Dienstag, 17. Mai 2022

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Berlinale 2020
Eröffnungsgala im Schatten von Hanau

Am Tag vor der Eröffnungsgala der Berlinale erschießt ein Täter in Hanau zehn Menschen. Auch die Veranstaltung in Berlin steht im Zeichen der rassistisch eingestuften Gewalttat und beginnt mit einer Gedenkminute. Später gab es "standing ovations" für eine politische Rede, berichtet Dlf-Kulturredakteurin Maja Ellmenreich.

Maja Ellmenreich im Gespräch mit Anja Reinhardt | 21.02.2020

Der Berlinale-Palast am Abend, mit dem roten Bären an der Glasfront, davor viele Menschen auf und neben dem roten Teppich
Zur Eröffnung der 70. Berlinale gedachten die Gäste der Opfer des Anschlags von Hanau. (imago/Eibner)
Glanz, Glamour und große Film-Erwartungen - aber das alles im Schatten der Ereignisse von Hanau. "Es konnte nur ein Balanceakt sein", sagte Dlf-Kulturredakteurin Maja Ellmenreich über die Eröffnung der 70. Berlinale nach dem Anschlag in der hessischen Stadt. Dieser Balanceakt sei mal etwas besser, mal etwas unbeholfener verlaufen. Zu Beginn gab es eine Schweigeminute für die Opfer von Hanau, und sowohl Kulturstaatsministerin Monika Grütters als auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller äußerten sich in ihren Reden dezidiert politisch.
Michael Müller nannte namentlich die AfD und Grütters erhielt vom Publikum im Berlinale-Palast für ihre unmissverständliche Äußerung sogar "standing ovations". "Niemals darf es eine wie auch immer geartete politische Zusammenarbeit mit diesen rassistischen und völkischen Kräften geben", so Grütters. Die Kulturstaatsministerin betonte aber auch, dass die Berlinale es – trotz der Ereignisse in Hanau – verdient habe, gefeiert zu werden.
Beim Moderator saßen nicht alle Pointen
Der neue Moderator der Berlinale, Samuel Finzi, muss sich laut Dlf-Kulturredakteurin Ellmenreich noch in seine neue Rolle einfinden. Er hatte diese Aufgabe von Anke Engelke übernommen. "So manch eine Pointe ging daneben, so manch ein politisches Statement des bekennenden Europäers Finzi, der aus Bulgarien stammt, ging in Klamauk unter." Das habe man auch an den Gesichtern der prominenten Zuschauern gesehen, die die Kamera eingefangen habe.
Eine der Auszeichnungen der Berlinale, ein "Goldener Bär", in Nahaufnahme. 
"Ich formuliere es mal positiv - wünschen wir Finzi eine zweite Chance, eine weitere Berlinale-Eröffnungsgala zu moderieren. Gerne wieder politisch, aber dann doch unter friedlicheren politischen Vorzeichen."
Eröffnungsfilm: Feel-Good-Movie
Der Eröffnungsfilm "My Salinger Year" von dem Kanadier Philippe Falardeau sei sowohl ein Feel-Good-Movie als auch ein Schauspiel-Film, urteilt Ellmenreich. Margaret Qualley spielt die Hauptfigur Joanna, deren großer Traum es ist, Schriftstellerin zu werden. Als Angestellte in einer Literaturagentur beginnt sie, Fans des Autors J.D. Salinger zurückzuschreiben, obwohl das strengstens verboten ist.
Auch diverse Nebenrollen seien sehr gut besetzt - wie auch Sigourney Weaver als herrische, stets ein wenig zynische Agentin, die aber im Verlauf dieses "Salinger-Jahres" auch persönlich wachse.