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StartseiteSonntagsspaziergangSüdstaatenküche, Hamburger und viel Musik08.04.2018

Auf den Spuren von Elvis PresleySüdstaatenküche, Hamburger und viel Musik

Wer sich auf den Spuren von Elvis Presley durch die Südstaaten treiben lässt, erlebt dabei gelegentlich Neues und Unerwartetes. In seinem früheren Lieblingsrestaurant in Tupelo in Mississippi scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Kulinarisch und musikalisch gibt es aber einiges zu entdecken.

Von Rudi und Rita Schneider

Das Geburtshaus von Elvis Presley in Tupelo, Mississippi  (Rudi Schneider)
Das Geburtshaus von Elvis Presley in Tupelo, Mississippi (Rudi Schneider)
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Ganze sechs Wochen, nachdem Elvis am 19. September 1958 "King Creole" in die Plattenläden brachte, erblickte am westlichen Rand des Ruhrgebietes der kleine Volker Weskamp das Licht der Welt. Und genau an diesem Tag war Elvis in Deutschland und nahm an einem Manöver in Grafenwöhr teil. Als Volker elf Jahre war, war es dieser Song, der das Elvis-Feuer in ihm für immer anzündete. Volkers Taschengeld reichte damals nicht aus, um sich die Platte zu kaufen. Deshalb fuhr er mit dem Fahrrad in die Stadt zu einem Plattenladen, in dem man sich über Kopfhörer die Musik anhören konnte.

Volker verfolgte alles, was er über Elvis hören und lesen konnte und sein Traum war es, nach Amerika zu fliegen und eines seiner Konzerte in Las Vegas mitzuerleben.

"Ich hatte damals die Lehre ausgehabt, hab gut verdient auf der Zeche, Nachtschicht, und wollte mir das leisten. Das waren damals 1.200 D-Mark gewesen, das war kein Thema. Und dann ist es natürlich passiert, dass er gestorben ist. Sonst hätte ich Elvis vielleicht noch in Las Vegas live gesehen."

Ein kleines Haus, aber mit Südstaatenschaukel

Dieser Traum war dann leider geplatzt. Aber Jahre später kreuzten sich unsere Wege an keinem geringeren Ort, als dem Haus, in dem Elvis das Licht der Welt in Tupelo, Mississippi, erblickt hat. Volker, der selbst in einer Bergbauregion aufgewachsen war, wanderte ein wenig mit seiner Frau Andrea durch die Siedlung am östlichen Stadtrand von Tupelo.

"Da war nicht viel los, das war einfach 'ne kleine Stadt. Da waren einfach nur diese Häuser, natürlich das Geburtshaus von Elvis. Aber sonst war es da, wie es früher gewesen war, die ganz einfachen Häuser, diese Zwei-Raum-Häuser. Das war eigentlich eine arme Gegend, muss man sagen."

Wir treffen uns an jenem kleinen Haus, in dem alles begann, und das trotz seiner geringen Größe vor der Haustür eine kleine Veranda mit der typischen Südstaatenschaukel hat. Eine freundliche Dame nimmt die Besucher in Empfang und geleitet sie in den ersten von zwei kleinen Räumen.

"Dieses Haus wurde 1934 von Vernon und Jesse gebaut, das waren Elvis' Vater und Großvater. Vernon lieh sich 180 Dollar, um das Haus zu bauen. Es hat nur zwei Räume, die zusammen 42 Quadratmeter haben. Es hatte keine Elektrizität, kein fließendes Wasser. Eine Waschgelegenheit gab es nur vor dem Haus, den Brunnen teilen sie sich mit den Nachbarn."

Das Geburtszimmer von Elvis Presley im elterlichen Haus in Tupelo, Mississippi (Rudi Schneider)Das Geburtszimmer von Elvis Presley im elterlichen Haus in Tupelo, Mississippi (Rudi Schneider)

Misses Haze, die neben uns steht, erzählt, sie habe schon als Kind die Songs von Elvis geliebt, besonders "Tiger Man". Ihre Blicke wandern vom Kamin an der Wand, auf dem ein Bild vom kleinen Elvis mit seinen Eltern zu sehen ist, runter zu den Bodendielen.

"Es war so unwirklich, sich vorzustellen, dass er in diesem Raum geboren wurde, auf diesem Holzboden krabbeln und laufen lernte. Es ist alles so klein da drin. Es ist einfach unglaublich, sich vorzustellen, dass in diesem Haus alles begann."

Zwei Konzerte zum Erwerb des Geburtshauses

Es sind wirklich nur zwei kleine Zimmer, ein Schlafzimmer und eine Wohnküche. Andrea Weskamp machte sich Gedanken über die Frage, was diese räumliche Enge im täglichen Leben der Presley damals bedeutete.

"Es ist für mich faszinierend, wie die Leute ihre ganzen Sachen darin unterbringen. Wir haben ein Haus oder eine größere Wohnung und wir haben da Schränke und da Schränke. Die haben halt ihre zwei Räume, und damit müssen sie klarkommen. Das ist schon beeindruckend, aber leicht sauber zu halten."

Die Möglichkeit, das Geburtshaus des King of Rock 'N Roll heute noch besuchen zu können, das war eine besondere Aktion von Elvis selbst, die aus heutiger Sicht sehr vorausschauend war.

"1956 kam er nach Tupelo zurück und gab ein großes Konzert. Das wiederholte er 1957 noch einmal. Das ganze Geld, das er für beide Konzerte einnahm, spendete er der Stadt Tupelo. Er hatte eine Bitte an die Stadtväter, sie sollten sein Geburtshaus und das Grundstück mit diesem Geld kaufen. Es war eigentlich ein ärmliches Viertel und er meinte, dass man rund um das Haus einen Park errichten könnte. Und wie wir heute sehen, er hatte recht, jeden Tag kommen Tausende."

Elvis aß immer den Daughburger

Die Tonqualität zeugt vom Alter der Aufnahme. Das ist der Original Mitschnitt des Konzerts im Jahr 1956. Die Presleys mussten das Zwei-Raum-Haus damals, als Elvis drei Jahre alt war, verlassen, weil sie den Kredit nicht mehr abzahlen konnten. In den Folgejahren zogen sie mehrfach innerhalb von Tupelo um, unter anderem auch in einen Stadtteil, in dem vornehmlich Afroamerikaner wohnten. Bei unserer Wanderung auf Elvis Spuren gelangen wir von der Lawhon Elementary School wo Elvis als Zweitklässler zum ersten Mal einen Preis bei einem Liederwettbewerb gewann, zu Johnnie's Drive In. In diesem kleinen Straßenrestaurant saß Elvis oft mit seinen Freunden bei einer erfrischenden Limonade und seinem Lieblings-Hamburger. Im Äußeren und im Innern von Johnnie's Drive In scheint die Zeit seit damals stehen geblieben zu sein, betrachtet man die vielen Fotos an der Wand. Wir haben kaum Platz genommen, begrüßt uns Devin Berrit:

"What would you like to drink?"

Während Devin den Getränkewunsch auf einen kleinen Notizblock schreibt fragen wir, welche Hamburger in der kleinen Küche, in die man vom Tisch aus mühelos einsehen kann, zubereitet werden.

"Wir servieren Hamburger, die wir Daughburger nennen. Das ist unser Bestseller. Daughburger gibt es bei uns schon seit den 40er-Jahren. Das Besondere am Daughburger ist das Fleisch, das wir mit etwas Mehl mischen. Dann haben wir noch unseren Barbecueburger, der ist mit Pulled Pork gefüllt. Elvis aß immer den Daughburger, das war aber auch der einzige, der damals auf unserer Speisekarte stand."

Gäste, die immer wieder kommen

Devin macht sich mit unserer Bestellung auf den Weg zur Küche und Don Knight gesellt sich an unseren Tisch. Er ist seit Jahrzehnten nicht nur Chefkoch, sondern auch Besitzer von Johnnie's Drive In.

"Ich erinnere mich an Leute aus Deutschland, die alte Autokennzeichen sammelten. Die wussten gar nicht, das Elvis in der Nachbarschaft aufwuchs und hier immer seinen Hamburger aß. Der Tisch, an dem wir jetzt sitzen, war sein Lieblingstisch. Wir haben etliche Gäste aus der ganzen Welt, die über die Jahre immer wieder kommen."

Am Tisch an dem Elvis saß, scheint sich seit damals nichts geändert zu haben, wenn man das Bild an der Wand mit dem Tisch vergleicht, an dem wir gerade sitzen. Don zeigt uns ein Buch, dessen Titel von diesem Song abgeleitet ist: "Are you lonley tonight". Das Buch mit den Rezepten der Lieblingsgerichte von Elvis trägt dem Song entsprechend den Titel "Are you hungry tonight". Gladys, seine Mutter, erzählt man, habe immer die typischen Südstaatengerichte mit all ihren kalorienträchtigen Köstlichkeiten aufgetischt. Und Volker hat eines davon im Restaurant von Priscilla Presley in Memphis probiert.

"Da waren diese typischen Elvis-Gerichte auf der Karte. Und ich denke mir, als Elvis-Fan probierst du natürlich den "Peanutbutter Sandwich". Und ich muss sagen, der schmeckte gut. Da konnte man sich dran gewöhnen, ist halt ein Unterschied, er ist sehr süß, aber, der schmeckte."

Besuch beim Barbecue-Weltmeister in Decatur

Während wir noch im Elvis-Kochbuch blättern, erzählt Don Knight, dass Barbecue-Gerichte in den Südstaaten eine große Tradition haben, und er empfiehlt uns, sofern wir Zeit und Lust hätten, dem mehrfachen Barbecue-Weltmeister in Decatur einen Besuch abzustatten. Der würde seine Küche gute anderthalb Stunden östlich auf dem Highway betreiben. Haben wir Zeit? Manchmal muss man sich auch einfach spontan treiben lassen. Don gibt uns noch eine gebrannte CD mit. "Die müsst ihr euch unterwegs anhören, das ist der Südstaaten-Barbecue-Song". Gesagt, getan. Wir verabschieden uns, Don gibt uns noch die Adresse des Gib Bob Gibson BBQ fürs Navi mit. Schnell das Navi programmieren, Don's CD starten und los geht's.

Navi: "Sie erreichen ihr Ziel um 12:33 Uhr."

BBQ-Saucen und Trophäen im Büro von Barbecue-Weltmeister Chris Lilly (Rudi Schneider)BBQ-Saucen und Trophäen im Büro von Barbecue-Weltmeister Chris Lilly (Rudi Schneider)

Der Highway 72 führt uns östlich übers hügelige Land. Wir passieren die südlichen Stadtteile von Muscle Shoals, wo Aretha Franklin, Percy Sledge, Wilson Pickett, die Osmonds oder die Rolling Stones, um nur einige zu nennen, ihre Welthits in den örtlichen Studios eingespielt haben. Gute 40 Meilen weiter erreichen wir Decatur und unser Navi leitet uns punktgenau vor die Eingangstür von Gib Bob Gibsons Barbecue. Im Eingangsbereich tummelt sich bereits eine ganze Anzahl von hungrigen Gästen, die auf freie Tische warten. Ein unbeschreiblicher Duft von Grillfleisch, Holzfeuer, aber auch von frischem Weißkrautsalat umweht unsere Nasen. Die Seitenwand ist geradezu überfüllt von BBQ-Weltmeister Plaketten und Trophäen aus verschiedenen Jahren. Ähnlich wie in Tupelo hat man das Gefühl, dass sich das Äußere, aber auch der Gastraum mit den Tischen und der Theke über die Jahrzehnte kaum geändert hat. Der Chef der Grillöfen ist Chris Lilly. Chris nimmt uns mit einer einladenden Handbewegung mit in sein kleines Büro und erzählt uns, wie alles vor Jahrzehnten hier begann.

"Der Urgroßvater meiner Frau hat das hier gestartet. Er war eigentlich ein Eisenbahnarbeiter. An den Wochenenden gab es immer Barbecue in seinem Garten. Seine Grillspezialitäten waren geniale Eigenkreationen und die wurden in der Nachbarschaft so populär, dass er sich entschloss, ein Barbecue-Restaurant zu eröffnen. Das war im vorigen Jahrhundert Mitte der Zwanzigerjahre."

Barbecue ist hier Männersache

Chris Lillys Büro ist wie ein Gemälde, ein Stillleben. Wo der Chef sonst Akten in den Regalen hat, sind es bei Chris unzählige Flaschen mit bunten Etiketten verschiedenster Barbecue-Saucen, viele davon sind seine eigenen Kreationen. Dazwischen gruppieren sich kristallene Trophäen und die Wände zieren allerlei Fotos von vergangenen Wettbewerben, aber auch von der Familie.

"Barbecue ist eine Kunst. Es ist mehr, als einfach nur Fleisch auf den Grill zu werfen. Wir beginnen mit der Zubereitung meistens schon einen Tag, bevor das Fleisch serviert wird. Wir betreiben dazu riesige Grillöfen, die mit vier Lagen speziellem Holz gefeuert werden. Jeder von ihnen hat einen Deckel und einen Kamin. Wir lassen die Feuer nie ausgehen. Wir legen das Fleisch am Abend vor dem Serviertag auf und es gart die ganze Nacht. Unsere Grillmeister kommen früh morgens, prüfen das Fleisch und würzen es nach. Die Beziehung, die der Grillmeister mit dem Fleisch auf dem Rost hat, darin genau liegt die Kunst."

Chris scheint nicht nur ein begnadeter Gillmeister zu sein, er ist auch ein Buchautor. In seinem Barbecue-Buch beschreibt er neben der Geschichte der Familie Gibson im Besonderen die Geheimnisse perfekten Grillens und eine große Anzahl seiner Rezepte. Eine seiner besonderen Kreationen ist die "Weiße Grillsauce". Und die wird tatsächlich im BBC Song von Rhett & Link, die uns Don in Tupelo mitgab, besungen. Gerade drängen sich die Jungs eines ganzen Löschzuges der Decatur Firefighters zum Lunchbreak durch die Eingangstür, um sich mit den Köstlichkeiten vom Grillfeuer zu beschäftigen. Chris erzählt uns, dass es in seinem BBQ-Restaurant nicht nur die Grillöfen gibt, sondern auch die Backöfen, und die scheinen ganz unter weiblichem Regiment zu stehen.

"Barbecue zubereiten ist wie gesagt eine Kunst. Unsere Grillmeister fangen um 6 Uhr morgens an. Aber unsere Bäckerinnen sind schon vor den Grillmeistern da und starten mit ihren hausgemachten Torten-Träumen. Die Ladys zaubern dann zum Beispiel Torten wie Peanut-Butter-Pie, Lemon Ice Box, Schockoladen- Kokusnuss-Creme und Pecan Pie, die backen sie jeden Morgen."

Mit einem dieser Desserts verabschieden wir uns aus dem traditionsreichen Restaurant der Gibsons. Alles in allem wird uns an diesem Tag einmal mehr klar, dass südstaatliche Lebensart in jedem Fall zwei wichtige Elemente hat, gute, deftige Küche und ganz viel Musik.

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