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Ausgrabungen am Circus Maximus in Rom
Shops, Latrinen und ein Bordell

Es ist einer der bedeutendsten Orte in Rom: das Areal des ehemaligen Circus Maximus. Archäologen haben Teile der Anlage ausgegraben, die nun auch zu besichtigen sind. Sie geben einen Einblick in den Trubel des antiken Circus.

Von Thomas Migge  | 18.11.2016
    Blick über das Areal des Circus Maximus
    Blick über das Areal des Circus Maximus (imago stock&people)
    Neun Pferdegespanne fahren in die Arena. Begleitet von martialischen Fanfarenklängen. Das Rennen kann beginnen, denn auch der Kaiser hat Platz genommen, auf seiner prächtigen Ehrentribune am Palatinhügel. Der amerikanische Schauspieler Charlton Heston rast als Ben Hur mit seinem Vierspänner aus Schimmeln über den Sand der Arena. Rund 200.000 Fans jubeln.
    Fast jeder kennt diese berühmte Szene aus einem der bekanntesten Hollywoodfilme aller Zeiten: "Ben Hur" von 1959 unter der Regie von William Wyler.
    So wundert es nicht, dass der ständig verkehrsumbrauste riesige rechteckige Platz zwischen dem Fluss Tiber und der Welternährungsorganisation FAO bei Rom-Touristen sehr beliebt ist. Und das, obwohl es dort bis auf eine 600 Meter lange und 140 Meter breite und in ihrer Mitte bis zu zehn Meter tiefen Fläche, die fast komplett mit Gras bewachsen ist, bis vor Kurzem nicht viel zu sehen gab.
    Grabungszone mit Besichtigungsparcours
    Claudio Parisi Presicce, verantwortlicher Archäologe für die städtischen Kulturgüter:
    "Jetzt endlich ist es möglich, einen Teil eines der beeindruckendsten Bauwerke der antiken Stadt zu besichtigen. Ein Gebäude, das mit seinen 2.800 Jahren zu den ältesten ganz Roms gehört. Älter als die meisten Tempel und Palastruinen auf dem Palatinhügel. Schon der mythologische Stadtgründer Romulus feierte hier jenes Fest, das der Auftakt zum Raub der Sabinerinnen war".
    2008 begann Roms Altertümerbehörde mit systematischen Grabungen in der östlichen Kurve der antiken Rennbahn, dort, wo am meisten von dem einstigen Mega-Gebäude erhalten geblieben ist. Die Arbeiten sind abgeschlossen, und Rom verfügt jetzt über eine neue faszinierende archäologische Grabungszone mit Besichtigungsparcours.
    Da von den oberirdischen wahrscheinlich bis zu 20 Meter hohen Zuschauertribünen nicht mehr viel übrig geblieben ist - die Steine des Circus Maximus dienten in früheren Jahrhunderten als Baumaterial - mussten die Archäologen graben. Dazu der Archäologe Matteo Casagrande:
    "Jetzt endlich ist es möglich, einen Teil der ausgegrabenen Galerien zu besichtigen, über die die antiken Römer zu ihren Sitzreihen gelangten, ein großes Wasserbecken, das wahrscheinlich der Versorgung für die Pferde diente, und Räumlichkeiten, die als Geschäfte, Imbissbuden und auch als Orte dienten, wo man sich mit Prostituierten vergnügen konnte. Wir entdeckten auch Räume, wo Geld gewechselt wurde, um Wetten abschließen zu können."
    Umwerfender Blick auf das Areal
    Von einer Aussichtsplattform am Eingang des neuen Grabungsgebiets kann das gesamte Areal überblickt werden. Dann geht es hinein in die erhalten gebliebenen und bis vor Kurzem noch unterirdisch gelegenen Räumlichkeiten - zu denen auch, gut erkennbar an ihrer Form, öffentliche Latrinen gehören.
    Ausgegraben wurden auch Reste jener monumentalen Säulen, zehn Meter hoch, die zu den imposantesten Dekorationselementen der Arena gehörten. In der Nähe der Säulen stießen die Archäologen auf einen Teil der verloren geglaubten Überreste einer monumentalen Inschrift mit Bronzebuchstaben, mit einer Widmung des Volkes und des Senats von Rom an den Kaiser.
    Mitten im Grabungsgebiet erhebt sich seit dem 12. Jahrhundert der Torre della Moletta. Besucher können jetzt das endlich restaurierte Bauwerk erklimmen. Der Blick von der Terrasse des Turms ist umwerfend: Unter einem liegt das gesamte frisch ausgegrabene Areal des Circus Maximus.