
Schätte schildert in ihrem literarischen Werk die Freundschaft zwischen zwei korpulenten Schülerinnen. Schon in der Vorauswahl nannte die Jury den Text "schonungslos und berührend". Der Schweizer Germanist und Philosoph Thomas Strässle betonte in seiner Laudatio, der Text, der von Ausgrenzung und Selbstbehauptung handele, sei so stark und so bezwingend, dass er es nie nötig gehabt habe, anklagend oder sogar belehrend zu werden. Vielmehr setze er ganz auf die Kraft der literarischen Mittel, in einer Sprache, die in ihrer Schönheit und Schlichtheit unübertrefflich sei.
Der Text sei autofiktional, erklärte Schätte: "In dem Sinne, dass da natürlich ein Kerngefühl drin ist, das etwas mit mir zu tun hat. Das auf jeden Fall, aber am Ende ist es eine literarisch gebaute Welt und literarisch gebaute Figuren und ich bin nicht die Ich-Erzählerin."
Schätte übt Sprachkritik: Mangel an Vokabeln zum Thema Mehrgewichtigkeit
Schätte kritisierte, dass es gesellschaftlich noch eine geeignete Sprache brauche, um über Mehrgewichtigkeit zu sprechen – auch dieser Begriff sei ja noch recht neu: "Weil es uns einfach an anderen Vokabeln mangelt, weil andere Worte, um große Körper zu beschreiben, etwas Negatives haben und den Menschen eine Scham überstülpen." Für Schätte ist gerade das auch eine Aufgabe von Literatur: Eine Sprache für Lebenswelten und Zustände zu finden und Aufmerksamkeit in Räume zu bringen, die vielleicht ansonsten außer Acht gelassen werden und ein bisschen Identifikationspotenzial mitzubringen.
Deutschlandfunk-Preis für Ozan Zakariya Keskinkılıç
Neben dem Hauptpreis wurden Autorinnen und Autoren mit weiteren Preisen geehrt. Den Deutschlandfunk-Preis, dortiert mit 12.500 Euro, erhielt Ozan Zakariya Keskinkılıç für seinen Text "Vater ohne Sohn". Jurorin Mara Delius sagte: "Der Text erzählt von einem Menschen, der an seiner Schuld fast zerbricht. Es geht um Schuld und Vergebung, Glaube und Zweifel."
Der 3sat-Preis (7.500 Euro) ging an Magdalena Schrefel für einen Text der vom Schicksal einer 40-jährigen Frau mit der Diagnose Brustkrebs handelt. Die ungarische Lyrikerin Kinga Tóth wurde für ihren Text "Ostblock-Mädel" ausgezeichnet. Der Jury zufolge führt die Autorin in ihrem Text in das Grenzland zwischen Ungarn und Österreich und lässt die Stimmen der Frauen hören, die die Grenzen in diesem Kulturraum überschreiten.
Der Bachmann-Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird seit 1977 in Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verliehen. Die österreichische Lyrikerin wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.
Diese Nachricht wurde am 28.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.





