Umwelt und Verbraucher 26.11.2020

Bessere Klimabilanz als Gas Hamburg will Buschholz aus Namibia verfeuernVon Axel Schröder

Beitrag hören Baumreste in der Wüste in Namibia (picture alliance / blickwinkel)Baumreste in Nambia: Die Hamburger Umweltbehörde überlegt, ob Buschholz auch eine Alternative zu Gas und Kohle in den Hamburger Kraftwerken sein könnte (picture alliance / blickwinkel)

Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß in Hamburgs Kraftwerken um 55 Prozent sinken. Und dabei könnte auch die Buschholzverfeuerung helfen und Gas und Kohle als Brennmittel ersetzen. Das Holz könnte aus Namibia importiert werden – die Idee ist allerdings umstritten.

Buschholz-Pellets aus Namibia für Hamburger Kraftwerke: Diese Idee sei nicht in der Hansestadt entstanden, sagt Jan Dube, der Sprecher der zuständigen Umweltbehörde.

"Die namibische Seite ist vor knapp einem Jahr auf Hamburg zugekommen, weil es dort ein Problem mit der Verbuschung von Landschaften gibt, ein veritables Umweltproblem. Und hat gefragt, ob man sich in Hamburg nicht vorstellen könnte, mal zu prüfen, ob im großen Stil nicht solche Buschmasse hier verwertet werden könnte. Als Biomasse, zum Beispiel in Kraftwerken für die Wärmeerzeugung."

Und davon, so die Idee, hätten dann beide Seiten etwas: Namibia könnte Maßnahmen gegen die Verbuschung finanzieren und die Verarbeitung des Rohstoffs übernehmen. Die Hamburger würden unabhängiger von Kohle und Gas zur Wärmeerzeugung.

Umweltschützer bestreitet den Nutzen

Ute Bertrand von der Umweltschutzorganisation Robin Wood hält von einer möglichen deutsch-namibischen Kooperation auf diesem Gebiet gar nichts:

"Aus unserer Sicht ist es absurd, Holz in Namibia zu ernten, am anderen Ende der Welt, es dann zu verschiffen bis nach Hamburg. Um es dann hier zu verbrennen und in Wärme zu verwandeln."

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Denn auch, wenn die Verbrennung von Holz eine bessere Klimabilanz hat als die von Gas oder Kohle, müssten ja auch die CO2-Emissionen des Transports mit eingerechnet werden. Tatsächlich wurden dazu schon Berechnungen angestellt, sagt Jan Dube, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde:

"Es sieht so aus, dass die CO2-Bilanz trotz des Transports noch deutlich günstiger ausfällt, als würde man jetzt Gas oder Kohle verfeuern. Und wie viel das ist, werden wir uns genau angucken."

Der Hamburger Seite sei wichtig, dass nicht nur einige wenige große Unternehmen einen Vorteil aus der Kooperation ziehen, sondern zum Beispiel auch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die das namibische Buschholz roden.

In Namibia könnte das Buschholz anders verwendet werden

Dass die Verbuschung von einst fruchtbarem Weideland ein Problem in Namibia ist, bestreiten auch Umweltschutzgruppen nicht. 14 Millionen Tonnen wachsen pro Jahr nach, nur maximal drei Millionen Tonnen davon können nach Angaben der Umweltbehörde in Namibia verwertet werden. Bertchen Kohrs von der Organisation Earth Life im namibischen Windhoek ist ähnlich skeptisch wie Ute Bertrand von Robin Wood. Besser wäre es doch, sagt Kohrs, wenn das Buschholz Verwendung vor Ort finden würde und nicht im fernen Hamburg.

"Früher wurden zum Beispiel Schulmöbel produziert aus dem Buschholz. Das ist dann eingestellt worden. Stattdessen importieren wir sie aus Südafrika - und könnten sie sehr gut hier herstellen. Man könnte daraus Holzhäuser bauen und den Armen dann diese Holzhäuser geben, mit einem vernünftigen Dach über dem Kopf."

Kohrs lebt und engagiert sich schon seit Jahrzehnten in Namibia. Wenn das Buschholz denn verbrannt werden soll, hält sie es für sinnvoller, das in einem bereits geplanten namibischen Kraftwerk zu tun.

"Man muss bedenken, dass wir mehr als 60 Prozent unseres Strombedarfs mit schmutzigem Kohlestrom aus Nachbarländern decken, der außerdem sehr, sehr teuer ist."

In Namibia, so Kohrs, gibt es 11.000 Arbeitsplätze in der Holzkohleproduktion. Wenn ein Teil der heimischen Hölzer nun exportiert werden würde, könnte diese Arbeitsplätze in Gefahr sein.

Umweltbehörde will alle Argumente abwägen

Die Fragen nach den wirtschaftlichen, ökologischen und nach den sozialen Auswirkungen des Buschholz-Projekts will die Hamburger Umweltbehörde intensiv prüfen lassen. Dass am Ende nur deutsche Firmen davon profitieren, dürfe nicht passieren, sagt Jan Dube von der Hamburger Umweltbehörde und verweist auf die deutsche Kolonialgeschichte in Namibia, die zu besonderer Sensibilität mahne.

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"Es gibt noch keinerlei Entscheidung. Aber alle möglichen Beteiligten und Interessierten sind aufgerufen, ihre Punkte dort einzubringen. Darauf sind wir auch angewiesen, dass dort Leute mit Kontakten in Namibia oder mit Erfahrung uns auch Rückmeldung geben."

Klar sei aber: Bei der Masse an jährlich nachwachsendem Buschholz bliebe immer noch genügend Holz für namibische Kraftwerkspläne übrig, so Dube.

Alle Informationen zur Idee der "Biomasse-Partnerschaft" veröffentlicht die Umweltbehörde auf ihrer Internetseite (https://www.hamburg.de/energiewende/namibia-biomass-partnership/). Eine Entscheidung, ob die Idee wirklich umgesetzt werden wird, fällt erst im Sommer 2021.

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