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Auf Noahs Berg

Die Türken nennen ihn Schmerzensberg, die Armenier Mutter der Berge und die Kurden sagen Ararat, Feuerberg. Das über 5000 Meter hohe Bergmassiv am Ostende der Türkei ist ein Ort voll Mythen und Legenden, so sollen am Ararat die Überreste der Arche Noah zu finden sein. Jörn Klare ersteigt mit dem Bergführer Kemal Ceven und der Armenienkennerin Tessa Hof den Gipfel - die Arche findet er aber nicht.

Von Jörn Klare | 13.07.2008

"Es gibt viele Menschen, die sagen er hat bestimmte Kräfte, die wie Magnetismus sind."

"Ich war über 200 mal auf dem Ararat."

"Er ist ein überragender Berg in jeder Hinsicht. Er ist ein Götterberg oder er ist selber ein Gott, je nachdem wie man das sehen will."

"Ich kann sagen, ich kann nicht ohne Ararat leben. Das ist wirklich so."

"Er liefert eine gewaltige Rundsicht von 270 Kilometern. Blick bei günstigen Verhältnissen bis zum Kaspischen - und zum Schwarzen Meer, und wegen dieser gewaltigen Rundsicht, taucht er in alten Karten als Mittelpunkt der Welt auf."

Wir sind jetzt hier auf 1960 Metern angekommen, laden das Gepäck auf die Maultiere. Die Sonne scheint, aber oben ist alles Nebelwolken. Vom Ararat ist nichts zu sehen, aber dafür geht der Blick schön weit in die Ferne.

"Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht. Aber heute ist erst mal geplant, gut tausend, tausendzweihundert Höhenmeter bis zum ersten Lager hochzulaufen. Das sind so drei, vier Stunden, das ist schön zum Einlaufen."
"Hoffentlich wir schaffen, weil hier überall Sand ist : Oh, hoffentlich wir schaffen."

"Im Oktober 1827 erobert Russland diesen Teil des östlichen Transkaukasus oder wie man heute sagt Südkaukasus und nimmt den Persern den Ararat ab."

"Das ist ein Dorf, das heißt auf Türkisch Topschatan und auf Kurdisch Karnigurk, heißt das Dorf. Und ich habe bis zum 31. Lebensjahr hier gelebt und gewohnt."

"Und 1921 dann durch Friedensdiktat und gegen den Willen der Armenier gelangt der Ararat in türkischen Besitz und ist es bis heute, und das ist für viele Armenier eigentlich das Schmerzlichste - sie sehen ihren heiligen Berg jeden Tag – zumindest die, die in Eriwan leben, und sie können ihn niemals erreichen."

"War hier überall Wald. 1993 wurde hier von Soldaten eine Operation gemacht und danach haben wir gesehen, dass der ganze Berg brennt und die Bäume alle weg sind. Man hat gesehen, dass der ganze Berg besonders in der Nacht - alles gebrannt hat."

"Diese Spannung zwischen dem unerreichten Ideal, dem großen nationalen Heiligtum, der großen Identität und der politischen Realität - wie sie besteht - ist also eine ständig schmerzenden Wunde."

"Ohne Bäume ist es nicht schön, es ist nicht gut. Aber, na ja, man kann es nicht ändern. Man verhungert nicht, aber es ist auch, kann man sagen, auch nicht Leben. Das ist ein sehr schweres Leben."

"Ararat hat eine typische Wolke, das ist richtig, wie ein Hut. Und daneben, das ist der kleine Ararat auch 3930 Meter hoch. Und natürlich liegt er genau an Grenze zu Iran. Man kann eine Genehmigung kriegen dafür, aber das ist sehr, sehr schwer."

Nach vier Stunden Marsch sind wird jetzt angekommen an dem Platz, wo wir unser Basislager aufschlagen werden. Das ist eine schöne Almwiese, durchsetzt mit großen Lavasteinen. Hinter uns ist so ein großes Steinfeld, das auch als Toilette dienen wird.

Die Aussicht geht runter wunderbar ganz weit in die Ararattiefebene. Hinter uns ist der Gipfel 5137 Meter hoch. In der Nähe fließt ein Bach. Etwas weiter grast eine Schaf- und Ziegenherde. Sehr idyllisch, sehr schön und jetzt haben auch schon die Pferde das Gepäck gebracht. Und wir werden erst mal die Zelte aufbauen.

"Also, ich denke Ararat ist ein heiliger Berg. Die sagen, das steht in der Bibel - es ist ein heiliger Berg. Das steht genau im Koran auch so.

"Die christliche Tradition, die biblische verknüpft den Berg mit der Arche-Landung."

"Ich war auch mit einem deutsche Wissenschaftler auch auf dem Ararat, wegen Themen: Arche Noah und so. Er war ein bisschen komisch. Der hat gesagt, du darfst nicht mit kommen. Ich gehe hoch, gucke da und da und komme dann wieder. Und ich habe gesagt: O.k., wenn du nicht möchtest."

"Ararat ist die hebräische Bezeichnung aus der Bibel, die sich eigentlich gar nicht auf diesen Berg bezieht, obwohl sich das so eingebürgert hat."

"Ja, kurze Rast hier im Aufstieg zum sogenannten Hochlager. Einfach Geröll, anfangs gab es so ein bisschen Wiese, ein paar Grashalme, aber das hat aufgehört, jetzt gibt es nur noch Geröll und Schutt, aber da lässt es sich ganz gut gehen. Das ist ein fester Weg, man rutscht nicht immer wieder runter. Man spürt so ein bisschen die Höhe, aber der Bergführer geht ein gutes Tempo. Langsam aber gleichmäßig und kontinuierlich. So kommt man gut voran, gut hoch. Ohne all zu sehr aus der Puste zu kommen."

"Der ist weggegangen und dann ist zurück gekommen und der hat gesagt, ich möchte nicht so viel reden, frage mich nicht was. Und ich möchte nicht so viel reden darüber!"

"Gott hatte wirklich die Nase voll von diesem von ihm geschaffenen, dann aber aus dem Ruder gelaufenen Menschengeschlecht und er sendet die Flut."

"Und dann haben wir gesagt: Sag mal, was hast du gefunden? Es interessiert mich ein bisschen! Und er hat gesagt: Ich habe Anker und so was gefunden. Ich weiß es nicht."

"Man glaubt es oder man glaubt es nicht, aber frommer Glaube verbindet es eben mit Noahs Arche, und es hat ja auch in der Neuzeit nicht an Spekulationen gefehlt: die Arche und vermeintliche Arche-Funde. Das rumort so bis heute durch die Medienlandschaft und die Publizistik."

"Ja, jetzt hier oben im Hochlager angekommen, auf 4100 Metern Höhe. Sehr felsig. es gibt so kleine, geschaffene Plätze, wo man Zelte aufstellen kann."

"Es liegt auch schon Schnee hier auf der Höhe, aber wir haben immer noch Wahnsinnsglück - die Sonne scheint."

"Manchmal kann sehr böse werden. Ararat ist ein böser Berg. Im Winter ist es total schwierig und kann sehr gefährlich sein. Wir haben auch ein Rettungsteam. Wir haben schon ein paar Leute runtergebracht – Tote."

"Morgen geht es auf den Gipfel. Es ist jetzt 19 Uhr, draußen ist die Sonne weg und es ist so kalt, dass man es einfach auch nicht mehr gut aushält. Ich liege in meinem Zelt, krame jetzt noch die letzten Sachen zusammen und dann versuche ich zu schlafen. Über 4000 Metern schläft man eigentlich nicht gut, außer wenn man sehr gut akklimatisiert ist. Zum richtigen Schlafen wird es nicht reichen. Man ruht halt."

"Um drei Uhr wird geweckt. Dann gibt es noch eine Suppe, dann gehen wir los. Vier, fünf Stunden, wenn es gut läuft. Es sind alle ein bisschen gespannt, so eine bange Erwartung. Klappt es, klappt es nicht? Kommt jeder mit der Höhe klar, komme ich mit der Höhe klar? Ich fühle mich eigentlich fit und hoffe, dass ich es morgen auch noch bin und dass das Wetter gut ist. So und jetzt versuche ich mal zu schlafen und das Gequatsche in den Nachbarzelten zu überhören."

"Ich war einmal mit eine Astronaut auch auf dem Ararat. Der hat eine Stelle mir gesagt. Er war alt. Der hat eine Stelle mir gesagt. Dann habe ich nicht nachgeguckt."

"Wir stehen und sitzen hier um halb vier beim Frühstück , ein paar Kekse, ein bisschen Tee, Thermoskannen auffüllen. Es ist kalt. Keiner hat Lust, Gleich geht es los."

"Dann ein paar Monate danach, ich war mit meine Frau auch auf dem Ararat. Da hat sie aus Spaß gesagt: Da ist Arche Noah!"

"Das ist jetzt ungefähr vier Uhr morgens, wir sind auf dem Weg zum Gipfel. Das geht jetzt hier erstmal ziemlich durch das Geröll. Es ist noch Nacht, wir gehen im Licht unserer Stirnlampen. Aber man sieht jetzt, dass die Sonne aufgeht, dann wird es hoffentlich auch wärmer. Wir haben noch einige Stunden vor uns und sind guten Mutes, dass wir es auf den Gipfel schaffen."

"Herbst, die Stelle kommt auf dem Ararat. Da siehst du genau eine Form wie ein Schiff. Da ist aber alles aus Eis. Hat mein Herz richtig gepumpt. Aber die Stelle habe ich bis jetzt keinem gezeigt, weil wenn man zeigt, die können sowieso nicht finden. Das ist überall Eis."

"Ah, kleine Rast. Das tut gut. Die Höhe, das ist ganz schön zu spüren. Der Kopf hämmert, knallt. Die Lunge kommt irgendwie nicht hinterher, hat man das Gefühl. Trinken, immer weiter hoch, kleine Schritte, tief atmen. Das Blöde ist, wenn man anfängt, den Rhythmus zu verlieren und immer wieder Pausen macht. Fünf Schritte und wieder Pause macht. Da ist es mir lieber - kleine Schritte und durch. Immer weiter durch, weiter. Aber es gelingt nicht immer."

"Also ich denke, ich habe so eine Gefühl. Die Arche Noah ist da drin. Das ist wirklich die Stelle. Ich habe sie bis jetzt selbst meine Bruder auch nicht gezeigt. Ich habe so ein Gefühl, Arche Noah ist da dran. Aber das bleibt so bei mir."

"Wir dürfen Mythen und sehr frühe Formen der Literatur niemals als realhistorischen Bericht nehmen . Am Ararat war alles, was man dort gefunden hat, nicht diesem Zeitraum zuzuordnen."

"Wir sind jetzt hier auf 4750 Metern angelangt. Es ist sehr kalt, sehr windig. Es ist halb sieben. Zum ersten Mal kommt die Sonne raus, aber die wärmt auch kein Stück. Es ist echt saukalt, windig. Aber die Sicht ist klasse. Wir gehen sehr langsam und kontinuierlich. Das ist auch die einzige Chance hochzukommen. Und bevor ich mir jetzt die Finger abfriere, stecke ich mein Mikrofon wieder in die Jackentasche."

"Aber es ist mit Sicherheit ein Berg, den man sich gut als den Rettungsort, als den Ort des Überlebens der Menschheit vorstellen kann."

"Jetzt, hier oben auf dem Gipfel. Gerade angekommen. Es ist sehr, sehr, sehr windig - man kann fast kaum stehen. Es bläst einen fast um. Deswegen ist es auch sehr kalt. Obwohl: Die Sicht ist wunderschön, nach Armenien rein. Man kann fast Eriwan erkennen. In den Iran rein. Die letzten 200 Meter mussten wir mit Steigeisen gehen, weil der Wind alles blank geblasen hat und die Schuhe auf dem Eis nicht gehalten hätten. Ich denke, wir bleiben noch fünf Minuten hier und dann runter. Es ist einfach zu kalt und zu windig. Aber klasse hier zu sein - echt."
Der letzte Anstieg auf den Gipel des Bergs Ararat in der Türkei.
Auf dem Weg zum Gipfel... (DRadio - Jörn Klare)
Der Berg Ararat in Armenien
Der Berg Ararat liegt unter einer Wolkendecke. (AP)