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StartseiteEine WeltBenedikts pikante Mission Havanna24.03.2012

Benedikts pikante Mission Havanna

Kuba vor dem Papst-Besuch

Benedikt XVI. kommt am Montag nach Kuba. Die sozialistische Führung des Landes ist nervös und lässt Dissidenten verhaften. Oppositionelle hoffen auf klare Worte des Papstes zu Menschenrechtsfragen. Doch ein Treffen mit Regimegegnern ist nicht vorgesehen.

Von Martin Polansky

Papst Benedikt XVI. - am Montag will er Kuba besuchen. (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Papst Benedikt XVI. - am Montag will er Kuba besuchen. (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)

Eine Prozession durch das historische Zentrum von Havanna. Die Jungfrau von Cobre wird durch die Straßen getragen, die Schutzheilige der kubanischen Katholiken. Gut tausend Menschen folgen dem Umzug. Der Papst zu Besuch auf der Insel – Hoffnungen der Gläubigen:

"In meinem Herzen hoffe ich, dass unser Land vorankommt, dass der Glaube gestärkt wird und es auch mehr Einigkeit gibt zwischen den Kubanern."

"Der Glaube ist sehr wichtig, wie Liebe und Gesundheit. Wir erwarten den Papst mit vielen Wünschen."

Angeführt wird die Prozession von Kardinal Jaime Ortega, dem Erzbischof von Havanna. Kirche im Sozialismus. Die Katholiken haben in den letzten Jahren einige Freiräume hinzugewonnen – Kardinal Ortega ist inzwischen anerkannter Gesprächspartner für die sozialistische Führung. Der Erzbischof war wesentlich beteiligt an den Verhandlungen zur Freilassung von 52 politischen Gefangenen.
Dass jetzt Papst Benedikt kommt, ist ein weiteres Zeichen der Annäherung – und Kardinal Ortega erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 14 Jahren:

"Wir erwarten den Papst natürlich mit großer Freude. Wie schon bei Johannes Paul hat dies nicht nur Bedeutung für die Kirche, sondern für das ganze Volk. Es geht um das Bekenntnis zum Glauben. Der Papst unterstützt uns auf unserem Weg und auch all das Positive, das im Augenblick bei uns zu sehen ist."

Rückblick Januar 1998 – Zehntausende Kubaner jubeln Papst Johannes Paul II. zu. Es war ein historischer Besuch. Der erste Papst in Kuba überhaupt. Der Pole Karol Wojtyla nach Ende des Kalten Krieges in einem der letzten marxistisch regierten Länder der Welt. Der Papst neben Revolutionsführer Fidel Castro. Der - in Anzug statt Uniform - konnte schon den Besuch an sich als klaren Erfolg verbuchen:

"Heiligkeit. Der Boden, den sie gerade geküsst haben, ist geehrt durch ihre Anwesenheit."

Johannes Pauls Besuch markierte den Höhepunkt einer schrittweisen Entspannung im Verhältnis zwischen dem sozialistischen Staat und der katholischen Kirche. Schon bald nach der Revolution 1959 war das Verhältnis zerrüttet. Kubas neue Führung verstaatliche kirchliche Sozialeinrichtungen und Schulen, bekennende Christen wurden etwa am Arbeitsplatz benachteiligt. Sehr schnell exkommunizierte der Vatikan den ehemaligen Jesuitenschüler Fidel Castro.

Kuba bereitet sich auf die Ankunft des Papstes vor (picture alliance / dpa / Jose Goitia)Kuba bereitet sich auf die Ankunft des Papstes vor (picture alliance / dpa / Jose Goitia)Die Entspannung begann Mitte der 80er-Jahre und beschleunigte sich nach dem Fall der Mauer. Kuba, isoliert und nah am wirtschaftlichen Kollaps, war dankbar für karitative Hilfe der Kirche. Die pochte im Gegenzug auf Religionsfreiheit. Die Annäherung war auch deshalb erfolgreich, weil die Kirche das System an sich nicht in Frage stellt. Entsprechend diplomatisch vor 14 Jahren Papst Johannes Paul:

"Ich begleite Euch im Gebet, damit dieser Boden jedem eine Atmosphäre der Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit und des wahren Friedens bietet. Kuba möge sich der Welt öffnen, und die Welt öffne sich für Kuba."

Und ein bisschen tut sich was auf der Insel. Präsident Raul Castro versucht seit gut anderthalb Jahren die Wirtschaft vorsichtig zu öffnen – mehr Markt um den Sozialismus an sich zu bewahren. Zu ineffizient sind viele Staatsbetriebe, die Landwirtschaft liegt am Boden, Kuba konnte zeitweise seine Schulden kaum noch bezahlen.

Die Reformen jetzt sind für kubanische Verhältnisse einschneidend. Hunderttausende Staatsangestellte sollen langfristig ihren Job verlieren. Umgekehrt dürfen die Menschen in vielen Berufen nun selbständig arbeiten. Etwa als Klempner oder Fotografen. Kleinbetriebe mit eigenen Angestellten sind zugelassen, die Kubaner dürfen Häuser oder Neuwagen kaufen. Abschied von der bisherigen reinen Lehre. Aber: Am politischen Machtanspruch der Kommunisten hält Staats- und Parteichef Raul Castro fest:

"Als Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei habe ich als Hauptaufgabe und Lebenssinn, den Sozialismus zu verteidigen, zu erhalten und zu perfektionieren. Und niemals eine Rückkehr des kapitalistischen Regimes zu erlauben."

Das bedeutet: Andere Parteien werden nicht zugelassen, Dissidenten-Gruppen überwacht, kritische Internet-Blogger beklagen Repressionen. Vor dem Papst-Besuch jetzt ist der Staat besonders nervös: 50 Oppositionelle wurden gerade erst kurzzeitig verhaftet. Umgekehrt versuchen die Dissidenten das internationale Interesse zu nutzen, um auf die Menschenrechtslage aufmerksam zu machen. Etwa die Gruppe "Damen in Weiß", die vor Jahren von Angehörigen politischer Gefangener gegründet wurde. In einem Internet-Video wenden sich die "Damas en blanco" direkt an den Papst:

"Heiliger Vater, wir bitten Sie: Helfen Sie, die Repression gegen uns zu beenden. Wir sind einfache Frauen, friedlich und gewaltlos. Und wir wollen nur das Beste für das kubanische Volk."

Energisch fordern einige Oppositionelle, dass sich der Papst während seines Besuchs auch mit Dissidenten trifft. Dies ist aber nicht vorgesehen. Und als Regierungsgegner vor kurzem ein katholisches Gotteshaus besetzten, ließ die Kirchenführung dies von der Polizei räumen. Keine Konfrontation mit der Staatsführung.

So ist die Kuba-Reise eine schwierige Mission für Benedikt XVI. Auf der einen Seite die Prozessionen, der Papst-Jubel und die offiziellen Termine mit Kubas sozialistischer Staatsführung. Auf der anderen Seite die Opposition, der die Kirchenführung viel zu zahm ist. Klare Worte erhoffen sich die Regierungsgegner von Papst Benedikt. Damit sich Kuba auch politisch öffnet.

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