Dienstag, 18.06.2019
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteCorsoTransparenz statt Objektivität21.05.2019

Ausstellung über ComicjournalismusTransparenz statt Objektivität

Dass Comicjournalismus zu subjektiv sei, ist ein gängiger Vorwurf in Deutschland. "Das basiert auf der Fehlannahme, dass Fotojournalismus immer die Realität abbildet", sagte Journalistin Lilian Pithan im Dlf. Sie ist Kuratorin der Berliner Ausstellung "Zeich(n)en der Zeit. Comicjournalismus weltweit".

Lilian Pithan im Corsogespräch mit Ina Plodroch

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Szene aus dem Comic "Im Schatten des Krieges" von Sarah Glidden, Reporter interviewt Mann auf einem Hochhausdach (Sarah Glidden)
Szene aus dem Comic "Im Schatten des Krieges" von Sarah Glidden (Sarah Glidden)
Mehr zum Thema

Internationaler Comic-Salon Erlangen Vielfalt und alte Veteranen

Comic-Reportage "Im Schatten des Krieges" Skizzen aus Damaskus

Comic-Journalismus Vom Versuch, die Wirklichkeit zu illustrieren

Journalismus kennt viele Formen: Zeitungsartikel, Radiobeiträge, Fernsehdokumentationen, Onlineartikel und Comics. Die werden manchmal auch "Comics mit journalistischem Inhalt", "grafische Reportage", "Comicreportage", "Comic-Collage", "visueller Journalismus" genannt. Das zeigt schon, dass kaum Einigkeit darüber herrscht, was Comicjournalismus sein kann. Die Ausstellung "Zeich(n)en der Zeit. Comicjournalismus weltweit" im Museum für Kommunikation Berlin will nun etwas Klarheit schaffen. Die Kuratorin Lilian Pithan vom Deutschen Comicverein meint: "Man kann auch seriöse Inhalte und journalistische Informationen über Comics transportieren".

Weil die Comicjournalisten zeichnen, wird ihnen vorgeworfen, dass sie subjektiv seien. Aber Fotos bildeten auch nicht die Realität ab, sagte Lilian Pithan im Dlf. Im Gegensatz zu Fotografen, reflektierten die Comicjournalisten ihre Rolle aktiv und machten diese in den Comics transparent, indem sie sich selbst mit zeichneten. Die australische Comicjournalistin Eleri Harris beispielsweise habe einen Kriminalfall nochmal aufgerollt. Die verschiedenen Informationebenen - Fakten, Zeugenaussagen und Erinnerungen - markiere sie mit unterschiedlichen Farben. "Man kann als Leser genau nachvollziehen, welche Informationen sind Fakten und verifiziert", sagte Pithan.

Flucht, Krieg, Kriminalfälle

Geschichten über Flucht, Krieg oder abgeschlossene Kriminalfälle eigneten sich besonders gut für Comicjournalismus, denn der brauche Zeit. "Was kein schlechter Punkt ist, weil dem Journalismus wird heutzutage oft vorgeworfen, dass er zu schnell sei. Comicjournalismus wäre da ein Gegengewicht", so Lilian Pithan.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Wir haben noch länger mit Lilian Pithan gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk