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Barsch und Tomaten aus dem Gewächshaus

Aquakulturen zur Fischzucht können die Umwelt belasten: Die Ausscheidungen der Fische, nicht gefressenes Futter sowie Medikamente verschmutzen das Abwasser. Auf der Suche nach Alternativen haben Forscher vom Leibnitz-Institut für Binnenfischerei nun ein Gewächshaus errichtet und züchten dort Fische zusammen mit Gemüse.

Von Claudia van Laak |
    In vier großen blauen Becken schwimmen sie munter vor sich hin - afrikanische Buntbarsche, auch Tilapien genannt. Ein anspruchsloser Fisch, der sich gut für die Zucht eignet und hervorragend schmeckt. Wenn die dunkelgrau-blauen Tilapien ein bis eineinhalb Kilo Gewicht erreicht haben, sind sie schlachtreif.

    Links im Gewächshaus die Fischbecken, rechts die Vorrichtungen für die Tomatenzucht. Die letzten roten Früchte reifen in einer Plastikwanne nach. 1 Tonne Fisch und 1,3 Tonnen Tomaten hat das Leibniz-Institut für Binnenfischerei im Jahr 2009 produziert, erläutert Mitarbeiter Bernhard Rennert. Das Abwasser aus der Fischzucht düngt das Gemüse, zusätzlicher künstlicher Dünger ist überflüssig.

    "Im Fischkreislauf haben wir einen mechanischen Filter, der die Schwebstoffe, den Kot und das nicht gefressene Futter, aus dem Wasser entfernt, und einen biologischen Filter, der das Ammonium, was die Fische ausscheiden, zu Nitrat oxidiert, und Nitrat ist ein sehr guter Pflanzennährstoff."

    Tilapien und Tomaten brauchen es warm, deshalb ist diese Kombination ideal. Aber auch andere Paarungen sind denkbar - Welse mit Salat, Kräutern und Schnittblumen zum Beispiel. Das Gemüse wächst nicht in der Erde, die Wurzeln werden von einer Nährlösung umspült - Hidroponik heißt dieses Verfahren. Werner Kloas, Abteilungsleiter im Leibnitz-Institut für Binnenfischerei.

    "Das wichtigste vom Prinzip her war, dass die Nährstoffe, Stickstoff und Phosphor, was von den Fischen abgegeben wird, dass das wieder in die Hydroponik eingespeist werden kann zum Pflanzenwachstum und zusätzlich noch, deshalb ein geschlossenes System, dass das Kohlendioxid, was von den Fischen abgegeben wird, von den Pflanzen fixiert wird, die dann wiederum Sauerstoff produzieren."

    Dazu kommt: Das verdunstete Wasser wird aufgefangen und wieder in den Kreislauf eingespeist - täglich gehen nur drei Prozent Wasser verloren, in einer normalen Fischzucht sind es 10 Prozent. Die Anlage eignet sich also besonders für Gebiete, in denen Wassermangel herrscht.

    "Das heißt, in so einem geschlossenen System hat man eben keine CO2-Emmissionen in nennenswertem Ausmaße, weil die gleich wieder fixiert sind. Was wir reingeben, ist letztendlich nur Fischfutter, da wird 1:1 in Fisch umgesetzt, ein bisschen Wasser, und ansonsten erhält sich das System selbst."

    Seit knapp zwei Jahren läuft die Anlage fast ohne Probleme. Wir waren selber überrascht, dass die Idee so einfach umzusetzen ist, sagt Werner Kloas vom Leibnitz-Institut für Binnenfischerei. Die Vorüberlegungen dazu stammen noch aus DDR-Zeiten, mittlerweile haben die Forscher ihre Anlage zum Patent angemeldet. Rechnet sich die kombinierte Fisch-Gemüse-Zucht?

    "Ökologisch auf jeden Fall, wissenschaftlich sowieso. Ökonomisch, das ist etwas, was man jetzt prüfen muss, und das wird auch der Knackpunkt sein, in welchen Gebieten es sich wirklich rechnet."

    Denn die Anlage arbeitet in warmen Klimazonen profitabler als in kalten - der Energiebedarf für das Gewächshaus darf bei der Kalkulation nicht außer Acht gelassen werden. Erste Interessenten aus der Industrie gibt es bereits.