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StartseiteForschung aktuellDarm-Mikroben von Sportlern machen Mäuse ausdauernder25.06.2019

BakteriendopingDarm-Mikroben von Sportlern machen Mäuse ausdauernder

Nach einem Marathon-Lauf siedeln sich bestimmte Mikroben vermehrt im menschlichen Darm an. Bei Mäusen können diese Mikroben die sportliche Leistung steigern. US Forscher haben herausgefunden: Mit den Sportler-Mikroben im Darm laufen die Tiere viel länger im Laufrad als ohne das Bakterien-Doping.

Von Christine Westerhaus

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Eine weiße Maus läuft in einem Laufrad. (imago / imagebroker / Stefan Klein)
Darmbakterien von Spitzensportlern führen bei Mäusen zu einer Leistungssteigerung von bis zu 13 Prozent, haben amerikanische Wissenschaftler festgestellt (imago / imagebroker / Stefan Klein)
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Bei einem Marathon müssen nicht nur die Muskeln auf Hochtouren arbeiten. Auch die Darmbakterien sind gefordert. Beispielsweise müssen sie das Lactat abbauen, das in den Muskeln vermehrt gebildet wird. Aus früheren Studien wussten Aleksandar Kostic und seine Kollegen bereits, dass sich im Darm von Spitzensportlern nach einem Marathon-Lauf vermehrt bestimmte Bakterien ansiedeln. Jetzt haben die Forscher von der Harvard Medical School in Boston untersucht, ob diese Mikroben die sportliche Leistung verbessern können. 

"Wir wollten herausfinden, ob dieser Bakterienstamm "Veillonella" vielleicht einen Vorteil bringt, zum Beispiel, weil es das Lactat verdauen kann, das Sportler vermehrt in ihren Muskeln bilden. Deswegen haben wir diese Mikroben in Mäuse verpflanzt und die Tiere danach im Laufrad getestet. Dabei haben wir sie mit Artgenossen verglichen, denen wir andere Bakterien verabreicht hatten", so Aleksandar Kostic.

Leistungssteigerung von bis zu 13 Prozent

Es zeigte sich, dass die mit Veillonella behandelten Mäuse deutlich länger rennen konnten, als ihre Artgenossen. Sie hielten im Laufrad etwa 13 Prozent länger durch, als Mäuse, die andere Bakterien bekommen hatten.

"Das mag vielleicht auf den ersten Blick nicht beeindruckend sein. Aber wenn man einen Ausdauer-Sportler fragt, ist das eine ziemliche Verbesserung", sagt Kostic. 

Ob das Bakterium Veillonella auch beim Menschen die sportliche Leistung steigert, wissen die Forscher bislang jedoch nicht. Unklar ist auch, wie diese Mikroben den Sportlern dabei helfen könnten, die Leistung zu steigern. In einer weiteren Untersuchung haben die Forscher nachgewiesen, dass Veillonella das in den Muskeln gebildete Lactat in Propionat umwandeln kann.

Propionate sind kurzkettige gesättigte Fettsäuren, die sich positiv auf die Darmwand auswirken. Bei Mäusen mit Multipler Sklerose konnten Forscher zudem zeigen, dass Propionate den Abbau der Markscheiden verlangsamen. Also der schützenden Schichten, die die Nervenzellen einhüllen. Doch wie diese Fettsäuren dabei helfen können, beim Sport länger durchzuhalten, ist noch völlig offen. Genauso wie die Frage, warum sich erst nach dem Marathon vermehrt Veillonella Bakterien im Darm ansiedeln und nicht schon während des Trainings. 

"Wir wollen nun besser verstehen, warum Veillonella diesen positiven Effekt hat. Ist das Propionat, das diese Darmbakterien bilden, eine Art Energiesubstrat für die Muskeln? Oder haben diese speziellen Fettsäuren auch einen entzündungshemmenden Effekt? Außerdem wollen wir in klinischen Studien zeigen, dass diese Bakterien tatsächlich auch bei Menschen eine positive Wirkung haben und nicht nur bei Mäusen."

Nicht alle Spitzensportler haben Veillonella im Darm

Sollte sich herausstellen, dass das Bakterium Veillonella auch menschlichen Sportlern eine extra Portion Energie verschafft, könnten viele davon profitieren, meint Aleksandar Kostic. Denn dann könnte man diese Mikroben als Probiotikum verabreichen, findet der Forscher. Vielleicht nicht ganz zufällig hat sein Kollege und Co-Autor der Studie schon vor längerer Zeit eine Firma gegründet, die mit dem Verkauf von Fitness-Probiotika Geld machen will.

"Eine interessante Beobachtung ist auch, dass nicht alle Spitzensportler, die wir untersucht haben, das Bakterium Veillonella in ihrem Darm hatten. Es kommt zwar bei Sportlern im Vergleich zum Rest der Bevölkerung häufiger vor. Aber eben nicht bei allen." 

Vielleicht hat Veillonella beim Menschen also einen ganz anderen Effekt, als die körperliche Leistung zu steigern. Doch wenn dieses Bakterium Entzündungen hemmt und die Darmwand schont, könnte das vielleicht mit erklären, warum Sport gesund ist.

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