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Bericht Expertenkommission
Wissenschaftsstandort Deutschland stärken

Deutschland möchte gerne Heimat und Anlaufpunkt der besten Forscher und Erfinder weltweit sein. In Berlin hat heute die Expertenkommission Forschung und Innovation im Bundeskanzleramt ihr Jahresgutachten 2014 überreicht. Allgemeiner Tenor: Die Politik muss dringend handeln - in vielen Bereichen.

Von Johannes Kulms | 26.02.2014
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (2.v.r.) und Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (beide CDU) nehmen am 26.02.2014 im Bundeskanzleramt in Berlin das Jahresgutachten 2014 der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung entgegen. In der Mitten Kommissionsmitglied Alexander Gerybadze.
    Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (beide CDU) nehmen das Jahresgutachten 2014 der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung entgegen. (dpa / Bernd von Jutrczenka)
    "In kurzer Zeit laufen der Hochschulpakt, die Exzellenzinitiative aus. Aber das ganze hängt etwas in der Luft, im Koalitionsvertrag gibt es auch nicht viele Details dazu," so Dietmar Harhoff, der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation. Ein wichtiger Punkt des Jahresgutachten bilden darum die Vorschläge zur Finanzierung des Hochschulsystems.
    Die Experten sprechen sich für eine Stärkung der Grundfinanzierung der Hochschulen aus. Dazu sei es notwendig, Artikel 91b aus dem Grundgesetz zu ändern. Denn dann wäre es dem Bund möglich, die Hochschulen wieder institutionell zu fördern. Außerdem empfehlen die Experten, die innovationspolitischen Maßnahmen stärker wissenschaftlich zu evaluieren.
    Ein Schwerpunkt des Jahresgutachtens ist die Mobilität der Wissenschaftler. Hier müsse die Politik dringend handeln, fordert Kommissionsmitglied Uschi Backes-Gellner, die an der Universität Zürich den Lehrstuhl für BWL innehat.
    Viel Innovationskraft auf immer verloren
    "Und wir stellen fest, dass es eben die besten Forscher sind, die ins Ausland gehen und die besten auch nicht zurückkommen. Das heißt, das wir einen großen Teil der Innovationskraft, die wir aufgebaut haben, verlieren und hier nicht zur Verfügung haben."
    Zwar seien zwischen 1996 und 2011 rund 19.000 Forscher nach Deutschland gekommen. Aber im gleichen Zeitraum seien auch etwa 23.000 Wissenschaftler ins Ausland gegangen.
    "Der Hauptgrund, warum Wissenschaftler an irgendeinen Standort gehen wollen, ist, dass sie exzellente Bedingungen haben wollen."
    Und an der Spitze des Forschungssystems seien diese Bedingungen so nicht gegeben, sagt Backes-Gellner.
    Allerdings räumte die Expertenkommission auch ein, dass es nur wenig aktuelle Daten über das Mobilitätsverhalten der Forscher gibt. Ob es in den letzten Jahren möglicherweise doch eine Trendwende gegeben kann, konnten die Experten nicht sagen.
    Mehr Geld für das Hochschulsystem gefordert
    Vor allem die USA, aber auch Großbritannien, die Schweiz oder die Niederlande scheinen Spitzenforscher anzuziehen. Mit einem Anteil von bis zu 36 Prozent stellen die Deutschen hier sogar die größte Gruppe an ausländischen Forschern.
    Es gibt aber auch gute Nachrichten aus Sicht der Experten. Zum Beispiel gäbe es in den Exzellenzinitiativen einen höheren Anteil von ausländischen Forschern als im restlichen Universitätssystem.
    Weil die Wissenschaft heute aber in einem starken internationalen Wettbewerb steht, fordert die Expertenkommission ein massives Gegensteuern der Politik. Es müsste mehr Geld in das Hochschulsystem laufen und dieses auch nachhaltiger verwendet werden, um Planungssicherheit zu schaffen, fordert die Wirtschaftswissenschaftlerin Backes-Gellner.
    "Dann muss man auch Spielräume eröffnen, dass man mit neuen Organisations- und Personalstrukturen experimentieren kann."
    Ausländische Spitzenforscher sollten auch mit erleichterten Einwanderungsregelungen gelockt werden. Eine Empfehlung aus dem Bericht lautet, das für einen Aufenthaltstitel erforderliche Mindesteinkommen zu senken. Damit könnten ausländische Doktoranden einfacher arbeiten.