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StartseiteCampus & KarriereAusländische Studierende werden zur Kasse gebeten10.04.2013

Ausländische Studierende werden zur Kasse gebeten

Leipziger Hochschule für Musik und Theater verlangt von Nicht-EU-Bürgern hohe Gebühr

Studierende der Leipziger Hochschule für Musik und Theater (HMT), die nicht aus der EU stammen, müssen ab Herbst eine Gebühr von 1800 Euro pro Semester zahlen. Laut Rektorat sollen mit dem Geld Dozentenhonorare finanziert werden. In der Studentenschaft ist man besorgt.

Von Ronny Arnold

HMT Leipzig: Schrecken neue Studiengebühren ausländische Studierende ab? (Hochschule für Musik und Theater Leipzig)
HMT Leipzig: Schrecken neue Studiengebühren ausländische Studierende ab? (Hochschule für Musik und Theater Leipzig)

Leipzigs renommierte Hochschule für Musik und Theater, die HMT, lockt Studierende aus aller Welt nach Sachsen. Noch, denn bald könnten die neuen Studiengebühren junge Menschen aus dem Ausland abschrecken – zumindest diejenigen, die wenig Geld haben. Das befürchtet Johanna Schreiber vom Studentinnenrat – denn seitdem die Nachricht von den Gebühren in der Welt ist, fragen vor allem Studierende aus ärmeren Ländern besorgt bei ihr nach:

"Ich hab das Gefühl, dass die meisten Interessenten aus Armenien, Weißrussland kommen, also schon aus den Ländern, die man als ärmer einstufen würde. Und die asiatischen Studierenden, von denen hab ich bislang wenig gehört."

900 Studierende hat die HMT, etwa 120 bereits eingeschriebene, ausländische Studierende müssen die neuen Gebühren ab Herbst bezahlen. Einer davon ist Samuel Gitman, von dem die Hochschule nun 1800 Euro pro Semester haben will. Das wurde dem 23-Jährigen Israeli vor drei Wochen mitgeteilt – in einer einfachen E-Mail. Samuel Gitman, der sich am Fagott ausbilden lässt, war schockiert:

"Mein erster Gedanke war: Ich muss mein Studium abbrechen. Es war immer ein großer Traum für mich, hier zu studieren. Und ich weiß nicht, was ich jetzt mache, woher kommt das Geld. Ich kann mich nicht auf das Studium konzentrieren, sondern nur auf dieses Problem."

Robert Ehrlich, der Rektor der HMT, kann das verstehen. Allerdings soll ein Teil der Betroffenen von einem Stipendium profitieren, denn das muss die Hochschule laut neuem Hochschulfreiheitsgesetz anbieten:

"Unsere Einschätzung ist es, dass circa ein Viertel der Studierenden wirkliche Schwierigkeiten haben wird, die Gebühren zu zahlen. Deshalb werden wir etwa ein Viertel des Gebührenaufkommens als Stipendien an jene Studierenden zurückgeben, damit sie ihr Studium fortsetzen können."

Seit Januar steht es den sächsischen Hochschulen frei, Gebühren von Nicht-EU-Studierenden zu nehmen – und auch, ab wann. Die Universitäten im Freistaat denken derzeit nicht darüber nach – man wolle niemanden abschrecken, setze besonders auf Internationalität, heißt es aus Rektoratskreisen der Uni Leipzig. An der HMT gehe es jedoch nicht mehr anders, man stehe mit dem Rücken zur Wand, so Ehrlich, da der Freistaat kein zusätzliches Geld für Dozenten zahlt, diese aber höhere Honorare fordern.

"Die Honorarsätze der Lehrbeauftragten haben sich in den letzten zehn bis 15 Jahren im realen Wert gar nicht erhöht. Das heißt, wir liegen jetzt bei vielen sehr, sehr erfahrenen Kolleginnen und Kollegen bei 23 Euro pro Stunde. Das ist zu wenig, wir merken auch, dass unsere Lehrbeauftragten anfangen abzuwandern."

Die Qualität der Ausbildung stehe auf dem Spiel, meint der Rektor, deshalb kommen die Gebühren schnell und auch für diejenigen, die bereits eingeschrieben sind. Dass es per Gesetz nur die Nicht-EU-Studierenden trifft, ist für ihn konsequent.

"Es ist eine andere Situation, ob ein Student zu uns kommt, der als Staatsbürger eines EU-Landes von Geburt an durch Mehrwertsteuern und die Steuern seiner Eltern beigetragen hat zu dem Sozialsystem. Was wir als Hochschule ebenso wenig wie die Bundesrepublik Deutschland machen können ist, alle teilhaben zu lassen."

Abschreckend dürfte die neue Gebühr kaum wirken. An Musikhochschulen in Madrid oder London zahlen ausländische Studierende etwa zehnmal so viel wie in Deutschland. Und Kunsthochschulen sind ein Spezialfall, sie haben in der Regel viel mehr Bewerber, als sie aufnehmen können. Leistungsbezogene Aufnahmeprüfungen sorgen dafür, dass niemand bevorzugt wird – egal ob aus dem Ausland oder nicht.

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