Samstag, 08.05.2021
 
Seit 20:05 Uhr Hörspiel
StartseiteForschung aktuellRoboter untertage im Testlauf10.08.2015

Bergakademie FreibergRoboter untertage im Testlauf

Sie saugen die Wohnung, mähen den Rasen, rollen über den Mars - Roboter. Als Drohnen haben die autonom agierenden Systeme die Luft erobert, auf den Straßen sollen sie den Autofahrern helfen oder gar ganz ablösen. Künftig sollen Roboter auch untertage, in Bergwerken arbeiten.

Von Hartmut Schade

Zwei LED-Scheinwerfer in Schienbeinhöhe erhellen den Gang der Reichen Zeche. Ein altes Silberbergwerk, dass die Bergakademie Freiberg seit 1919 zur Ausbildung nutzt. Doch heute sind nicht nur Studenten eingefahren, sondern auch ein Roboter.

"Also wir haben das gerade zum ersten Mal erlebt, das der Roboter hier ein Stück autonom durch das Bergwerk fährt," freut sich der Informatikprofessor Bernhard Jung "und erfolgreich immerhin 20 Meter geschafft hat."

In Erinnerung an ihren einstigen Studenten Alexander von Humboldt tauften die Freiberger den Roboter ebenfalls Alexander. Er besteht aus einer Plattform von75 Zentimetern Länge, rollt auf vier Rädern von 30 Zentimetern Durchmesser und erkundet den Bergwerksgang mit Laserscanner und Stereokamera. Der unebene Untergrund des Stollen "Wilhelm Stehender Süd" gaukelt den Sensoren des Roboters Hindernisse vor, wo gar keine sind. Nur zögernd, Dezimeter für Dezimeter, rollen seine Räder vorwärts. Seine zaghafte Fortbewegung erinnert an den tastenden Gang eines Menschen in absoluter Finsternis.

"Also wir können ihm Karten vorgeben, das ist eine Möglichkeit und dann könnte er in Zukunft autonom das Gebiet öfters mal abfahren, um Messungen zum Beispiel durchzuführen, der Umgebungsbedingungen. Anderer Einsatzzweck ist eben das jetzt kommt der Roboter auf uns zu. Also er baut sich jetzt gerade eine Karte auf, die auf jeden Fall exakt genug ist, um den Rückweg wiederzufinden."

Autonom agierende Roboter

Den rollt Alexander dann zügig zurück, ist mit seiner Höchstgeschwindigkeit von knapp vier Kilometern in der Stunde kaum langsamer als ein Bergmann unter Tage.

Die Fahrt in der Freiberger Reichen Zeche ist ein Schritt auf dem Weg zu autonom agierenden Robotern unter Tage. Sie sollen eines Tages dort arbeiten, wo es für Menschen zu gefährlich ist, sagt Falk Schreiter vom Institut für Bergbau der Bergakademie.

"Es gibt beispielsweise im Salzbergbau Abbaubereiche, die Höhen von mehreren zehn Metern haben, wo die Firste, die Decke sozusagen, nicht beraubt, also nicht von lose hängenden Gesteinsbrocken befreit werden kann. Und das ist natürlich immer eine Gefahr, dass so ein Gesteinsbrocken herunterfällt und dort jemand erschlagen würde. Und deswegen sind solche Bereiche nicht befahrbar für Personen."

Auch nach Unglücken sollen Roboter zukünftig als erste ins Bergwerk einfahren. Sie sollen erst einmal zu schauen, wie die Lage vor Ort ist, ob vielleicht giftige oder explosive Gase sich ausbreiten, ob es Wassereinbrüche gibt.

Über Tage sind Roboter im Bergbau schon im Einsatz. Doch Alexander erreicht in 150 Metern Tiefe kein GPS-Signal, dass ihm bei der Orientierung unter Tage helfen könnte. Auch eine Fernsteuerung funktioniert im Bergwerk nur auf Sichtweite. Jeder größere Gangknick, jeder Stollen-Abzweig lässt die Verbindung abreißen. Um allein unter Tage agieren zu können, müssen die Roboter ein eigenes Internet aufbauen, indem sie WLAN Router in den Bergwerksgängen platzieren. Keine handelsüblichen, denn Router und Roboter sind im Bergwerk deutlich höheren Belastungen als über Tage ausgesetzt. Saures Wasser tropft von der Decke, die hohe Luftfeuchte greift die Elektronik an.

"Ok, das waren jetzt die letzten Tests?"

Nach rund drei Stunden im Bergwerk macht Alexander schlapp. Der Akku ist leer. Vier kräftige Studenten tragen ihn zum Förderkorb zurück.

Ob die 20 Meter autonome Fahrt in der Freiberger Reichen Zeche wirklich der Beginn eines neuen Zeitalters sind, das müssen Roboter und Wissenschaftler erst noch beweisen. Auch wenn sich Bernhard Jung da sicher ist:

"Also die Roboter sind die nächste Revolution auch im Bergbau."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk