Samstag, 13. August 2022

Ausbreitung der Menschen
Weltweiter Bestand an Wirbeltieren schrumpft um 60 Prozent

Der Mensch verbraucht immer mehr Ressourcen, was auf Kosten der Tiere geht. Ihr Lebensraum schwindet, weltweit ist der Bestand an Wirbeltieren seit 1970 um 60 Prozent zurückgegangen. Eine Umweltstiftung prophezeit: Wenn es so weitergeht, braucht es 2030 eine zweite Erde.

27.10.2016

    Pinguine in Neuseeland auf Antipodes Island
    Pinguine in Neuseeland auf Antipodes Island (imago stock&people)
    Das berichtet der WWF in seinem "Living Planet Report 2016". "Die Menschheit treibt die Erde in einen lebensbedrohlichen Burn-Out", sagte Christoph Heinrich aus dem Vorstand des WWF Deutschland. Er forderte ein grundlegendes Umdenken. Am deutlichsten seien die Einbußen mit 80 Prozent bei Arten, die in Süßwasser leben. Bis 2020 stehe ein weiterer Rückgang bevor. Vor allem, weil die Lebensräume immer weiter schwinden oder sich verschlechtern, heißt es in dem Bericht.
    Entwicklung in Deutschland bedenklich
    Obwohl sich zum Beispiel der Verlust an Waldflächen weltweit in den vergangenen 25 Jahren verlangsamt habe, sei seitdem dennoch eine Fläche von 239 Millionen Hektar an Naturwäldern vernichtet worden, die mehr als sechseinhalbmal so groß ist wie Deutschland. Aber auch Umweltverschmutzung und Klimawandel tragen demnach zu der Entwicklung bei.
    Auch in Deutschland steht die Natur unter großem Druck. Die Artenvielfalt habe weiter abgenommen - knapp 30 Prozent von 32.000 Tier-, Planzen- und Pilzarten seien im Bestand gefährdet, 5,6 Prozent bereits ausgestorben. Hauptursache ist laut WWF die intensive Landwirtschaft.
    Leben die Menschen weiter wie bisher, wären laut Bericht im Jahr 2030 zwei Erden nötig, um den jährlichen Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Grundlage dieser Berechnungen ist der sogenannte ökologische Fußabdruck: Er spiegelt wider, wie stark der Mensch das Ökosystem und letztlich die Erde beansprucht.
    Dramatische Zahlen auch am anderen Ende der Welt
    Beinahe gleichzeitig veröffentlichte das Umweltministerium Neuseelands alarmierende Zahlen zur Umwelt des Landes. Rund 90 Prozent der in Neuseeland beheimateten See- und Küstenvögel und mehr als ein Viertel der Meeressäuger sind demnach vom Aussterben bedroht. Unter den bedrohten Arten seien Albatrosse, Pinguine, Seelöwen und der Maui-Delfin, von dem es nur noch 63 Exemplare gebe. Als Grund nannte Umweltministerin Vicky Robertson vor allem Beifang in der Fischerei, in die Region eingeschleppte Raubtiere und den Klimawandel. 17 Prozent des Fischbestands seien 2015 überfischt gewesen.
    Ein Problem für Neuseeland. "Wir sind eine Seefahrer-Nation", sagt die neuseeländische Regierungstatistikerin Liz MacPherson. "Gesunde und robuste Meere sind für alle Neuseeländer und für unsere Wirtschaft wichtig." Der Bericht zeige, dass die Umwelt des Landes einige ernste Herausforderungen bevorstünden. Bei Twitter schrieb sie: "Wenn wir Probleme benennen können, können wir auch an ihnen arbeiten."
    (nch/tgs)