
Eigentlich war alles schon vereinbart: Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD steht, dass das BAföG erhöht werden soll. Zum Wintersemester 2026 sollte die Wohnkostenpauschale für Studierende außerhalb des Elternhauses von 380 auf 440 Euro steigen. Der Grundbedarf liegt derzeit bei 475 Euro und sollte schrittweise auf das Niveau der Grundsicherung angehoben werden - zunächst auf 536 Euro, perspektivisch auf rund 563 Euro.
Doch die Reform gerät ins Wanken. Wegen knapper Kassen wird in der CDU/CSU über Einsparungen diskutiert. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) löste die Debatte aus, indem sie in einem Interview der Funke Mediengruppe erklärte, sie habe gehört, dass es für die Erhöhung „keine Mehrheit in den Regierungsfraktionen mehr gäbe“.
Vor allem die SPD pocht auf die geplante BAföG-Erhöhung. „Dass das Kanzleramt die Einigung beim Bafög infrage stellt, verunsichert junge Menschen – und ist unnötig“, teilte die Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Wiebke Esdar, mit. Obwohl das Forschungsministerium später mitteilte, man verfolge die Reform weiter, bleibt die politische Unterstützung innerhalb der Koalition ungewiss.
Was spricht für eine Reform des BAföG?
Die geplante BAföG-Reform hätte nicht nur finanzielle, sondern auch gesellschaftspolitische Bedeutung. Matthias Anbuhl vom Deutschen Studierendenwerk betont: „Das BAföG hinkt seit Jahren schon den Lebenshaltungskosten hinterher.“
Ein zentrales Problem sind die Wohnkosten. Die Pauschale von 380 Euro liegt deutlich unter den durchschnittlichen Mieten für WG-Zimmer von rund 512 Euro - laut Moses-Mendelssohn-Institut, das die Zahlen regelmäßig erhebt. Stefan Grob vom Studierendenwerk warnt deshalb vor einer „sozialen Selektion über die Miete“. Die Reform sei nötig, denn für viele werde ein Studium zunehmend zum „Luxusartikel“, sagt Rahel Schüssler vom freien zusammenschluss von student*innenschaften (fzs).
Stefan Grob vom Deutschen Studierendenwerk argumentierte, dass Studieren ein „Vollzeitjob“ sein sollte. Die Reform sei wichtig, damit Studierende sich voll auf ihr Fach konzentrieren können, statt durch übermäßige Nebenjobs - oft 15 Stunden pro Woche oder mehr - ihre Studienzeit zu verlängern.
Dazu kommt: Wegen der zu geringen BAföG-Sätze müssten viele Studierende massiv bei der Ernährung sparen - teils bleiben ihnen nur etwa 100 Euro im Monat, so Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin. Eine Anpassung könnte diese prekäre Lage deutlich entschärfen.
Stefan Grob sieht die aktuelle BAföG-Debatte auch aus einem anderen Grund kritisch: Das BAföG solle gerade jungen Menschen aus einkommensschwächeren Haushalten ein Studium ermöglichen - stattdessen sende man das Signal: „Seht doch zu, wie ihr studieren könnt.“ Dabei brauche Deutschland heute alle klugen Köpfe aus allen Schichten der Gesellschaft.
Wieviele Studierende beziehen Bafög und wieviele arbeiten nebenbei?
Nur noch etwa elf Prozent der Studierenden erhalten BAföG, obwohl deutlich mehr Anspruch hätten. Gleichzeitig arbeiten zwei Drittel aller Studierenden neben dem Studium. Das führe häufig zu einer Verlängerung des Studiums, so Katharina Rummenhöller vom fzs. Und das wiederum ziehe Probleme bei der Förderhöchstdauer nach sich.
„Das ist wie ein Teufelskreis - und viele Studierende haben entweder Angst, sich zu verschulden oder verschulden sich während des Studiums“, sagte Rummenhöller.
Wie wollen die Studierenden sich wehren?
Mit Protesten vor dem Konrad-Adenauer-Haus haben Studierende ihrem Ärger über die drohende Nicht-Umsetzung der BAföG-Reform bereits Luft gemacht. Sie wollen die Bundesregierung unter Druck setzen, die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag einzuhalten, z.B. die Erhöhung der Wohnkostenpauschale auf 440 € und weitere Anpassungen im Bereich Bürokratieabbau. Die Stimmung bleibt aber gedämpft, so Katharina Rummenhöller.
Online-Text: Diana Hodali





