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Berufliche Bildung bietet Perspektiven

Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt in seinem Ausbildungsreport 2013 vor einer entstehenden "Zweiklassengesellschaft". Zwar gebe es demografisch bedingt Entspannung auf dem Arbeitsmarkt, davon profitierten aber nur Jugendliche mit gutem Schulabschluss. Ohne berufsqualifizierenden Abschluss steige das Risiko, auf der Strecke zu bleiben.

Von Thomas Otto | 05.09.2013

Industriemechaniker/in, Zerspanungsmechaniker/in, Bankkaufmann oder -frau, Verkäufer/in und Industriekauffrau oder -mann: Das sind die fünf Topausbildungsberufe. Bewertet wurden sie von den Azubis selbst. Gibt es einen Ausbildungsplan? Wie viele Überstunden müssen geleistet werden? Wie gut ist der Berufsschulunterricht? Wie viele ausbildungsfremde Aufgaben müssen erledigt werden? Und natürlich: Wie zufrieden sind die jungen Leute insgesamt mit ihrer Ausbildung? Rund 18.600 Jugendliche hat der DGB in seiner Studie befragt. Dabei schnitten einige Ausbildungen auch extrem schlecht ab, erklärt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller:

"Was auch die Auszubildenden einfach als nicht gute Ausbildungsberufe sehen sind Köche, sind Restaurantfachleute."

Insgesamt sind die Azubis über alle Ausbildungsberufe hinweg zufrieden. Seit Jahren sinkt die Zahl an Überstunden, die Azubis leisten müssen. Seit Jahren steigt die Zahl der Azubis, die anschließend auch übernommen werden.

Aber: Erst einmal muss man überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen. Allein 1,4 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 20 und 29 haben keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Die blieben bei der Suche nach einer Ausbildung auf der Strecke, so Haggenmiller:

"Wir stellen schon - auch aus persönlichen Erfahrungen, Erfahrungen unserer Gewerkschaftsarbeit - fest, dass der Anspruch, die Anforderung an junge Menschen wesentlich höher ist, inzwischen, als vor einigen Jahren. Ich schaue mir immer die jungen Menschen, die keine Ausbildung haben, an, die zum Beispiel in einem Übergangssystem sind. Dort haben 40 Prozent der jungen Menschen eine mittlere Reife, also einen mittleren Schulabschluss oder Gymnasialreife. Und da kann uns niemand erzählen, dass diese jungen Menschen nicht ausbildungsfähig sind und ausbildungsreif sind. Da muss man, glaube ich auch, die Unternehmen in die Pflicht nehmen."

Unter anderem sei das bei der Qualität der Ausbildung notwendig. Denn dem knappen Dreiviertel zufriedener Azubis steht ein Viertel unzufriedener Auszubildende gegenüber. Welche Folge das für die Unternehmen haben kann, macht Florian Haggenmiller an einem Beispiel deutlich.

"Dass in diesem Jahr die Restaurantfachleute nicht mehr unter den Top-25-Ausbildungsberufen sind, liegt natürlich auch daran, dass da schlechte Ausbildungsqualität vorherrscht, und dass dementsprechend dann auch nicht mehr so viele Azubis diesen Ausbildungsberuf machen."

Wenn es dann in einzelnen Branchen einen Fachkräftemangel gäbe, seien schlechte Ausbildungsbedingungen ein Grund dafür.

Und auch bei der Gleichberechtigung der Geschlechter müsse noch Einiges getan werden. Denn schon in der Ausbildung werden Frauen gegenüber Männern benachteiligt, sagt Haggenmiller:

"Das zieht sich in der Ausbildung durch, sie haben schlechtere Ausbildungsbedingungen, sie müssen mehr Überstunden leisten, und das hört dann auch am Ende der Ausbildung auf: Sie haben schlechtere Übernahmebedingungen, als die männlichen Kollegen."

Hinzu kommt eine schlechtere Bezahlung, auch schon in der Ausbildung: Während männliche Azubis im dritten Jahr im Schnitt 716 Euro verdienen, sind es bei ihren weiblichen Kolleginnen neunzig Euro weniger. Das liege aber oft auch an der Wahl des Ausbildungsberufes.