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Beagle, bitte melde Dich

Raumfahrt. - Es ist wie bei "Mars Polar Lander" vor vier Jahren: auch damals lief die Mission bis zum Ausklinken des Landemoduls planmäßig, doch dann verschwand das Gerät in der Stille des Mars. So bislang auch bei Beagle 2, dem Lander der Europäischen Marsmission Mars Express. Nachdem bisher alle Versuche fehlschlugen, mit dem Oberflächen-Späher Kontakt aufzunehmen, macht sich jetzt am nationalen britischen Weltraumzentrum eine kleine Gruppe von Ingenieuren und Technikern daran, am Modell Wege zu finden, den möglicherweise intakten Lander doch noch zu Äußerungen zu bewegen. Dazu füttern die Experten das Schwester-Vehikel auf der Erde mit so genannten blinden Kommandos.

    Zwar hüllt sich das Landemodul der ESA-Marsmission seit seiner erwarteten Ankunftszeit am 25. Dezember um 02:54 Uhr Greenwich Standardzeit (GMT) in Schweigen, dennoch geben die Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker der Europäischen Weltraumagentur ESA den Glauben an das Gefährt nicht auf. Die Mission sei in einer prekären, jedoch nicht hoffnungslosen Lage, schätzt auch Anatol Johannsen, Wissenschaftsjournalist und langjähriger Beobachter der internationalen Raumfahrt, die Situation ein. Jede nur erdenkliche Fehlerquelle werde jetzt in Erwägung gezogen, um das Ausbleiben von Signalen von Beagle 2 zu erklären. Schnell fiel dabei der Verdacht auf die Sendeantenne, die möglicherweise nach einer Landung auf einer schiefen Ebene in die falsche Richtung ziele oder gar von einem großen Felsen verdeckt werde. Vielleicht seien auch die Solarzellen nicht vollständig ausgefahren und lieferten nicht ausreichend Strom oder Beagle 2 habe bei seinem feurigen Ritt durch die Marsatmosphäre gar größere Beschädigungen erlitten. Eine Vielzahl von möglichen Ursachen lassen sich so quasi als letzter Strohhalm finden, um nicht die letzte, fatale Antwort vorschnell anzunehmen - die Zerstörung des Geräts. Als entscheidendes Datum wird jetzt der 4. Januar anvisiert, um mit Beagle 2 kommunizieren zu können. Vergeht auch dieser Termin ohne Erfolg, stehen die Chancen denkbar schlecht für das ambitionierte Vorhaben.

    Bis vor etwa zehn Tagen hatte alles noch so viel versprechend ausgesehen, denn bis zum Abkoppeln des Landers von seinem Mutterschiff verlief die Mission weitgehend nach Plan. Doch mit der Aktivierung des Federmechanismus, der Beagle 2 von Mars Express wegstieß, beginnt die lange Reihe möglicher Fehler, die zum bislang spurlosen Verschwinden des Landers führen konnten. Denn ab dem Moment der Trennung war das kleine Landevehikel ohne jeden Kontakt zur Außenwelt und völlig auf sich allein gestellt. Bei beachtlichen 20.000 Kilometern in der Stunde wurde der Lander quasi wie eine Bombe ausgeklinkt, um - allein durch die Schwerkraft des Mars gelenkt - zu seinem geplanten Landepunkt zu stürzen. Mit Eintritt in die Marsatmosphäre wurde die Sonde rüde abgebremst, wobei der Hitzeschild den enormen Temperaturen der Reibungshitze widerstehen musste. Anschließend wurden zwei Fallschirme nacheinander ausgefahren, um die Fallgeschwindigkeit weiter zu reduzieren. Die letzte "Bremse" bildeten schließlich drei Luftkissen, in die gehüllt Beagle 2 riesige Sprünge von bis zu 250 Metern Höhe über den roten Planeten vollführte. Ein Defekt in nur einem dieser Mechanismen dürfte vermutlich zum Totalausfall des Landers geführt haben.

    Mars Express dagegen schwenkte wie geplant in eine zunächst ausgeprägt elliptische Umlaufbahn um den Mars ein. Sie wird sich im weiteren Verlauf immer weiter abflachen, bis die Sonde schließlich in eine gleichmäßige Kreisbahn um den Planeten zieht. Am 4. Januar wird Mars Express dabei sehr nahe über der vermutlichen Landezone von "Beagle 2" vorbeifliegen. An dieses Rendezvous knüpfen die ESA-Ingenieure daher große Erwartungen, denn dabei könnte erstmals Kontakt zwischen den beiden "Verwandten" zustande kommen. Bislang stand als Relaisstation für Beagle lediglich die US-Sonde "Mars Odyssey" zur Verfügung. Möglicherweise sei das Schweigen von Beagle 2 auf "Missverständnisse" in der Kommunikation mit dem NASA-Gefährt zurückzuführen, so spekulierten Experten bereits. In diesem Fall würde dann vielleicht "Mars Express" dennoch erfolgreich Verbindung zu "Beagle 2" herstellen können und den ESA-Fachleuten Erleichterung verschaffen. Doch bis dahin werden noch einige bange Tage vergehen, in denen der Lander mutterseelenallein auf dem Mars durchhalten muss.

    [Quelle: Gerd Pasch]