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Aus für Kirchenmusikhochschule in Aachen

Kirchenmusiker - für viele mag das einmal ein Traumberuf gewesen sein. Gottesdienste mit festlicher Chor- und Orgelmusik zu begleiten, mit Konzerten das kulturelle Leben in einer Pfarrgemeinde zu beleben. Das war für viele Ansporn, die nicht leichte Ausbildung zum Kirchenmusiker zu beginnen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Den Kirchen gehen die Gläubigen und damit auch das Geld aus. Und auch die Organisten und Chorleiter bekommen das zu spüren. Besonders groß ist das Finanzloch im Bistum Aachen. Dort fällt jetzt die traditionsreiche Hochschule für Kirchenmusik dem Rotstift zum Opfer. Noch drei Monate, dann ist endgültig Schluss mit dem Musizieren.

Von Marc Winter |
    Immer seltener erklingen solche Töne im St.-Gregorius-Haus in Aachen, der Hochschule für Kirchenmusik. Von den einst 35 Studenten, sind gerade einmal acht übrig geblieben. Instrumente und Einrichtung werden Stück für Stück verkauft: Orgeln, Flügel, Klaviere. Alles muss raus. Eine Hochschule wird abgewickelt.

    Das Ende für ein Haus mit Historie. Seit 1881 werden in Aachen Kirchenmusiker ausgebildet. 2 500 junge Menschen haben hier gelernt. Die Feier zum 125-jährigen Bestehen in diesem Jahr - sie ist ausgefallen. Und auch auf ein Abschlussfest hat hier niemand Lust. Zu groß ist die Enttäuschung darüber, dass die Diözesen Aachen, Köln, Essen und Trier als Träger die Hochschule schließen. Als "sehr gedrückt" beschreibt Schulleiter Matthias Kreuels die Stimmung bei Mitarbeitern und Studenten in diesen Tagen. Er selbst hat lange dafür gekämpft, dass das einst private Gregorius-Haus 1995 den Status einer Hochschule in kirchlicher Trägerschaft bekommen hat. Und jetzt - das Aus.

    " Das ist mehr wie eine Symbolkraft. Schauen Sie, wir haben ja unsere Studienplätze hier mit Hochschulerrichtung komprimiert. Das heißt, wir sind ganz bewusst auf einen doch mittelfristig absehbaren Bedarf zugegangen. Und das ist mit allen Gremien hoch und runter, mit der Bischofskonferenz, mit einem Wirtschaftsprüfer, mit den vier Diözesen, alles hoch und runter durchbuchstabiert worden. Und jetzt wird dann auf einmal, nachdem alles durch ist, wird es geschlossen. Das kann nur ein politisch fatales Zeichen sein. "

    Folgt nach der großen Leere in den Kirchen bald auch die große Stille, weil Orgeln und Chöre schweigen? Oder kommt die Musik in den Gottesdiensten künftig vom Band? Ganz so düster malt Matthias Kreuels die Zukunft der Kirchenmusik nicht. Aber der 54jähirge macht auch keinen Hehl daraus, dass er die Entscheidung, die Hochschule zu schließen, für falsch hält.

    " Das Zeichen, dass die Kirche ihre eigene Ausbildungsstätte zumacht, ist so gravierend, dass potenzielle künftige Studierende an staatlichen Hochschulen in der Gegend sich schon dreimal überlegen, ob sie das Studium beginnen oder nicht. Oder ob sie es zumindest anreichern mit anderen Studiengängen, um sich dann nach Abschluss ihres Studiums zu überlegen, ob sie Kirchenmusik studieren oder nicht. "

    Das Bistum Aachen erlebt zurzeit die größte Finanzkrise seiner Geschichte. 65 Millionen Euro pro Jahr - so gewaltig ist das Haushaltsloch, das bis Ende 2007 geschlossen werden soll. Seit drei Jahren gilt ein strikter Sparkurs, den vor allem viele Mitarbeiter schmerzhaft zu spüren bekommen haben. 2003 hatte das Bistum noch rund 950 Beschäftigte, heute sind es weniger als 500. Wegen der akuten Finanznot könne man sich die Kirchenmusik-Hochschule schlicht nicht mehr leisten, sagt Bistums-Sprecher Franz Kretschmann:

    " Der Bischof von Aachen hätte gerne die Hochschule gehalten, weil er weiß, dass Kirchenmusik ein wichtiger pastoraler Bestandteil ist, aber wenn Kirchensteuer-Einnahmen zurück gehen, muss sich letztlich in jedem pastoralen Bereich die Frage gestellt werden: Können wir es finanzieren oder können wir es nicht? Und bei der Kirchenmusik-Hochschule ist es so, dass sie leider nicht mehr zu finanzieren ist. "

    Vorbei sind die Zeiten, in denen sich jede Gemeinde einen eigenen Organisten leisten konnte. Weniger Gläubige, weniger Gottesdienste, weniger Kirchenmusiker. So die Rechnung, die Kretschmann aufmacht. Denn die 537 Pfarreien sollen sich zu 72 Gemeinde-Verbänden zusammenschließen. Wie viele Kirchenmusiker eingestellt werden, dass ist bereits heute Sache der Gemeinde selbst. Aber wegen drastisch sinkender Zuschüsse des Bistums, ist die Finanzlage vieler Pfarren prekär. Da werden Organistenstellen auch schon mal um die Hälfte gekürzt. Bistumssprecher Kretschmann glaubt aber daran, dass im Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einem Verbund für die Kirchenmusik auch eine Chance liegt:

    " Jetzt kann man sagen: Auf der Ebene der Gemeinschaften von Gemeinden gibt's Spezialistenchöre, da gibt es einen Kinderchor und einen Jugendchor, einen Kirchenchor. Und vorher war das möglich für die einzelne Gemeinde, die konnten sich nur einen Kirchenchor leisten. "

    Der Start ins Neue Jahr - für die Professoren und die Studenten der Kirchenmusik-Hochschule in Aachen ist das der Beginn des letzten Quartals. Am 31.März 2007 werden im 125 Jahre alten Gregorius-Haus endgültig die Orgeln verstummen.