sich also: Die Neuseeländer. Vom britischen Mutterland.

Das zumindest meint einer der angesehensten Publizisten im Land der Kiwis – Colin James. Lange Zeit galt der Inselstaat im Südpazifik, der so groß ist wie Japan, aber nur vier Millionen Einwohner hat, als Außenposten des britischen Empire. Vorbei. Zwar ist Her Majesty immer noch offiziell Staatsoberhaupt, doch nicht nur Colin James attestiert der neuseeländischen Gesellschaft eine eigenständige Identität.

"Das fing so in den späten 70er und 80er Jahren an. Heute reden die Leute nicht mehr von Großbritannien als ihrer Heimat, wie das noch in meiner Kindheit in den 50ern der Fall war. Und noch etwas hat sich verändert: Die Maori – die Ureinwohner – haben eine kulturelle Wiedergeburt erlebt. Und ihren Platz in der neuseeländischen Gesellschaft eingefordert. Es sind einfach auch viel mehr als noch vor dreißig, vierzig Jahren. Diese zwei Entwicklungen sind parallel verlaufen. Und haben das Gesicht Neuseelands und wie wir uns selbst sehen, stark verändert."

Wie kaum jemand anders in Neuseeland steht Tariana Turia für die politische und kulturelle Wiedergeburt der Maori. Selbstbewusst, streitbar, artikuliert – so wird die Politikerin oft in der Presse beschrieben. Viel Lob für eine Frau, die noch vor knapp anderthalb Jahren vor dem politischen Aus zu stehen schien. Damals trat Turia als Ministerin für Maori-Angelegenheiten zurück. Aus Enttäuschung. Weil ihre sozialdemokratische Parteifreundin, Premierministerin Helen Clark, sie nicht stärker unterstützt hatte.

Wer aber glaubte, Tariana Turia würde von der politischen Bildfläche verschwinden, irrte. Die Ex-Ministerin gründete kurzerhand eine neue Partei: Die Maori Party. Eine Partei von und für Maori – das hatte es in Neuseeland noch nie gegeben. Ihre Feuerprobe bestand sie mit Bravour: Bei den Parlamentswahlen letzten September holten Turia und Co. aus dem Stand vier Sitze.

"Es war doch so: Über viele Jahre hinweg haben verschiedene Regierungen versucht, die Sachen für uns zu regeln – vielleicht sogar mit den besten Absichten. Aber das wollen wir nicht! Wir wollen nicht, dass jemand anderes für uns entscheidet. Wir wollen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen."

Das Schicksal selbst in die Hand nehmen – das wollen auch immer mehr der rund achtzig Maori-Stämme im Land. Beispiel Ngai Tahu: Der größte Stamm auf der Südinsel hat heute ein Vermögen von mehr als einer halben Milliarde neuseeländische Dollar – rund 250 Millionen Euro. Das Geld ist breit angelegt: Fischerei, Immobilien, in Queenstown, der "Abenteuer-Hauptstadt" der Südinsel, verfügt Ngai Tahu über ein veritables Tourismus-Imperium.

Das Startkapital, erklärt Mark Solomon, der Chef der Investitionsgesellschaft des 37.000 Mitglieder zählenden Stammes, kam vom Staat: 170 Millionen neuseeländische Dollar. Entschädigungsansprüche für nicht erfüllte Vereinbarungen mit den britischen Siedlern aus dem 19. Jahrhundert.

"Wir haben schon ein bisschen Vorbildcharakter in der Maori-Gemeinschaft. Ich habe von Anfang an ein paar Sachen neu geregelt: Die anderen Stämme haben Einblick in unser Unternehmen. Wir legen alles offen. Alle Informationen aus dem sozialen, kulturellen, finanziellen und Umwelt-Bereich. Alles. Damit sie sehen können, wie wir arbeiten. Ich gebe es ihnen einfach. Wenn sie es nutzen wollen: Bitte! Wenn nicht: Auch gut! Das habe ich mir letzten November von unseren Stammesführern absegnen lassen. Da haben wir auch verabredet, uns vier Mal im Jahr zu treffen. Und festgelegt, dass wir pro Treffen mindestens drei Projekte ins Rollen bringen. Damit nicht nur Sonntagsreden gehalten werden."

Ngai Tahu hat schon einiges auf die Beine gestellt: So nahmen letztes Jahr 750 Stammesangehörige über 55 Jahre an einem speziell für Maori konzipierten Gesundheitscheck teil, wurde das Projekt "Tausend Familien – tausend Träume" ins Leben gerufen, um so das Terreo – die Sprache der Maori – zu fördern.

Soziale Werte – das ist auch Kitty Atkinson-Crain wichtig. Die Anfang Vierzigjährige leitet die Marketing-Abteilung des Tamaki Village – eine der Touristenattraktionen in Rotorua auf der Nordinsel. Zehntausende strömen Jahr für Jahr in das nach gebaute Maori-Dorf, um zu erleben, wie die Vorfahren von Kitty Atinkson-Crain vor der Ankunft der europäischen Siedler lebten.

Das Tamaki Village ist eine Erfolgsgeschichte. Atkinson-Crains Bosse – zwei Maori-Brüder – expandieren, als nächstes soll ein Kolonialdorf in Christchurch, der größten Metropole der Südinsel, entstehen. "Wachstum: Ja," lautet das Motto. "Aber nicht um jeden Preis."

"Die Familie spielt bei uns eine große Rolle. Ich zum Beispiel: Ich habe zwei kleine Jungen. Wenn ich woanders arbeiten würde, wäre es doch so: Erst die Arbeit, dann meine Jungen. Das ist bei uns anders: Sicher arbeite ich full-time, ich reise sehr viel, also ich gebe dem Unternehmen 150 Prozent meiner Kraft. Aber dabei ist klar: Meine Kinder haben Vorrang. Wenn irgend etwas ist, bin ich für sie da. Wenn sie krank werden: Dann kümmere ich mich um sie. Da ist unser Unternehmen viel flexibler als Mainstream-Unternehmen. Das sind so kleine Dinge, die aber eine große Wirkung haben. Du fühlst dich dem Unternehmen viel mehr verbunden. "

Ähnlich wie die Aborigines in Australien wurden auch die Maori von den britischen Kolonialisten lange Zeit unterdrückt; wurde ihnen Land weg genommen; sie starben an eingeschleppten Krankheiten, gegen die sie nicht resistent waren. Doch es gibt Unterschiede; Unterschiede, die sich bis heute auf das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der Ureinwohner Neuseelands auswirken.

Prinzip Widerstand! Viele Maori-Stämme wehrten sich lange Zeit gegen die britischen Eindringlinge. Am heftigsten wüteten die Kämpfe in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts auf der Nordinsel während der New Zealand Wars. Viele Maori wollten nicht einsehen, dass britische Siedler ihr Land besetzten - obwohl ihnen das eigentlich seit dem Vertrag von Waitangi aus dem Jahr 1840 verboten war.

Zwar erklärte der Oberste Gerichtshof von Neuseeland den Vertrag 1867 für null und nichtig: Doch seine moralische Kraft blieb bestehen – auch wenn es mehr als hundert Jahre dauern sollte, bis die neuseeländische Bundesregierung sich dazu durchrang, den Vertrag anzuerkennen und die Maori für entstandenes Unrecht zu entschädigen.

Und heute? Ist der Vertrag von Waitangi für die meisten Neuseeländer das wichtigste Gründungsdokument des Landes, der Waitangi Day am sechsten Februar Nationalfeiertag.

Auch viele Maori bekennen sich heute zu dem Vertrag, pochen auf seine Umsetzung. Für Tariana Turia Symbol eines neuen Maori-Selbstbewusstseins.

"In den letzten zwanzig Jahren haben wir eine große Wiedergeburt des Maoritums erlebt. Viele Familien schicken ihre Kinder und Enkelkinder jetzt auf Maori-Sprachschulen. Meine Enkelkinder zum Beispiel. Das war in unserer Generation noch ganz anders: Als ich aufwuchs, sprachen unsere Eltern zwar Terreo, aber: Sie wollten nicht, dass wir es sprechen. Weil sie zutiefst verunsichert waren. Ihnen war ja verboten worden, in der Schule Terreo zu sprechen. Sie wollten, dass wir uns anpassen. Damit wir nicht das durch machen, was sie erlebt hatten. Deshalb das Verbot. Das ganze hatte zur Folge, dass an keiner einzigen Schule in Neuseeland Terreo gelehrt wurde, als meine Kinder auf die Welt kamen. Das hat uns wachgerüttelt: Wenn wir unser kulturelles Erbe nicht zurückgewinnen, wer sind wir dann eigentlich noch? Doch bestimmt keine Engländer. Da ist uns klar geworden: Wir müssen uns auf uns selbst besinnen!"

Sich auf sich selbst besinnen: Das ist auch der Anspruch von Tahu FM, dem Radiosender von Ngai Tahu in Christchurch. Gesendet wird in Englisch und Terreo – 24 Stunden nonstop: Magazine, Diskusionsforen, am erfolgreichsten sind die englischsprachigen Musiksendungen: Meist Hiphop.

Die Einschaltquoten der Sendungen auf Terreo sind weit niedriger. Das hat auch damit zu tun, dass heute neun von zehn Maori Englisch als Muttersprache sprechen.

Doch auch hier tut sich etwas in Neuseeland. Die staatliche Maori-Sprachkommission greift Sendern wie Tahu FM finanziell unter die Arme – wenn sie genügend in Terreo senden – so der Deal. Colin James jedenfalls sieht für die Zukunft der Maori-Sprache nicht schwarz – im Gegenteil.

"In den letzten Jahren ist es häufiger vorgekommen, dass selbst Besucher aus englischsprachigen Ländern die Zeitung aufschlugen und einige Wörter nicht verstanden. Die bei uns ganz selbstverständlich benutzt werden. Es sind Begriffe aus der Maori-Sprache. Ein Beispiel: Im New Zealand Herald stand letztes Jahr eine Geschichte über eine Chinesin, die perfekt Terreo sprach. Ein Jahr zuvor hätte die Zeitung das noch erläutert. Tut sie aber nicht mehr, weil das nicht mehr nötig ist. Bei uns weiß jeder, was gemeint ist. Das heißt: Die Mehrheits-Gesellschaft nimmt einige Aspekte der Maori-Kultur auf. Bis vor kurzem wäre das noch undenkbar gewesen. "

Noch etwas hat sich verändert: Immer mehr Neuseeländer bekennen sich zu ihren Maori-Wurzeln. Bob McCloud ist so jemand. Der Leiter des Business Round Table – des Zusammenschlusses der größten Unternehmen in Neuseeland - ist zur Hälfte Maori. Etwas, was der Geschäftsmann lange nicht an die große Glocke hängte – bis er vor fünf Jahren sein Coming-Out als Maori hatte.

Inzwischen ist McCloud in Stammesangelegenheiten aktiv – und stolz auf seine Maori-Wurzeln. Kitty Attinkson-Crain geht es genauso:


"Ich bin wohl so eine Art Promenadenmischung. Ein kultureller Eintopf. Da bin nicht die einzige. Das ist ja auch das besondere an Neuseeland: Du musst dich nicht entscheiden, ob du jetzt zu der Gruppe gehörst oder zu der anderen. Es hat von Anfang an Beziehungen gegeben zwischen den Maori und den Siedlern. Eine gegenseitige Anziehung. Meine Eltern sind seit vierzig Jahren verheiratet. Klar war es für sie nicht immer einfach – als gemischtes Ehepaar. Ich selbst habe es immer als großen Vorteil empfunden, dass ich in zwei Kulturen aufwuchs. Und in zwei Wertesystemen. Es gibt inzwischen eine ganze Generation von Leuten wie mich, die sich in beiden Welten gut zurecht finden."

Schöne, heile Welt?! Das geht Colin James dann doch zu weit – trotz aller Fortschritte.

Denn genau wie bei den Aborigines in Australien gibt es auch unter den Maori eine "verlorene Generation." Die aus ihrem traditionellen kulturellen Kontext gerissen wurde und in heruntergekommenen Großstadt-Ghettos in Auckland oder Wellington lebt. Immer noch.

"Schauen Sie sich nur die Statistiken an: Die Maori sind wie die meisten anderen indigenen Völker immer noch unterprivilegiert. Sie haben eine kürzere Lebenserwartung, sind weniger gebildet und häufiger im Gefängnis. Also, man kann wirklich nicht sagen, die Maori seien aus dem Schneider. Es ist ein Balance-Akt. Einerseits die Maori für vergangenes Unrecht zu entschädigen. Und andererseits die Interessen aller zu berücksichtigen. Da gehen die Meinungen unter den Neuseeländern ziemlich weit auseinander. Mehr und mehr wollen, dass die Entschädigungszahlungen zeitlich begrenzt werden. Und dann ist da natürlich noch die Frage, in wieweit die Maori überhaupt noch eine Sonderbehandlung verdienen. Mein Eindruck ist: Das will nur noch eine Minderheit. Auch wenn die Regierungen der letzten zwei Jahrzehnte diesen Weg eingeschlagen haben. Das hat sich definitiv auch bei den letzten Parlamentswahlen widergespiegelt."

Genau wie in Deutschland wurde in Neuseeland letzten September ein neues Parlament gewählt. Amtsinhaberin Helen Clark konnte sich nur äußerst knapp gegen ihren konservativen Herausforderer Don Brash durchsetzen.

Dem ehemaligen Notenbankchef gelang es, den Stimmenanteil seiner Nationals zu verdoppeln, indem er versprach, die Steuern zu senken. Und darauf pochte, die Sonderrechte für die Maori wie die Reservierung spezieller Sitze im Parlament und Extra-Gesundheitsprogramme abzuschaffen.

Bei vielen Kiwis kam das an. Tariana Turia kann es immer noch nicht fassen. Für die Vorsitzende der Maori-Partei ist Brash ein rotes Tuch.

"Ich kann es wirklich nicht mehr hören, wie die Konservativen herumlaufen und sagen: "Ein Gesetz für alle. Wir sind ein Volk." Blödsinn. Die Foreshore and Seabed Legislation – die Küstenstreifen-Gesetzgebung - ist doch ein klassisches Beispiel für Ungleichbehandlung. Sie verweigern uns das Recht, das uns zusteht. Und Zugang zur Justiz. Sie behandelt uns anders als die restlichen Neuseeländer. Den Privat-Besitzern von Küsten-Grundstücken ist das Land ja auch nicht weg genommen worden. Wir fordern nur Gleichbehandlung. "

Die 2004 verabschiedete Foreshore and Seabed Legislation hat für viel böses Blut gesorgt unter den Maori – auch bei Mark Solomon. Der Chef des Investment-Arms von Ngai Tahu beließ es nicht beim Lamentieren – und klagte vor dem UN-Komitee für die Überwindung von Rassen-Diskriminierung.

Das Komitee kam im März 2005 zu dem Schluss, das Gesetz sei viel zu schnell verabschiedet, die Belange der Maori viel zu wenig berücksichtigt worden. Ein moralischer Sieg – der aber rechtlich nicht bindend ist. Premierministerin Clark stellte denn auch auf Durchzug: Das Gesetz bleibt in Kraft.

"Eine Schande" – findet Mark Solomon. Doch was will er machen?! Dann lieber den Blick nach vorne richten. Und dafür sorgen, dass Ngai Tahu bei allem wirtschaftlichen Erfolg die soziale Balance wahrt .

"Jeder, der für uns arbeitet, wird Teil der Familie von Ngai Tahu. Das ist so ein Wert, der uns auszeichnet. Oder Tuhuka Taka. Ein Tuhuka ist traditionellerweise ein Experte. Für uns heißt das: Wir müssen Strukturen schaffen für unsere Angestellten, die es ihnen ermöglichen, sich weiter zu bilden. Es gibt ein Extra-Budget dafür. Das bedeutet aber gleichzeitig auch: Wir erwarten von ihnen, dass sie bereit sind, sich ständig fortzubilden."

Dass es Maori-Unternehmen wie dem von Ngai Tahu heute so gut geht, hat auch damit zu tun, dass die Wirtschaft in Neuseeland boomt: Seit Jahren schon überdurchschnittliche Wachstumsraten; ein Haushaltsüberschuss von sieben Prozent des Brutto-Inlandsprodukts; dazu kaum Inflation und eine Arbeitslosenquote, die unter vier Prozent liegt. Jetzt zahlt sich aus, dass der Inselstaat schon vor zwanzig Jahren tief greifende Reformen angepackt und den Sozialstaat umgekrempelt hat.

"Es entwickelt sich langsam eine Maori-Mittelschicht. Also nicht nur Maori, die für ihre Stämme Kapital verwalten, sondern individuelle Geschäftsleute. Und wir wissen ja aus der Geschichte: Die Mittelschicht bewirkt zwei Dinge: Sie macht Gesellschaften wohlhabender und demokratisiert sie gleichzeitig. Uns könnten also einige weit reichende Veränderungen ins Haus stehen. Aber an zu nehmen, allen Maori blühe jetzt automatisch eine rosige Zukunft, wäre auch Unfug. Es gibt immer noch viel zu tun, um das Ungleichgewicht zwischen den Maori und der Mehrheitsgesellschaft auszumerzen. "

Tariana Turia sieht das genau wie Colin James. Klar ist sie auf Erfolge ihrer Leute stolz: Auf den Einzug der Maori Party ins Parlament von Wellington; und dass Golfer Michael Campbell als erster Maori letztes Jahr die US Open für sich entscheiden konnte.

Andererseits muss die Frau mit den sechs Kindern und 24 Enkelkindern nur in ihre eigene Familie schauen, um zu sehen, wie schwierig es für viele Maori ist, Fuß zu fassen; einen Job zu finden. Aber nur nicht den Kopf hängen lassen – das ist ihr wichtig. Und sich immer wieder bewusst machen, woher man kommt.

"Es geht nicht darum, wie groß dein Maori-Anteil ist. Es geht darum, wer du bist und wie du dich fühlst. Ich meine, wenn ich ehrlich bin: In meinen Adern fließt höchstwahrscheinlich mehr europäisches als Maori-Blut. Ich habe einen amerikanischen Vater und britischen Urgroßvater. Dazu stehe ich auch. Nur: Ich bin nun einmal von meiner Maori-Großmutter aufgezogen worden – in einem Maori-Umfeld. Ich fühle mich einfach nicht europäisch. "

Neuseeland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einige grundlegende Veränderungen durch gemacht: Im Sozialen wie im Wirtschaftlichen.

Veränderungen auch beim ethnischen Mix: Die Zeiten, als der Inselstaat noch ein white men’s land war – ein Land der Weißen – sind vorbei. Und es gibt auch kein zurück mehr, attestiert Colin James.

"Ein Besucher, der in dreißig Jahren nach Neuseeland kommen wird, wird eine Nation vorfinden, die immer noch überwiegend weiß sein wird – allerdings mit einer signifikanten Minderheit von Polynesiern – also Maori und den polynesischen Einwanderern aus dem Pazifik. Zur Zeit stellen sie 22 Prozent der Bevölkerung, in dreißig Jahren wird ihr Anteil auf 30 Prozent gestiegen sein. Ein Anstieg auch bei Neuseeländern asiatischer Herkunft. Wir werden also eine polyglottere Nation sein. Die pazifischer aussehen wird, und brauner. Wobei unsere europäischen Wurzeln weiterhin sichtbar sein werden. Der Unterschied wird nur sein: Anders als heute werden wir uns nicht mehr als Außenposten Europas empfinden. Wir werden Teil der pazifischen Hemisphäre sein. Oder anders formuliert: Eine pazifische Nation."

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