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StartseiteTag für TagMit Gott und Steve Bannon25.10.2018

Autoritärer Thinktank in ItalienMit Gott und Steve Bannon

Das "Dignitatis Humanae Institute" residiert in einem Kloster südlich von Rom. Das Institut verbreitet im Namen des Christentums antisemitische, anti-islamische und autoritäre Ideen. Ex-Trump-Berater Steve Bannon hält dort Vorträge. Der Papst gilt als Feind, aber die Beziehungen zur Kurie sind eng.

Von Thomas Migge

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Steve Bannon, der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Trump, spricht bei einer Veranstaltung der Schweizer «Weltwoche». (dpa-Bildfunk / KEYSTONE / Ennio Leanza)
Der Politikberater Steve Bannon unterstützt das Dignitatis Humanae Institute - er wird der "Alt-Right", der "Alternativen Rechten" zugeordnet (dpa-Bildfunk / KEYSTONE / Ennio Leanza)
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"Endlich gibt es hier Führungen, die von uns organisiert werden. Endlich kann man diesen wundervollen Ort besichtigen", sagt Francesca Casinelli. Sie ist Reiseführerin. Sie begleitet Besucher, gegen Voranmeldung, durch die Certosa di Trisulti. Der neue Hausherr in dem riesigen mittelalterlichen Kloster südlich von Rom betreibt eine Politik der Öffnung, denn bisher war die dem Staat gehörende Anlage - sie wurde im Zuge der italienischen Staatseinigung in den 1870er-Jahren verstaatlicht - für Besucher geschlossen. Man will Touristen anlocken und auch Interessenten für die zahlreichen Veranstaltungen, die ab November hier stattfinden werden.

Man sieht sich von Feinden umgeben

Der neue Hausherr: das ist die Organisation "Dignitatis Humanae Institute", kurz DHI. Dieses Institut entstand Anfang der 2000er-Jahre. Der Chef: der in Italien lebende Brite Benjamin Harnwell. Auf seinem Twitteraccount stellt er sich als Berater für christliche Politiker vor, die ihren Glauben im öffentlichen Raum verteidigen wollen. Im Gespräch kündigt er an:

"In den kommenden 17 Jahren werden wir hier Restaurierungsarbeiten vornehmen und unsere Veranstaltungen organisieren. Wir wollen das Evangelium im politischen Rahmen verbreiten."

Nachgefragt, was genau er mit einem "politischen Rahmen" meint, weicht Harnwell geschickt aus und klagt über den religiösen Werteverfall in Europa und den "Vormarsch antikirchlicher Kräfte", vor allem des, so Harnwell, "verteufelten Islam". Deutlicher wird der katholische Geistliche, Buchautor und Mitarbeiter Harnwells im "Dignitatis Humanae Institute", Don Curzio Nitoglia. Nitoglia gilt als einer der intellektuellen Köpfe des Instituts. Er ist davon überzeugt, dass das "christliche Europa" bedroht sei: von den, so der Geistliche, islamischen "Horden" aus Afrika und von "gottlosen Kapitalisten" und Juden aus den USA.

"Die USA gründen sich auf drei Ideen: das Freimaurertum, den Judaismus und einen liberalistischen Protestantismus. Dann sind da noch die Hochfinanz, die Banken und eben die Juden. Diese Kräfte sind die Feinde der römisch-katholischen Kirche. Sie wollen sie zerstören. Das haben sie schon mehrfach versucht: erst mit dem Proletariat in Russland, dann mit der Studentenbewegung und jetzt versuchen sie es mit den Horden aus Afrika, die das zerstören wollen, was noch vom christlichen Europa übrig geblieben ist."

Auf dem Weg zur "Kaderschmiede"

Aus dem Kloster, das das Dignitatis Humanae Institute vom Kulturministerium gemietet hat, für 100.000 Euro im Jahr, wird nach dem Willen Harnwells eine Kaderschmiede. Ein Thinktank, eine "Weiterbildungsstätte", wie es offiziell in den Informationsbroschüren des Instituts heißt, in der katholische Geistliche wie Don Curzio Nitoglia, Politiker, Philosophen und interessierte Bürger über die, wie es heißt, "wahren Zusammenhänge der Probleme im christlichen Europa" informieren wollen.

Papst Franziskus und Kurienkardinal Raymond Burke (Bild: dpa / Osservatore Romano) (dpa / Osservatore Romano)Papst Franziskus und Kurienkardinal Burke - Burke gilt als erbitterter Gegner des Papstes und ist Teil des Dignitatis Humanae Institutes (dpa / Osservatore Romano)

Harnwell geht es um den Kampf gegen Säkularismus, gegen den "Vormarsch des Islam", den Einfluss nichtchristlicher Parteien und, so schreibt er in einem Dokument, "die Verseuchung der Kirche mit linkem Denken". Ziel der Arbeit des Thinktanks ist die Verbreitung von Ideen, die eine vorkonziliare katholische Kirche propagieren. Man setzt sich für die die Revision sämtlicher Neuerungen, die während des Zweiten Vatikanischen Konzils beschlossen wurden, ein. In Franziskus sehen Harnwell und seine Mitstreiter einen Papst, der sich dem Protestantismus anbiedere und die Dogmen der Kirche verwässere. Und der die Kirche, so Don Curzio Nitoglia, dem Vormarsch des "internationalen Judentums" ausliefere.

"Es ist doch das Ziel des Judentums, der jüdischen Apokalyptik wie auch des jüdischen Messianismus, dass Israel die ganze Welt regiert."

Applaus für Steve Bannon

Es geht "Dignitatis Humanae" nicht allein um innerkirchlichen Einfluss, der Thinktank sucht für seine autoritären, antisemitischen und antiislamischen Ideen Verbündete in Politik und Medien. Und findet sie: Benjamin Harnwells enger Freund Steve Bannon unterstützt die Arbeit. Der rechtsradikale US-Journalist, bekannt geworden als Ex-Chefberater von Präsident Donald Trump, wird einer der ständigen Dozenten des neuen Instituts im Kloster sein. Benjamin Harnwell:

"Steve Bannon kenne ich schon seit Langem, bevor er berühmt wurde. Er ist sehr intelligent. Er hat klare Ideen zu den aktuellen gesellschaftlichen Problemen."

Weil Harnwell wie Bannon denkt, lud er den Rechtsaußen per Videoschaltung in den Vatikan ein. Vor wenigen Jahren, bei einer Veranstaltung des "Dignitatis Humanae Institute". In dieser Videoschalte, die unter anwesenden katholischen Würdenträgern mit langem Applaus bedacht wurde, erklärte Bannon:
  
"Glauben Sie mir, der Kampf des ISIS wird nach Europa kommen. Wir stehen vor einem globalen Konflikt gegen den islamischen Faschismus."

Die Finanzierung ist unklar

Dass Personen wie Bannon und Harnwell mit ihren eindeutig islamophoben, rechtsradikalen, antisemitischen, vorkonziliaren und auch papstfeindlichen Vorstellungen Zugang zum Kirchenstaat haben, geht vor allem auf Raymond Leo Burke zurück. Der US-Amerikaner gilt als das konservativste Mitglied des Kardinalskollegiums im Vatikan und als einer der entschiedensten Gegner von Papst Franziskus. 

Burke wie auch Bannon, dazu Mitglieder der schismatischen Pius-Bruderschaft und auch Politiker rechtsradikaler Parteien Frankreichs und Italiens haben sich laut Harnwell dazu bereit erklärt, in den mittelalterlichen Sälen des Klosters Vorträge zu halten. 

Woher kommen die immensen Finanzmittel für das Dignitatis Humanae Institute, für die Miete des Klosters und die Veranstaltungen? Offizielle Auskünfte gibt es zu diesem Thema keine. Es heißt, dass die gleichen US-amerikanischen Milliardäre, die den Wahlkampf von Donald Trump unterstützt haben, auch Geld für das Institut im italienischen Kloster locker gemacht hätten, um auch in Europa dafür zu sorgen, ihre weltanschaulichen und religiösen Vorstellungen zu verbreiten. Vorstellungen übrigens, die Italiens ultrarechter Innenminister Matteo Salvini, der sich als Verteidiger der Kirche begreift, voll unterstützt. Und ganz nebenbei sind Salvini und Bannon enge Freunde.

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