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StartseiteHörspielkalenderBären in Sizilien10.11.2007

Bären in Sizilien

Interview mit dem Kinderhörspielpreisträger Robert Schoen

Zum Abschluss der ARD-Hörspieltage in Karlsruhe wurden am 11. November zwei Kinderhörspiele ausgezeichnet. Die Jury des Deutschen Kinderhörspielpreis, deren Vorsitzender ich war, hatte über 20 Einreichungen zu bewerten. Darunter war das Stück "Expedition ins alte Ägypten" von Volker Präkelt, eine Produktion des "Hörverlag", der wir eine lobende Erwähnung zugesprochen haben. Der Hauptpreis geht an das Hörspiel "Wie die Bären einst Sizilien eroberten" nach einem Kinderbuch von Dino Buzzati, eine Produktion des SWR. Bearbeiter und Regisseur war Robert Schoen.

Moderation: Frank Olbert

Im Mittelpunkt des Hörspiels steht das Kollektiv der Bären. (AP Archiv)
Im Mittelpunkt des Hörspiels steht das Kollektiv der Bären. (AP Archiv)

Frank Olbert: Herr Schoen, das Buch von Dino Buzzati ist im italienischen Original bereits 1945 erschienen, wurde unter dem Titel "Das Königreich der Bären" 1962 erstmals in Deutschland verlegt und ist vor zwei Jahren in einer neuen Übersetzung von Heide Ringe, Ralph Dutli und Hans Adrian beim Hanser Verlag erschienen. Wie sind Sie jetzt darauf aufmerksam geworden?

Schoen: Das Buch kam über Klaus Schmitz zu mir, der seinerzeit noch Dramaturg beim SWR war und inzwischen im Ruhestand ist. Als ich es zum ersten Mal gelesen habe, war ich etwas irritiert. Es hat sich erst einmal eine gewisse Widerborstigkeit präsentiert, weil es nicht so eine traditionelle Geschichte ist, wie "Prinz erlebt allerlei Abenteuer draußen in der Welt und kommt gestählt zurück in die Heimat und verbringt dort seine verbleibenden Jahre glücklich verheiratet". Es ist ganz anders gebaut. Das, was mich am Anfang irritiert hat, hat mich dann wiederum gereizt.

Robert Olbert: Was hat Sie denn irritiert? Was war denn anders?

Schoen: Es ist schon eine martialische Geschichte mit Schlachten und Kämpfen. Es gibt keine eigentliche Identifikationsfigur, keinen Helden, mit dem man mitfiebern und mitzittern kann. Im Mittelpunkt steht eher das Kollektiv der Bären. Man wird immer wieder aus dem Erzählfluss gerissen. Es gibt Gedichte und Bilder. Diese Farbigkeit des Erzählens hat mich sehr interessiert. Ich habe mich dann gefragt, wie setze ich diese zwischen Pathos und balladesker Fabulierlaune situierte Geschichte ins Akustische um.

Olbert: Wie sind Sie denn dann vorgegangen? Das Polyphone ist a durchaus enthalten, zum Beispiel haben Sie zwei Erzähler, Carmen-Maja Antoni und Jürgen Thormann.

Schoen: Genau. Das ist so im Buch nicht angelegt. Ich wollte damit das Polyphone der Erzählweise noch betonen und es hat auch einen ganz praktisch-technischen Grund. Es gibt sehr viel Erzähltext und es ist einfach interessanter und lockerer, wenn man zwei so wunderbare Schauspieler hat, die sich den Erzählertext teilen.

Olbert: Ein ganz wesentliches Merkmal in dem Hörspiel ist die Musik. Die Kompositionen stammen von jemandem namens B.Deutung. Sind das alles Originalkompositionen?

Schoen: Ja, B.Deutung hat wirklich Bedeutendes geleistet in dieser Produktion, das ist Tobias Unterberg. Er hat mit großer Leidenschaft und einem unglaublichen Einsatz im Grunde das Fleisch und den Saft dieses Hörspiels produziert

Auch die Kinder durften ihr Lieblingsstück benennen. Eine Grundschulklasse bildete die Jury des Kinderhörspielpreises der Stadt Karlsruhe und dieser Preis ist natürlich besonders begehrt, wird er doch vom Zielpublikum vergeben. Er geht an das Hörspiel "Der Zauberlehrling" nach einem Theaterstück von Franz-Lorenz Engel. Bearbeiter und Regisseur dieser NDR-Produktion war Rainer Gussek.

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