Dienstag, 16. August 2022

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Ausstellung "Die Augustus-Revolution"
Des Kaisers Polit-Marketing

Kaiser Augustus, Adoptivsohn von Julius Cäsar, sorgte während seiner Amtszeit für viel Wirbel in Rom: So realisierte er etwa den von Cäsar eingeführten julianischen Kalender. Eine Ausstellung in Rom zeigt nun, welche Bereiche er noch revolutionierte und wie er seine Familie politisch nutzte.

Von Thomas Migge | 18.12.2014

    Die Kopfplastik des römischen Kaisers Augustus wurde 1961 bei Ausgrabungsarbeiten in Mainz gefunden. Undatierte Aufnahme.
    Kopfplastik des römischen Kaisers Augustus. (picture-alliance / dpa / Göttert)
    "Die Darstellung des Kaisers und seiner Familie, als Reliefs, Porträts, Dekorationselemente in Tempeln et cetera, alles wird unter Augustus Teil eines umfassenden Polit-Marketing, wird, wenn Sie so wollen, Werbung für den, der jetzt die Macht besitzt, also für seine Politik."
    Für Rita Paris, Direktorin des Palazzo Massimo, des faszinierendsten Antikenmuseums von Rom, ist die Figur von Kaiser Augustus hoch interessant. Deshalb hat sie zum ausgehenden Erinnerungsjahr an seinen Tod vor 2.000 Jahren eine Ausstellung organisiert, die sich auch mit Augustus' Polit-Marketing auseinandersetzt. Unter dem Titel "Augustus-Revolution" wird all das thematisiert, was der Adoptivsohn von Julius Cäsar unter seiner Herrschaft, so die Archäologin, "revolutionierte":
    "Als Leiterin dieses Museums schien es mir unerlässlich auch unsererseits eine Ausstellung zu organisieren. Nicht nur, weil Augustus enorm wichtig ist, sondern weil wir in unseren Magazinen, denn das Museum ist für unsere Schätze viel zu klein, Objekte haben, die zum Verständnis des Kaisers beitragen - wie einige der wichtigsten Kalender der Antike. Nach Cäsar führte Augustus eine epochale Kalenderreform durch."
    Julius Cäsar führte den sogenannten julianischen Kalender ein. Während er die Lage der Jahreszeiten im Kalender festlegte, wurde die die Feinjustierung betreffende richtige Anwendung der Schaltmonate erst von Augustus realisiert. Diese Kalenderreform war nicht nur für die Harmonisierung der Zeitrechnung im römischen Riesenreich enorm wichtig, sondern auch für das Funktionieren einer Metropole wie Rom, in der zu Augustus Zeiten etwa eine Million Menschen lebte. Ausstellungskuratorin Rita Paris:
    "Jeden Morgen schauten die Bürger auf ihren Kalender und wussten, was an diesem Tag ansteht, wann es welche religiösen Feste einzuhalten galt, was in der Stadt los war."
    Reformen im urbanen, sozialen, religiösen und politischen Bereich
    Die Ausstellung im Palazzo Massimo, mit Exponaten aus Rom und verschiedenen europäischen Museen, zeigt die wenigen erhaltenen Kalender aus der Zeit des Augustus. Ausgestellt werden auch die einzigen noch existierenden Kalender aus der Zeit vor dem ersten Kaiser, die sich auf Romulus und den frührömischen König Numa Pompilio berufen.
    Die Ausstellung thematisiert Augustus' Reformen auch im urbanen, sozialen, religiösen und politischen Bereich. Er ließ die Stadt verschönern, erhob seine Familie, die des Kaisers, über die gewöhnlichen Sterblichen, erklärte sich selbst zum Pontifex Maximus, zum obersten Priester des Reiches, und zentralisierte wie niemand vor ihm alle Aspekte der Macht auf seine Person. Präsentiert werden die Protagonisten jener Zeit mit Büsten und Skulpturen: Cäsar, Augustus und Livia, seine dritte Frau. Gezeigt werden verschiedene Skulpturen des Kaisers, die ihn in militärischen und religiösen Rollen vorstellen, Reliefs, Büsten und antike Kalender. Ein Kuriosum der Ausstellung ist sicherlich ein Relief, das die Schlacht von Actium, dem heutigen Antium, darstellt, durch die Octavian, der spätere Augustus, endgültig die Vorherrschaft im Römischen Reich erlangte. Ein Relief in Form eines für antike Kriegsschiffe typischen Rammsporns, das aus dem Antikenmuseum der Universität Leipzig nach Rom entliehen wurde.
    Die Ausstellung "Rivoluzione Augusto" ist noch bis zum 2. Juni 2015 im Museo Nazionale Romano Palazzo Massimo zu sehen.