Welt-Down-Syndrom-Tag
Behindertenbeauftragter Dusel beklagt zu wenig Begegnung im Alltag - Lebenshilfe bekräftigt Kritik an Bluttests

Trotz gewachsener Offenheit gegenüber Menschen mit Down-Syndrom sieht der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Dusel, weiterhin gesellschaftliche Defizite. Deutschland komme aus einer sehr finsteren Zeit, sagte er dem Deutschlandfunk anlässlich des morgigen Welt-Down-Syndrom-Tags.

    Jürgen Dusel im Porträt
    Jürgen Dusel ist der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. (picture alliance / dts-Agentur / -)
    Durch die so genannte Euthanasie während des Nationalsozialismus wurden Hunderttausende mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet oder zwangssterilisiert, darunter zahlreiche Menschen mit Down-Syndrom. Das sei unser Erbe. Seitdem hätten ihre Sichtbarkeit und Akzeptanz zwar stark zugenommen, doch auch heute noch würden sie deutlich benachteiligt, vor allem im Gesundheitsbereich. Es gebe einfach zu wenige Begegnungen, führte Dusel aus. Würden Menschen mit Down-Syndrom oder einer anderen sichtbaren Behinderung weniger separiert, würden die Leute sie im Alltag nicht mehr so häufig anstarren.
    Das Down-Syndrom ist eine genetische Besonderheit, bei der das 21. Chromosom ganz oder teilweise dreifach statt doppelt existiert. Man spricht daher auch von Trisomie 21. Sie kann sich ganz unterschiedlich auf die körperliche und geistige Entwicklung auswirken. Trisomie ist heute auch Thema im Bundestag.

    Verein Lebenshilfe: Menschen mit Behinderungen willkommen heißen

    Der Verein Lebenshilfe hat seine Kritik am flächendeckenden Gebrauch von Bluttests in der Schwangerschaft auf Trisomien wie das Down-Syndrom bekräftigt. Wie befürchtet, sei dieser Test sehr schnell zur Routineuntersuchung geworden, sagte die Bundesvorsitzende und frühere Bundesgesundheitsministerin, Schmidt, dem Deutschlandfunk. Im Zusammenwirken von Ärztinnen und Ärzten mit werdenden Eltern scheine es inzwischen ein Einvernehmen darüber zu geben, solche Tests ohne besonderen Grund zu machen. Schmidt forderte eine Gesellschaft, die Menschen mit Beeinträchtigung willkommen heiße und werdenden Eltern die Ängste nehme. Die Familien müssten vielmehr alle Unterstützungsleistungen bekommen, die für ein gutes Leben notwendig seien.
    Der Bundestag berät heute über den sogenannten nichtinvasiven Pränataltest, kurz NIPT, der Schwangeren eine frühe Risikobestimmung für Trisomien per Blutprobe ermöglicht. Ein fraktionsübergreifender Antrag fordert eine Überprüfung des von den Krankenkassen bezahlten Tests.
    Diese Nachricht wurde am 20.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.