Als der Wiener Musikverleger Anton Diabelli im Jahre 1819 die 50 besten Komponisten seiner Zeit einlud, Variationen zu seinem selbst komponierten Walzer zu kreieren, soll Ludwig van Beethoven sehr abschätzig reagiert haben. Warum aber sagte er dann später zu? Warum komponierte Beethoven in den darauffolgenden fünf Jahren wie ein Besessener insgesamt 33 Variationen auf diesen mehr als mittelmäßigen Walzer?
Von dieser musikgeschichtlichen Kuriosität fasziniert, recherchierte der Regisseur und Autor Moisés Kaufman drei Jahre lang in Amerika, Österreich und Deutschland. Mit seinem preisgekrönten Film "Das Laramy-Projekt" ist Moisés auch in Deutschland bekannt geworden. In seinem neuen Theaterstück "33 Variations" verbindet er die Recherche über Beethovens Variationen mit der Geschichte der an Multipler Sklerose erkrankten Musikwissenschaftlerin Katharine Brandt. Sie ist, ähnlich wie Kaufman selbst, geradezu besessen, Beethovens wahre Motivation zu verstehen. Deshalb reist sie gegen den Willen ihrer besorgten Tochter und ihrer Krankheit zum Trotz nach Bonn. Dabei flieht sie auch vor der Zuneigung ihrer klammernden Tochter, die ihr zu unselbständig und undiszipliniert erscheint. In dem Stück vermischen sich die Geschichte des menschenscheuen und kranken Beethovens auf der Suche nach der endgültigen Variation und die Katharine Brandts auf der Suche nach der Erfüllung ihres Lebensziels. Untermalt wird diese Geschichte durch einen beeindruckenden Bühnenraum von Derek McLane; mit beweglichen Regalen voll separat beleuchteter Handschriften und Notenblättern, die meterhoch in den Bühnenhimmel ragen.
Die Zuschauer werden Zeuge einer gelungenen Mischung aus historischem Dokudrama, modernem Schauspiel und einer Reise durch die Theorie der Variationen. Jane Fonda glänzt, wenn sie sich als alternde Wissenschaftlerin dem Publikum zuwendet und ihm diese Theorie vermittelt und sie berührt in ihrer steifen und dickköpfigen Unfähigkeit, sich ihrer Ansprüche zu entledigen und die Nähe zu ihrer Tochter zuzulassen. Am Ende des Stücks ist sie im Rollstuhl und unfähig zu sprechen. Während sie von ihrer Tochter gepflegt wird, findet sie Trost bei Beethoven, der ihr schließlich auch verrät, was ihn an Diabellis Walzer so faszinierte: die nicht enden wollende Suche nach dem einzigartigen Augenblick der Schönheit.
Es ist eine große Freude Jane Fonda auf der Bühne zu sehen. Sie spielt Katharine Brandt in einer selbstverständlichen Leichtigkeit und Direktheit, wie es nur wirklich große Schauspieler können. Allerdings ist die Figur in ihrer spröden, distanzierten Nüchternheit nicht dazu geeignet, ihr volles Potential auszuschöpfen. Da hätte man sich vom Stück mehr emotional beeindruckende Momente für sie gewünscht.
Dessen ungeachtet kommt "33 Variations" in einer Zeit auf die Bühne, in der sich die Ära des Wirtschaftsoptimismus am Ende ist und viele Amerikaner in den Trümmern ihrer ambitionierten Träume nach Sinn suchen. Moisés Kaufmans Stück als Rückbesinnung auf die Kategorien Schönheit, Liebe und Menschlichkeit durch die Recherche in der Vergangenheit ist eine bewegende Antwort darauf. Ein gutes Stück in einer dunklen Zeit.
Von dieser musikgeschichtlichen Kuriosität fasziniert, recherchierte der Regisseur und Autor Moisés Kaufman drei Jahre lang in Amerika, Österreich und Deutschland. Mit seinem preisgekrönten Film "Das Laramy-Projekt" ist Moisés auch in Deutschland bekannt geworden. In seinem neuen Theaterstück "33 Variations" verbindet er die Recherche über Beethovens Variationen mit der Geschichte der an Multipler Sklerose erkrankten Musikwissenschaftlerin Katharine Brandt. Sie ist, ähnlich wie Kaufman selbst, geradezu besessen, Beethovens wahre Motivation zu verstehen. Deshalb reist sie gegen den Willen ihrer besorgten Tochter und ihrer Krankheit zum Trotz nach Bonn. Dabei flieht sie auch vor der Zuneigung ihrer klammernden Tochter, die ihr zu unselbständig und undiszipliniert erscheint. In dem Stück vermischen sich die Geschichte des menschenscheuen und kranken Beethovens auf der Suche nach der endgültigen Variation und die Katharine Brandts auf der Suche nach der Erfüllung ihres Lebensziels. Untermalt wird diese Geschichte durch einen beeindruckenden Bühnenraum von Derek McLane; mit beweglichen Regalen voll separat beleuchteter Handschriften und Notenblättern, die meterhoch in den Bühnenhimmel ragen.
Die Zuschauer werden Zeuge einer gelungenen Mischung aus historischem Dokudrama, modernem Schauspiel und einer Reise durch die Theorie der Variationen. Jane Fonda glänzt, wenn sie sich als alternde Wissenschaftlerin dem Publikum zuwendet und ihm diese Theorie vermittelt und sie berührt in ihrer steifen und dickköpfigen Unfähigkeit, sich ihrer Ansprüche zu entledigen und die Nähe zu ihrer Tochter zuzulassen. Am Ende des Stücks ist sie im Rollstuhl und unfähig zu sprechen. Während sie von ihrer Tochter gepflegt wird, findet sie Trost bei Beethoven, der ihr schließlich auch verrät, was ihn an Diabellis Walzer so faszinierte: die nicht enden wollende Suche nach dem einzigartigen Augenblick der Schönheit.
Es ist eine große Freude Jane Fonda auf der Bühne zu sehen. Sie spielt Katharine Brandt in einer selbstverständlichen Leichtigkeit und Direktheit, wie es nur wirklich große Schauspieler können. Allerdings ist die Figur in ihrer spröden, distanzierten Nüchternheit nicht dazu geeignet, ihr volles Potential auszuschöpfen. Da hätte man sich vom Stück mehr emotional beeindruckende Momente für sie gewünscht.
Dessen ungeachtet kommt "33 Variations" in einer Zeit auf die Bühne, in der sich die Ära des Wirtschaftsoptimismus am Ende ist und viele Amerikaner in den Trümmern ihrer ambitionierten Träume nach Sinn suchen. Moisés Kaufmans Stück als Rückbesinnung auf die Kategorien Schönheit, Liebe und Menschlichkeit durch die Recherche in der Vergangenheit ist eine bewegende Antwort darauf. Ein gutes Stück in einer dunklen Zeit.