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Auf die Mitarbeiter hören

Eine Münchner IT-Beratungsfirma hat den Wettbewerb zu Deutschlands bestem Arbeitgeber 2008 für sich entschieden. Die 160 Mitarbeiter des Unternehmens lobten die faire Behandlung durch das Management. Das wiederum sieht sein Erfolgsrezept darin, Kritik und Anregungen der Belegschaft ernst zu nehmen.

Von Philip Banse |
    Bei der Münchner IT-Beratung Consol Software arbeiten 160 Menschen. Die Mitarbeiterbefragung war Kern des Wettbewerbs und ergab im Fall Consol, dass das Management als sehr fair gilt, im persönlichen Umgang, aber auch finanziell: Über 60 Prozent des Gewinns schüttet Geschäftsführer Ulrich Schwanengel an seine Mitarbeiter aus. Sein Erfolgsrezept sei, Kritik und Anregungen seiner Mitarbeiter aufzusaugen. Dazu habe sein Unternehmen eine interne Akademie eingerichtet:

    "Mitarbeiter, die ein gutes Wissen haben, sind aufgefordert, dieses Wissen aktiv an der Akademie anzubieten. Umgekehrt sind Mitarbeiter, die einen Bedarf haben, aufgefordert, dies wirklich aktiv zu sagen. Und wenn die Mitarbeiter sich nicht scheuen zu sagen, ich weiß etwas nicht, sondern alle davon lernen, dann sind umgekehrt alle Mitarbeiter auch sehr viel mehr bereit, sehr aktiv neustes Know-how von sich aus in die Firma hineinzutragen. Und ich glaube, das ist auch eine ganz wesentliche Grundlage für unseren Erfolg."

    Auf der Suche nach "Deutschlands bestem Arbeitgeber" befragte das "Great Place to Work"-Institut über 45.000 Beschäftigte, und zwar anonym. Vertrauen sie dem Management? Fühlen sie sich als Mensch respektiert? Sind sie stolz für das Unternehmen zu arbeiten? Glaubwürdigkeit, Fairness, Respekt und Teamgeist kennzeichnen nach Meinung der Initiatoren einen guten Arbeitsplatz. In der Kategorie 500 bis 5000 Mitarbeiter gewonnen hat der Deutschland-Zweig des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco Systems. Guido Wallraff, Leiter der Personalabteilung bei Cisco, betont die Bedeutung der internen Kommunikation. Manager schrieben Blogs und informierten die Beschäftigten per Internet-TV. Guido Wallraff selbst hat heute Vormittag ein Video aufgezeichnet, das von der Auszeichnung als "Bester Arbeitgeber" kündet:

    "Das platzieren wir auf einer internen Plattform, wo dann auch jeder Mitarbeiter direkt Feedback geben kann, Begeisterung auszudrücken oder auch harsche Kritik zu üben. Eine sehr offene Kommunikationskultur, die sicher auch zur Glaubwürdigkeit, Nähe des Managements beiträgt."

    Auf interaktive Medien wie Blogs setzt auch SAP, zum besten Arbeitgeber gekürt in der Kategorie über 5000 Beschäftigte. Dazu gibt es gratis Mittagessen und eine Gewinnbeteiligung. Der deutsche Softwareriese aus Walldorf punktet bei seinen Mitarbeitern mit einem sehr glaubwürdigen Management und mit viel Respekt vor der Belegschaft. Steffen Laick, Personalchef bei SAP, nennt ein Beispiel:

    "Wir haben zum Beispiel Vertrauensarbeitszeit. Wir haben keine festen Arbeitszeitregeln, wir haben keine Stechuhr. Prinzipiell könnten die Mitarbeiter kommen und gehen, wann sie wollen, selbstverantwortlich."

    Insgesamt bescheinigt der Wettbewerb 100 deutschen Unternehmen, eine gute Arbeitskultur zu leben. Überdurchschnittlich vertreten ist die IT-Branche. Der Grund: Die Produkte stammen fast ausschließlich von kreativen Menschen, Maschinen gibt es kaum, Mitarbeiter in der IT- und Softwarebranche werden daher besonders umsorgt. Eine menschliche und produktive Arbeitskultur zu schaffen, sei jedoch für alle Unternehmen interessant, vor allem wirtschaftlich, sagte Kajo Wasserhövel, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium: Im verschärften Kampf um die besten Köpfe würden weiche Arbeitsplatz-Faktoren immer wichtiger. Eine repräsentative Studie des Arbeitsministeriums habe zudem ergeben, dass ein Arbeitsplatz den Unternehmensgewinn um 30 Prozent steigere:

    "Hat man eine Kommunikation im Unternehmen, die offen ist? Hat man ein gutes Konzept, was die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz angeht? Hat man ein vernünftiges Konzept, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut hinzubekommen? Hat man eine Kultur, wo klar ist, die Arbeitnehmer werden auch fair am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beteiligt? Auf die Studie klar abgestützt kann man sagen: Ein Drittel des wirtschaftlichen Erfolgs hängt an solchen Faktoren."

    Leider seien Unternehmen kaum bereit, ihre Mitarbeiter über das Arbeitsklima urteilen zu lassen. Beim Wettbewerb "Deutschlands bester Arbeitgeber" hätten mitmachen können 60.000 Unternehmen. Mitgemacht haben: 252. Deutsche Unternehmen, so Staatssekretär Wasserhövel, müssten da mutiger werden.