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StartseiteThemaRassismus in den USA30.10.2020

Aus unseren ArchivenRassismus in den USA

Was beschäftigte Schwarze US-Bürger*innen in den 50er Jahren? Womit mussten sie kämpfen? Was ist seitdem passiert? Das Archiv des Deutschlandradios hat eine Auswahl von Beiträgen, Reportagen und Interviews über Rassismus in den USA zusammengestellt. Die Stücke sollen den Wandel im Denken und Sprechen über Rassismus hörbar machen. Mit kritischem Blick – auch auf unsere eigene Berichterstattung.

Zwei Demonstrantinnen mit Mund-Nasen-Schutz auf einem Protestzug in Portland, Oregon, zum Jahrestag von Martin Luther Kings "Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit" von 1963.  (GettyImages / Anadolu Agency / John Rudoff)
Zwei Demonstrantinnen auf einem Protestzug in Portland, Oregon, zum Jahrestag von Martin Luther Kings "Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit" von 1963 (GettyImages / Anadolu Agency / John Rudoff)
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Kampf um Chancengleichheit in den USA Rassistische Gewalt, Widerstand und Hoffnung

Auch im US-amerikanischen Wahlkampf 2020 erhitzt die Rassismus-Debatte die Gemüter. Herausforderer Joe Biden bezeichnete den amtierenden Präsidenten Donald Trump mehrfach als Rassisten. Donald Trump wiederum warf Joe Biden vor, Schwarze in der Vergangenheit als "Super-Raubtiere" bezeichnet zu haben. Beide Seiten versuchen im Wahlkampf den politischen Gegner mit Rassismus-Vorwürfen anzugreifen.

Seit der Bürgerrechtsbewegung der 50er/60er Jahre hat sich das Denken und Sprechen über Rassismus sehr verändert. So auch die Berichterstattung im Deutschlandradio. Wir wollen den Wandel im Denken und in der Sprache hörbar machen. Deswegen haben wir die ausgewählten Beiträge so belassen, wie sie in unseren Programmen gesendet worden sind.

Zur Einleitung soll ein Interview dienen, das sich kritisch mit dem Begriff "Rasse" aus heutiger Sicht auseinandersetzt.

Negativ-Print des Fotografen Jean-Luc Dubin, zu sehen in der Ausstellung "Rassismus. Die Erfindung der Menschenrassen" im Deutschen Hygienemuseum in Dresden, 19.5.2018 bis 6.1. 2019. (Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme) (Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme)Wissenschaftshistorikerin über die Begriffe Rasse und Rassismus
In der Wissenschaft war "Rasse" als unterscheidende Kategorie bei Menschen lange Zeit tabu. Als englischer "race"-Begriff taucht er nun wieder auf. Die Wissenschaftshistorikerin Veronika Lipphardt sagt: Genetische Vielfalt sei viel zu komplex für das Ordnungssystem "Rasse".

Hinweis: In einigen der folgenden Beiträge wird das N-Wort und die Bezeichnung "Farbig" genutzt. Da es sich um zeitgeschichtliche Dokumente handelt, haben wir diese Wörter aus den Audiobeiträgen nicht entfernt oder unkenntlich gemacht.


Der lange Weg der Gleichberechtigung
Was wurde erreicht, was bleibt noch zu tun?

Mit dem Civil Rights Act von 1964 wurde die gesetzliche Gleichstellung der Schwarzen Bevölkerung formal erreicht. Die sogenannte Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen wurde aufgehoben. Wie aber sieht es mit der sozialen Gleichberechtigung aus? Diese Frage beschäftigt Journalist*innen bis heute.

RIAS, 1965: "Wir Farbige in den USA - Martin Luther King"

Martin Luther King am 28. August 1963 in Washington, D. C. winkt den Demonstranten zu. (AFP )Martin Luther King am 28. August 1963 in Washington, D. C. (AFP )Der RIAS Berlin porträtierte am 13. März 1965 in der Sendung Schulfunk den Bürgerrechtler Martin Luther King. Seine Rede "I have a dream" aus dem Jahre 1963, die hier in Ausschnitten zu hören ist, ging in die Geschichte ein. Hinweis: In diesem Beitrag wird das N-Wort und die Bezeichnung "Farbig" genutzt.

RIAS, 1975: "Rassenkonflikte in den USA"

Demonstrant*innen fordern vor dem Denver Federal Building am 1. Juli 1975 einen Freispruch für die wegen Mordes angeklagte Schwarze Joan Little.    (Getty / Denver Post / John Prieto)Demonstrant*innen fordern vor dem Denver Federal Building am 1. Juli 1975 einen Freispruch für die wegen Mordes angeklagte Afroamerikanerin Joan Little. (Getty / Denver Post / John Prieto)Die Morgensendung des RIAS Berlin berichtete am 20. August 1975 über die Ergebnisse einer Sozialstudie zur Haltung der weißen gegenüber der Schwarzen Bevölkerung in den USA. Zehn Jahre nach der Unterzeichnung des Civil Rights Act war die Mehrheit der weißen Bevölkerung laut der Umfrage der Meinung, dass Schwarze als gleichwertige Mitmenschen in die Gesellschaft einzubeziehen seien.

RIAS, 1978: "Zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Schwarzer und weißer Bevölkerung in den USA"  

In der Morgensendung berichtete der RIAS Berlin am 01. März 1978 über die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Ende der 70er-Jahre war nicht mehr nur zwischen der weißen und Schwarzen Bevölkerung eine Spaltung feststellbar, sondern auch innerhalb der Schwarzen Bevölkerung.

Deutschlandfunk, 2008: Barack Obamas erste Rede über Rassismus

Barack Obama spricht im Jahr 2008 bei der Liga der Lateinamerikanischen US-Bürger.  (picture alliance / dpa / Olivier Douliery)Barack Obama im Jahr 2008 (picture alliance / dpa / Olivier Douliery)Im Deutschlandfunk berichteten die Informationen am Morgen am 19. März 2008 über die erste Rede des damaligen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zum Thema Rassismus. Bis dahin hatte die Hautfarbe Obamas in seinem Wahlkampf keine Rolle gespielt.

 


Erinnerungskultur - Geschichte der Sklaverei

Die Geschichte der Black Community, eine Geschichte von Sklaverei, Lynchjustiz und Diskriminierung, findet in der Nationalerzählung der Vereinigten Staaten von Amerika wenig Beachtung. Die Black Community kämpft daher um ihren Platz in der Geschichte des Landes und um Anerkennung.

Deutschlandfunk, 2000: Forderung nach Entschädigung für über 200 Jahre Sklaverei

"Man hat uns unserer Geschichte beraubt und unser kulturelles Erbe ausgelöscht". So der Jurist und Aktivist Randall Robinson in einem Beitrag der Sendung Tag für Tag des Deutschlandfunks am 27. März 2000. In dem Beitrag wird über die Forderung nach Reparationszahlungen für über 200 Jahre von Sklaven geleistete Zwangsarbeit berichtet. Bereits einige Jahre zuvor entstanden in den USA Initiativen, die sich für eine Entschädigung der Schwarzen Bevölkerung einsetzen.

Deutschlandfunk, 2018: "Erinnerungskultur in den USA - Das Beispiel Rassentrennung"

Die Skulpturengruppe "Nkyinkim" von Kwame Akoto-Bamfo ist den Opfern des transatlantischen Sklavenhandels gewidmet. Das "National Memorial for Peace and Justice" im Hintergrund ist eine nationale Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer rassistischer Lynchjustiz in den Vereinigten Staaten.  (Montgomery, Alabama) (Getty Images / In Pictures / Barry Lewis)Die Skulptur "Nkyinkim" ist den Opfern des Sklavenhandels gewidmet. Das National Memorial for Peace and Justice im Hintergrund erinnert an die Opfer rassistischer Lynchmorde. (Getty Images / In Pictures / Barry Lewis)In Kultur heute sendete der Deutschlandfunk am 12. August 2018 einen Bericht über den Gründer der Equal Justice Initiative Bryan Stevenson, der den Opfern von Lynchjustiz, Sklaverei und rassistischer Diskriminierung in den USA ein Denkmal baute. Das National Memorial for Peace and Justice in Montgomery, Alabama ist im April 2018 eröffnet worden. 

 

Deutschlandfunk Kultur, 2019: "Beginn der Sklaverei in den USA vor 400 Jahren: Nachfahren fordern Anerkennung"

Familie Tucker aus in Virginia kann ihre Ahnengeschichte bis zur Ankunft der ersten Sklaven aus Angola vor 400 Jahren in der Stadt Fort Monroe zurückverfolgen, erzählte Felicia Tucker in einer Reportage von Deutschlandfunk Kultur am 27. August 2019. Sie möchte mit der Geschichte ihrer Familie für Anerkennung und Respekt der Leistung der afroamerikanischen Bürger*innen kämpfen.


Rassismus im Alltag

Viele nicht-weiße Menschen in den USA erfahren in ihrem Alltag strukturelle rassistische Diskriminierung – auf der Straße, im Umgang mit der Polizei, im Beruf oder sonntagsmorgens in der Kirche.

RIAS, 1985: Schüsse auf vier Schwarze Männer in New Yorker U-Bahn

Am 22. Dezember 1984 schoss der weiße Bernhard Hugo Goetz in der New Yorker U-Bahn vier Schwarze Männer nieder. Im Interview in der Rundschau am Mittag vom 08.01.1985 sprach der damalige US-Korrespondent des RIAS Friedrich Newel über den "neuen Rassismus" in den USA und darüber, warum viele Bürger*innen sich für Straffreiheit des sogenannten Subway Vigilante aussprachen und einsetzten.

Deutschlandfunk, 2000: "Kalenderblatt 01.12.1955 - Rosa Parks bleibt sitzen"

Montgomery (Alabama) im Jahr 1956: Rosa Parks sitzt im vorderen Teil eines Busses (imago images / UIG)Montgomery (Alabama) im Jahr 1956: Rosa Parks sitzt im vorderen Teil eines Busses (imago images / UIG)Rosa Parks blieb am 1. Dezember 1955 auf ihrem Platz im Bus sitzen und weigerte sich, diesen für einen weißen Fahrgast zu räumen. Sie war nicht nur müde von der Arbeit, sondern auch davon, so würdelos herumgestoßen zu werden, erinnert sich Parks später. Ein Kalenderblatt des Deutschlandfunks blickt im Jahr 2000 zurück auf den Protest der Bürgerrechtlerin.

Deutschlandfunk, 2011: "Benachteiligung Schwarzer Forscher in den USA"

Ein Bericht des Deutschlandfunk vom 19. August 2011 stellte die enorme Benachteiligung Schwarzer Forscher*innen in den USA heraus. Das National Institute of Health ist die wichtigste Geldquelle für biomedizinische Forschung in den USA. Eine Untersuchung ergab, dass nur ein geringer Anteil der dort eingegangenen Forschungsanträge von Schwarzen Forscher*innen stammt.

Deutschlandfunk Kultur, 2015: "Das Erbe der Sklaverei - Gewalterfahrung Schwarzer Bürger in den USA"

Am 18. Dezember 2015 berichtete Deutschlandfunk Kultur über neue Bürgerrechtsbewegungen in den USA, die gegen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen Menschen protestieren. In der Sklaverei liege der Keim der Gewalt an Schwarzen. Diesem "Erbe der Sklaverei" hätte sich die amerikanische Gesellschaft noch nicht gestellt, so die Historikerin Laura Caldwell Anderson. Die bekannt gewordenen Übergriffe auf Schwarze Bürger*innen führe zumindest zu einem Anfang der Aufarbeitung.

Deutschlandfunk Kultur, 2016: "11 Uhr Sonntagsmorgen - Die Stunde der Rassentrennung in den USA"

Eine Gruppe Frauen vor dem Besuch des Gottesdiensts in Chicago, Illinois, am 6. September 1987 (Getty Images /Chicago History Museum / Stephen Marc)Eine Gruppe Frauen vor dem Besuch des Gottesdiensts in Chicago, Illinois, am 6. September 1987 (Getty Images /Chicago History Museum / Stephen Marc)Ein Bericht von Deutschlandfunk Kultur aus dem Januar 2016 beschäftigte sich mit Sonntagsgottesdiensten in den USA. Schwarze und weiße Christ*innen nehmen fast immer an unterschiedlichen Gottesdiensten teil. Der Beitrag geht den Hintergründen dieser Trennung nach.

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