Mittwoch, 18. Mai 2022

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Bedingt erinnerungswillig

In den vergangenen Jahrzehnten gab es in Deutschland – aus gutem Grund – vielfältige Ansätze, eine dauerhafte Erinnerungskultur zu etablieren.

Manfred Hettling im Gespräch mit Michael Köhler | 07.07.2013

Die großen NS-Prozesse der Nachkriegszeit, die Verjährungsdebatte, der Historikerstreit um die Einzigartigkeit des Holocaust, große Erinnerungsbauten wie das Deutsche Historische Museum, das Haus der Geschichte der Bundesrepublik, aber auch der Bau eines Holocaust-Mahnmals in Berlin belegen dies beispielhaft.

Am Montag wird in Berlin mit dem Bau eines Gedenk- und Informationsortes für die Opfer der national-sozialistischen Euthanasie-Morde begonnen.

Kommt aber, nachdem es die Generation der unmittelbaren Zeitzeugen bald nicht mehr geben wird, diese "Vergangenheitsbesessenheit" langsam an ein Ende? Erlahmt sie womöglich? Oder ist das nationale Gedächtnis "ausgewandert"? Übernehmen vielleicht Formate wie Fernsehen, Kino oder historische Romane inzwischen die Erinnerungsarbeit? Hat eine "Gedächtnisindustrie" das Erinnern abgelöst? Stellen wir vielleicht sogar gerade von einer Erinnerungskultur auf eine Kultur des Vergessens um?

- Über diese Fragen hat Michael Köhler mit Manfred Hettling, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Halle-Wittenberg gesprochen.