Montag, 08. August 2022

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Ben Moore: "Mond - eine Biografie"
Vom Höhlenbild zur Mondlandung

Er war schon da, bevor sich der erste Mensch Gedanken über ihn machen konnte. Aber bis heute sind wir Erdenbewohner fasziniert von unserem Trabanten am Himmel. Ben Moore beschreibt die lange Geschichte der Entdeckung des Mondes, von uralten Mythen bis zu hin zu den Plänen für erneute Mondlandungen.

Von Dagmar Röhrlich | 07.07.2019

Ein Mann betrachtet den Mond, aufgenommen in der spanischen Sierra de Gredos
Seit jeher faszinierend: Der Mond und seine vermeintlichen oder tatsächlichen Auswirkungen auf die irdische Lebenswelt (imago/Westend61)
Als der Mensch vor 50 Jahren erstmals den Mond betrat, saß ein Fünftel der Weltbevölkerung vor den Fernsehgeräten und starrte gebannt auf die verschwommenen Schwarz-Weiß-Bilder, die über die Mattscheibe flimmerten. Für den Astrophysiker Ben Moore ist das Ereignis eine willkommene Gelegenheit, über den Mond selbst nachzudenken – seine Geologie, die Geschichte seiner Erforschung und auch über die Mythen, die sich um ihn ranken.
Die Geschichte der Entdeckung des Mondes beginnt vor 30.000 Jahren in der Altsteinzeit, als in der Dordogne ein Mensch den Mondzyklus in ein Stück Kochen ritzte. Zur gleichen Zeit beschäftigte sich auch in der süddeutschen Geißenklösterle-Höhle jemand genau damit. Der Mond, er hat die Menschen schon immer gefesselt. Diese Faszination zieht sich auch durch Ben Moores Buch, in dem er Wissenschaft, Technik- und Kulturgeschichte zu einem faszinierenden Ganzen verwebt.
Natürlich fehlen auch hier nicht Anekdoten zur Mondlandung, etwa, dass der Urinbeutel von Buzz Aldrin riss, als er auf die Mondoberfläche hüpfte – und einer seiner Stiefel füllte sich mit Urin. Das dürfte unangenehm gewesen sein, und vielleicht war seine Beschreibung der Mondlandschaft deshalb so nüchtern: "Wunderschön! Wunderschön! Herrliche Verwüstung!"
Reizvolle Mischung aus Wissenschafts- und Kulturgeschichte
Dieser Mondspaziergang war der Schlussstrich unter den Wettlauf zum Mond, den die USA und die Sowjetunion während des Kalten Krieges ausgetragen haben. Ben Moore beschreibt diesen Wettlauf. Dabei verliert er sich nicht in technischen Details, sondern bereitet damit die Bühne für die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Apollo-Mission der Menschheit beschert hat. Die Bestimmung des Mondalters etwa, seine Zusammensetzung, seinen Aufbau.
Dann erzählt der Autor in einer reizvollen Mischung aus Wissenschafts- und Kulturgeschichte und Naturwissenschaft weiter: von lunarer Wahrsagerei bei den Sumerern und Babyloniern, den verschiedenen Modelle zur Mondentstehung, von den Anfängen der wissenschaftlichen Astronomie, wie der Mond die irdische Lebenswelt beeinflusst und von potenziellen Mondlandungen im 21. Jahrhundert. Es ist ein Buch wie die Bilder eines Kaleidoskops: abwechslungsreich und faszinierend.



Buchcover Ben Moore: "Mond. Eine Biografie"
Mond - eine Biografie
Sachbuch von Ben Moore
Aus dem Englischen übersetzt von Katharina Blansjaar
Verlag Kein & Aber, Zürich 2019, 320 Seiten, 24 Euro