
Bas sagte vor den Delegierten des DGB-Bundeskongresses, Reform hieße nicht gleich Kürzungen. Sie wolle die soziale Sicherung nicht kleiner, sondern klüger machen. Die Ministerin distanzierte sich von der Aufweichung des Acht-Stunden-Tages. Sie sagte, wenn es nach ihr ginge, würde das Thema Arbeitszeit gar nicht erst angefasst. Es stehe aber im Koalitionsvertrag. Der DGB lehnt die geplante Abschaffung des Acht-Stunden-Tags ab. Bas ist im Kabinett für etwaige Änderungen am Arbeitszeitgesetz zuständig.
Bundeskanzler Merz war bei seinem Auftritt zuvor mit Pfiffen und lautstarken Buhrufen bedacht worden. Mit seinen Appellen für Sozialreformen drang der CDU-Chef bei den rund 400 DGB-Delegierten kaum durch. Für seine Worte, die Vorhaben seien keine Bösartigkeit von ihm oder von der Bundesregierung, erntete Merz sogar höhnisches Gelächter.
Merz: "Deutschland muss sich aufraffen"
Merz rief in seiner gut halbstündigen Rede dazu auf, den Reformprozess als Chance statt Bedrohung zu begreifen und daran mitzuwirken. Die Notwendigkeit dafür ergebe sich aus "Demografie und Mathematik". Es übersteige die Kräfte von zwei Beitragszahlern, wenn sie in Zukunft eine Person in der Rente finanzieren sollen.
"Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren", führte der Bundeskanzler aus. Der Platz, von dem aus man das Land zum Guten gestalten könne, sei nicht "die Bremse". Man habe es schlicht versäumt, das Land zu modernisieren. Deutschland müsse sich aufraffen. Die im Sommer bevorstehende Rentenreform bezeichnete er als das "härteste Brett" der Bundesregierung.
Der Kanzler hatte bei den Gewerkschaften in den vergangenen Monaten mit Äußerungen zur gesetzlichen Rente ("allenfalls noch eine Basisabsicherung") oder zu mangelnder Arbeitsmoral ("Lifestyle und Vier-Tage-Woche") für Unmut und Verunsicherung gesorgt.
Mit Merz hielt nach acht Jahren erstmals wieder ein CDU-Kanzler eine Rede bei einem DGB‑ Bundeskongress. Zuletzt war Altkanzlerin Merkel 2018 zu Gast, die in früheren Jahren auch schon etwa für die Rente mit 67 ausgepfiffen worden war.
DGB-Chefin Fahimi hält dagegen
DGB-Chefin Fahimi wies Merz auf die Wahrnehmung vieler Arbeitnehmer hin, dass hinter den Reformen am Ende des Tags Einschnitte und Kürzungen stehen würden. Viele in den Gewerkschaften würden erleben, dass die für die Wirtschaftsbeziehungen in Deutschland grundlegende Sozialpartnerschaft nicht mehr richtig funktioniere und man immer mehr in Konflikte hineingetrieben werde.
Bei der Rentenreform hielt sie Merz entgegen, dass schon einmal versprochen worden sei, die Vorsorge inklusive privater und betrieblicher Säule der Alterssicherung abzusichern. Das Zielbild sei bis heute nicht eingehalten, sagte Fahimi. "Wir haben das schon bezahlt mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters, der Abschaffung der Altersteilzeit, der Absenkung des Rentenniveaus." Ausdrücklich warnte die DGB-Chefin vor einer geplanten Änderung beim Arbeitszeitgesetz. "Wir wollen nicht zurückgeworfen werden in Zeiten von vor 1918." Damals war der Acht-Stunden-Tag eingeführt worden.
Diese Nachricht wurde am 13.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
