Freitag, 01. Juli 2022

Archiv


Auf der Suche nach dem Ursprung des Lebens

Raumfahrt. - Am 12.Januar kommenden Jahres startet Europas Raumfahrtorganisation ESA ihre bisher spannendste Weltraummission mit der Sonde ''Rosetta''. Nach mehrfachem Schwungholen um Erde und Mars und über acht Jahren Flug erreicht die Raumsonde den Kometen ''Wirtanen'' im Sommer 2012 und setzt ein Landegerät auf seiner Oberfläche ab. Das wird einmalig in der Geschichte der Raumfahrt sein, denn noch nie hat ein Landegerät auf einem Himmelsobjekt mit einer derart geringen Schwerkraft aufgesetzt.

05.12.2002

Von Florian Hildebrand

Am 13. Januar 2003 hebt die schwere Ariane-5 von Kourou, Französisch Guayana, ab. An Bord ist "Rosetta", eine Sonde der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Das ist der Beginn der bislang ungewöhnlichsten Mission in der Geschichte der Raumfahrt. Wie im Walzertakt holt Rosetta Schwung um Mars und Erde, schwenkt dann ein auf eine acht Jahre lange Reise in die Tiefe des Sonnensystems, wo Jupiter seine Bahn zieht. Einziger Lichtpunkt auf der langen und langweiligen Reise sind die beiden Kleinplaneten "Otawara" und "Siwa". Im Sommer 2012 schließlich, also nach knapp zehn Jahren erreicht die Raumsonde in fast 800 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde den Kometen "Wirtanen". Und nun kommt das Einmalige in der Geschichte der Raumfahrt: "Rosetta" setzt ein Landegerät auf der Oberfläche des Kometen ab. Noch nie hat man so etwas auf einem Himmelsobjekt mit einer so kleinen Oberfläche und einer derart geringen Schwerkraft gewagt. RoLand, wie der Rosetta Lander kurz genannt wird, wiegt auf der Erde rund 100 Kilogramm, auf Wirtanen aber nur noch ein ganzes Gramm. Fred Goesmann vom Max-Planck-Institut für Aeronomie im niedersächsischen Lindau-Katlenburg zu der heiklen Landung:

Das mit der Oberfläche ist ein ziemliches Problem. Wir wissen nicht, auf was wir landen. Die Meinungen gehen zwischen hart wie Stein und Sack von Federn. Eine gewisse Festigkeit wird er haben, aber viel wird es nicht sein, denn Kometen zerbrechen auch sehr leicht. Es sind zwei knifflige Sachen: Wenn man runter kommt auf den Kometen und man federt in die Knie und geht wieder raus, das kann reichen, um völlig wieder wegzuflipsen. Das heißt, man muss dieses Federn unterdrücken, man muss beim Landen gut dämpfen. Und dann gibt es noch das Kaltgassystem, das einen Gasstrahl nach oben pustet, um ihn etwas herunterzudrücken. Und dann sitzt man da, es geht das große Festmachen los. Da sind zwei Harpunen darunter, die in den Boden geschossen werden. Innen ist eine kleine Treibladung mit Widerhaken, und nun kann man nur hoffen, dass die auch in den Kern hereinkommen und dort etwas zum Festalten finden.

Drei Beine hat der Lander und jedes zwei Füße, die unabhängig von einander aufsetzen können. Dazwischen ist jeweils eine Eisschraube, die sich in den Untergrund bohrt und so das Bein fixiert. Wenn RoLand glücklich festgezurrt ist, werden die zehn Messinstrumente aktiv. Sie analysieren die Gase über Grund, außerdem die Zusammensetzung des Schweifes und bohren in den viel zitierten schmutzigen Schneeball. Goesmann:

Wir versuchen, ein komplettes Labor auf dem Kometenkern abzusetzen. Zunächst mal Augen: Das ist schon ein wenig wir eine Spinne, die wir da hinsetzen, die hat auch etwa so viele Augen. Man guckt erst einma, wie sieht es in der Umgebung aus. Dann wollen wir wissen, aus was ist das Ding eigentlich chemisch: welche Elemente liegen vor. Dann gibt es ein Gaschromatographen-Massenspektrometer der Briten, das machsieht, welche Isotopenzusammensetzung vorliegt. Und dann gibt es ein Massenspektrometer, das nach der Organik schaut, welche organischen Moleküle es dort oben gibt. Wir haben Grund zu der Annahme, dass es dort eine ganze Menge organischen Moleküle gibt.

Der Lander hat einen Bohrer an Bord, der 20 Zentimeter in den Boden eindringen kann. Die Proben kommen in kleine Öfchen und verdampfen dort; die Gase werden analysiert. Kometen sind tiefgekühlte Klumpen aus Staub und Eis, relativ unverfälschte Relikte aus der Zeit vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, als das Sonnensystem entstanden ist. Die geben also Auskunft, wie der solare Urnebel zusammengesetzt war. "Rosetta" soll aber auch herausfinden und hauptsächlich, ob es Kometen waren, die das Leben auf die Erde gebracht haben, so Goesmann:

Die Erde besteht aus Eisen, Nickel, Silizium, Sauerstoff und so weiter. Und aus was ist der Mensch. Offensichtlich aus Organik Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff. Wenn man sich dann die Kometen anschaut, sind sie den Menschen so entsetzlich ähnlich, das ist schon sonderbar. Was die mitbringen, das ist die Element-Zusammensetzung für Leben.