Donnerstag, 09. Dezember 2021

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Auf Europa kaum zu übertragen

Umwelt. - Die US-Studie zu Biosprit aus der Prärie wurde in Nature von Klaus Butterbach-Bahl und Ralf Kiese vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruhe Institut für Technologie bewertet. Kiese stellte sich den Fragen von Moderator Ralf Krauter.

Ralf Kiese im Gespräch mit Ralf Krauter | 17.01.2013

Krauter: Wir bleiben beim Thema und wollen klären, wie die eben beschriebene Arbeitzu bewerten ist. Herr Kiese, ist das jetzt ein gangbarer Weg, um die Biospritproduktion mittelfristig wirklich nachhaltiger zu machen?

Kiese: Also zunächst einmal muss man sagen, diese Gräser wachsen im Prinzip auf landwirtschaftlichen Flächen, die derzeit nicht unter Betrieb sind. Insofern gibt es diese Systeme schon. Nur ist im Bereich Bioenergie bisher nur an Mais und klassische Systeme, eventuell noch Pappeln, gedacht worden. An diese alternativen System hat eigentlich bisher noch gar niemand gedacht. Und es ist jetzt eigentlich das Überraschende, dass diese Systeme auf landwirtschaftlichen Flächen, die für die Produktion nicht geeignet sind - sei es, weil die Bodenverhältnisse nicht so gut sind oder klimatische Restriktionen da sind - durchaus Biomasse bilden können, die dann für Bioenergiegewinnung interessant sein können.

Krauter: Die Forscher kommen ja in ihrem Paper zu dem Schluss, dass sich mit ihrem Verfahren, mit der Ernte dieser Wildgräser, die da sowieso wachsen, in den USA im Mittleren Westen pro Jahr ca. 20 Milliarden Liter Biosprit erzeugen ließen. Ist das eine realistische Größe, oder würden Sie da doch noch Einschränkungen sehen?

Kiese: Nein, man kann ja über die Biomasse errechnen, wie viel Ethanol man aus diesen Raffinerien gewinnen kann. Und das ist wirklich eine belastbare Größe, sind ja dann auch diese 25 Prozent von dem, was die US-Regierung bis 2020 fordern würde. Also das ist eine belastbare Größe.

Krauter: Das wäre also eine nennenswerte Menge. Wäre denn der Nachhaltigkeitsgewinn, den diese Methodik versprechen würde, dauerhaft oder ließe der vielleicht irgendwann nach?

Kiese: Also zunächst einmal: Über die Biomasse können wir CO2 einsparen gegenüber fossiler Energie, das ist auf jeden Fall nachhaltig. Der Vorteil von diesen Systemen jetzt zum Beispiel gegenüber Mais ist, dass sie eben ein Wurzelsystem ausgebildet haben, mehrjährig sind und insofern haben da die Forscher auch nachgewiesen, wenn man das jetzt vielleicht noch mit moderaten Stickstoffgaben düngt, kann man sogar noch Ertragszuwächse kriegen. Ein kritischer Punkt, der bei Betrachtung von Bioenergie eine Rolle spielt, sind N2O-Emissionen über den Düngereintrag. Und die sind da…

Krauter: Lachgas also!

Kiese: Lachgas ja genau, und die sind vergleichsweise gering. Und das System zeigt auch, dass wir auf marginaler Flächen, wie ich vorhin angedeutet habe, wo wir meistens nicht solche Kohlenstoffgehalte haben, durchaus noch eine Erhöhung von Kohlenstoff kriegen und das im Prinzip auch CO2 von der Atmosphäre sein würde, was den Effekt dann noch verstärken würde. Hier haben wir aber das Problem - das haben wir auch angemerkt - dass diese Kohlenstoffbindung natürlich langfristig sein muss. Und wenn das Management umgestellt wird, kann das wieder im Prinzip in die Atmosphäre ausgasen. Und da gibt es auch eine bestimmte Kapazität nur, was die Böden letztendlich aufnehmen können. Und das macht doch einen großen Beitrag eben an dieser positiven Bilanz aus, da müsste man sich zukünftig überlegen, wie man da auch ein Monitoring machen kann.

Krauter: Das heißt, es könnte sein, dass die Ökobilanz erst einmal gut aussieht, aber dann im Lauf der Jahre sich verschlechtert?

Kiese: Wenn wir bei dem System an sich so bleiben, dann wird sie sich wahrscheinlich nicht verschlechtern. Aber es ist eben auch angesprochen, marginales Land von heute muss nicht unbedingt marginales Land von morgen bleiben. Einfach, wenn sich Marktpreise ändern und Landwirtschaft auf solchen Flächen dann eventuell wieder Sinn macht, und wir dann mit dem Pflügen anfangen, dann ist es wahrscheinlich, dass wir auch Kohlenstoff wieder verlieren und im Prinzip wieder einen negativen Effekt haben.

Krauter: Lässt sich aus dieser Studie denn irgendetwas für Europa ableiten. Ist das übertragbar oder nicht übertragbar? Wenn ja in welchem Umfang?

Kiese: Wie Sie angesprochen hatten, es ist Mittlerer Westen, Präriesystem, sehr große Flächen. Und die Studie zeigte auch, dass weitergedacht wurde, wie dicht die Etablierung von Raffinerien sein muss. Und ich denke, dass es in Europa vielleicht in Spanien größere Flächen gibt. Jetzt auf Deutschland betrachtet sind es wahrscheinlich relativ kleine Flächen und Sie kriegen dann wieder ein Problem, dass wir längere Transportwege haben, um die Biomasse letztendlich zur Verwertung zu kriegen, was die Bilanzen letztendlich wieder etwas verschlechtern würde.