Roman Abila Calbo, Vizebürgermeister und Mitglied in der Frente de Defensa, der Organisation zur Verteidigung von Tambogrande und San Lorenzo, spricht den Menschen seiner Region aus der Seele. Hier nämlich, in der Provinz Piura, im Norden Perus hat sich eine Front des Widerstandes gebildet, die bislang einmalig in der Geschichte des südamerikanischen Landes ist. Fast die gesamte Bevölkerung, inklusive der lokalen Politiker, kämpft einmütig gegen den kanadischen Minen-Multi Manhattan Minerals. In einer Volksabstimmung im Jahr 2002 sagten 93 Prozent der Bevölkerung "No" zu dem Plan, aus Tambogrande, der Obstkammer des Landes, ein Bergbaugebiet zu machen.
Manhattan, der Minenkonzern, der hier Bergbau betreiben will, hatte fünfhundert Leute unter Vertrag, die Werbung für das Projekt machen sollten. Man hatte ihnen, wie es heißt, sehr gute Gehälter gezahlt. Als dann der Tag der Volksabstimmung kam, hätte es also mindestens fünfhundert Stimmen für die Mine geben müssen. Doch es gab nur 336 Ja-Stimmen. Das heißt, nicht mal die eigenen Leute haben für Manhattan gestimmt.
Dabei hatte der Konzern sich im Vorfeld alle Mühe gegeben, die Peruaner und auch die internationale Öffentlichkeit vom Vorteil des Minengeschäftes zu überzeugen. Die landwirtschaftliche Produktivität in dem betroffenen Gebiet sei nur gering, ließ Manhattan verlauten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebten unterhalb der Armutsgrenze. Das Bewässerungssystem für die Obstplantagen sei veraltet und nicht mehr richtig funktionsfähig. Dagegen könne der Bergbau dem Gebiet jährlich etwa sechs Millionen US-Dollar einbringen, mehr als das derzeitige Einkommen in ganz Tambogrande. Die Hälfte der Bevölkerung würde in der Mine und bei zahlreichen anderen Tätigkeiten rund um den Bergbau Arbeit finden. Doch die Menschen in Tambogrande überzeugt das bis heute nicht. Die kanadischen Unternehmer stellten die Region ganz falsch dar. Vizebürgermeister Calbo:
Für sie sind wir die Ärmsten in Peru, haben die meisten Analphabeten und wir sind auch die Gewalttätigsten. Doch das stimmt nicht. Sie haben versucht, die Welt zu täuschen und ihr weiszumachen, dass wir hier sehr, sehr arm sind. Aber so ist das nicht – überhaupt nicht. Wir leben hier ein anständiges Leben, ein Leben, bei dem wir unser Auskommen haben – durch die Landwirtschaft.
Sollte die Goldgräberei Wirklichkeit werden, wäre es mit diesem Auskommen vorbei, befürchten die Peruaner. An meisten betroffen wären kleine Städte wie Cerro Santa Cruz. Insgesamt 16.000 Menschen müssten in Tambogrande umgesiedelt werden, um der Mine Platz zu machen. Sie würde einen riesiges, etwa ein Kilometer langes Loch in die Region reißen. Das Grundwasser würde belastet, die Landwirtschaft zerstört. Manhattan versicherte zwar, auf den Umweltschutz zu achten, doch in Tambogrande blieb man skeptisch. Als alle Argumente nicht halfen, sei der Konzern außerdem massiv geworden, sagt Fernando Carrasco Zapato, auch Mitglied der Frente de Defensa und selbst Mangozüchter.
Die ersten Dokumente waren in Englisch und enthielten eine Lüge nach der anderen. Sie haben auch 1500 Unterschriften gesammelt – doch auf der Liste tauchten Namen von Leuten mit falschen Ausweisen auf. Außerdem gab es fünf Morde.
Auch Bürgermeister Francisco Ojeda, Präsident der Frente, weiß von Drohungen und Einschüchterungen zu berichten.
Der transnationale Minenkonzern ist es gewohnt, die Leute zu kaufen – mit Geschenken, mit Geld. Und die Eigensinnigen, die sie mit Geld nicht kriegen können, die bedrohen sie, zeigen sie an, verfolgen sie, beleidigen sie. Sie haben schon viele Politiker in die Tasche gesteckt, auch viele Medien, darunter die Tageszeitung "Correo de Piura", die speziell mich Tag für Tag beleidigt hat. Es gibt elf Anklagen gegen mich – für keine gibt es Beweise.
Erste Erfolge können die Bauern in ihrem Kampf gegen den Multi aber verzeichnen. Im Dezember 2003 schrieb die peruanische Regierung an Manhattan, dass die finanziellen Voraussetzungen für die Fortsetzung des Projektes nicht erfüllt seien. Allerdings: Bisher hatte die Nationalregierung ein großes Interesse am Bergbau. Erst wenn das gesamte Gebiet vom Staat für unantastbar erklärt wird, so sagen deshalb die Menschen hier, könnten sie wieder ruhig schlafen.
Manhattan, der Minenkonzern, der hier Bergbau betreiben will, hatte fünfhundert Leute unter Vertrag, die Werbung für das Projekt machen sollten. Man hatte ihnen, wie es heißt, sehr gute Gehälter gezahlt. Als dann der Tag der Volksabstimmung kam, hätte es also mindestens fünfhundert Stimmen für die Mine geben müssen. Doch es gab nur 336 Ja-Stimmen. Das heißt, nicht mal die eigenen Leute haben für Manhattan gestimmt.
Dabei hatte der Konzern sich im Vorfeld alle Mühe gegeben, die Peruaner und auch die internationale Öffentlichkeit vom Vorteil des Minengeschäftes zu überzeugen. Die landwirtschaftliche Produktivität in dem betroffenen Gebiet sei nur gering, ließ Manhattan verlauten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebten unterhalb der Armutsgrenze. Das Bewässerungssystem für die Obstplantagen sei veraltet und nicht mehr richtig funktionsfähig. Dagegen könne der Bergbau dem Gebiet jährlich etwa sechs Millionen US-Dollar einbringen, mehr als das derzeitige Einkommen in ganz Tambogrande. Die Hälfte der Bevölkerung würde in der Mine und bei zahlreichen anderen Tätigkeiten rund um den Bergbau Arbeit finden. Doch die Menschen in Tambogrande überzeugt das bis heute nicht. Die kanadischen Unternehmer stellten die Region ganz falsch dar. Vizebürgermeister Calbo:
Für sie sind wir die Ärmsten in Peru, haben die meisten Analphabeten und wir sind auch die Gewalttätigsten. Doch das stimmt nicht. Sie haben versucht, die Welt zu täuschen und ihr weiszumachen, dass wir hier sehr, sehr arm sind. Aber so ist das nicht – überhaupt nicht. Wir leben hier ein anständiges Leben, ein Leben, bei dem wir unser Auskommen haben – durch die Landwirtschaft.
Sollte die Goldgräberei Wirklichkeit werden, wäre es mit diesem Auskommen vorbei, befürchten die Peruaner. An meisten betroffen wären kleine Städte wie Cerro Santa Cruz. Insgesamt 16.000 Menschen müssten in Tambogrande umgesiedelt werden, um der Mine Platz zu machen. Sie würde einen riesiges, etwa ein Kilometer langes Loch in die Region reißen. Das Grundwasser würde belastet, die Landwirtschaft zerstört. Manhattan versicherte zwar, auf den Umweltschutz zu achten, doch in Tambogrande blieb man skeptisch. Als alle Argumente nicht halfen, sei der Konzern außerdem massiv geworden, sagt Fernando Carrasco Zapato, auch Mitglied der Frente de Defensa und selbst Mangozüchter.
Die ersten Dokumente waren in Englisch und enthielten eine Lüge nach der anderen. Sie haben auch 1500 Unterschriften gesammelt – doch auf der Liste tauchten Namen von Leuten mit falschen Ausweisen auf. Außerdem gab es fünf Morde.
Auch Bürgermeister Francisco Ojeda, Präsident der Frente, weiß von Drohungen und Einschüchterungen zu berichten.
Der transnationale Minenkonzern ist es gewohnt, die Leute zu kaufen – mit Geschenken, mit Geld. Und die Eigensinnigen, die sie mit Geld nicht kriegen können, die bedrohen sie, zeigen sie an, verfolgen sie, beleidigen sie. Sie haben schon viele Politiker in die Tasche gesteckt, auch viele Medien, darunter die Tageszeitung "Correo de Piura", die speziell mich Tag für Tag beleidigt hat. Es gibt elf Anklagen gegen mich – für keine gibt es Beweise.
Erste Erfolge können die Bauern in ihrem Kampf gegen den Multi aber verzeichnen. Im Dezember 2003 schrieb die peruanische Regierung an Manhattan, dass die finanziellen Voraussetzungen für die Fortsetzung des Projektes nicht erfüllt seien. Allerdings: Bisher hatte die Nationalregierung ein großes Interesse am Bergbau. Erst wenn das gesamte Gebiet vom Staat für unantastbar erklärt wird, so sagen deshalb die Menschen hier, könnten sie wieder ruhig schlafen.