Donnerstag, 21.03.2019
 
Seit 19:15 Uhr Dlf-Magazin
StartseiteCampus & KarriereBesuch im Doktorandencamp III16.10.2003

Besuch im Doktorandencamp III

Ein Stargast besucht die Darmstädter

Peter Galison, Professor in Harvard, ist ein Star der amerikanischen Wissenschaftsszene. Die "New York Times" widmete dem 48 Jahre alten Wissenschaftshistoriker noch vor kurzem einen langen Artikel.

Ludger Fittkau

Peter Galison (Harvard University)
Peter Galison (Harvard University)

Darin geht es unter anderem um Galisons nun auch auf Deutsch vorliegendes Buch mit dem Titel "Einsteins Uhren, Poincares Karten: Die Arbeit an der Ordnung der Zeit" – ein Buch zur Geschichte der Mikrophysik.

Galison war am vergangenen Wochenende Gast einer vom Graduiertenkolleg "Technisierung und Gesellschaft" mitveranstalteten internationalen Tagung der TU Darmstadt zu den Perspektiven der Nanowissenschaften. Das Kolleg lud den prominenten Wissenschaftler zu einem Arbeitsessen ein. Er sollte ihnen unter anderem erklären, was Nanotechnologie eigentlich genau ist. Denn darüber ist man sich im Doktorandencamp bisher nicht so richtig im Klaren.....

Technik, die sich im Nanometerbereich abspielt.

Frage: Was ist Nanometer?
Ich glaube, ein Millionstel Meter, oder ist das Mikrometer, ja irgendwie so... (lacht)

Das ist die Technik für die sieben Zwerge, hinter den sieben Bergen.

Da ich die Sitzungen bis jetzt geschwänzt habe, kann ich dazu bisher leider noch gar nichts sagen.

Nanotechnologie ist jedenfalls die Technologie, der in Amerika jetzt zwei Milliarden US-Dollar zu Gute kommen werden.

Dass Nanotechnologie sich mit Dingen beschäftigt, die kleiner als 100 Nanometer sind – darüber konnte man sich im Darmstädter Doktorandencamp schließlich doch noch einigen. Ansonsten blieben auch nach dem gemeinsamen Mittagessen mit dem Wissenschaftshistoriker Peter Galison noch viele Fragen offen. Zum Beispiel die Frage, was Nanotechnologen eigentlich von Biochemikern oder Physikern unterscheidet, die sich ja auch mit ganz kleinen Teilchen beschäftigen. Dieses Thema interessiert Galison aber nicht. Der Harvard-Professor beschäftigt sich vor allem mit der Sprache, die Physiker, Chemiker oder Biologen im gemeinsamen Nano-Labor entwickeln, um sich zu verständigen:

Ich will davon wegkommen, von Zusammenarbeit oder Symbiose zu reden, wenn ich die der Wissenschaftler aus verschiedenen Naturwissenschaften in den neuen Nano-Labors untersuche. Mich interessiert eher, welche gemeinsame Sprache die Forscher an der Grenze ihrer jeweiligen Disziplin finden, um sich zu verständigen. Dazu will ich Methoden aus der Linguistik verwenden.

Dies seien Methoden, die auch bei der Untersuchung der kreolischen Sprache oder von Pidgin-Sprachen verwendet werden, erläuterte Galison. Damit wolle er begreifen, was mit den Fachsprachen eigentlich passiere, wenn zum Beispiel Biologen oder Chemiker ein neues gemeinsames Fach wie Biochemie begründen:

Ich halte diese Fragen gerade am Beginn einer neuen Wissenschaft wie der Nanotechnologie für wichtig. Wir müssen uns ein Bild davon machen, was genau in den Laboratorien passiert. Mich interessiert nicht so sehr der Hype oder die Propaganda, die um die Nanotechnologie gerade gemacht wird.

Der Darmstädter Doktorand Lars Frers fand jedoch am Rande des Gesprächs mit Galison, dass man sich dem Hype um die Nano-Technologie nicht ganz entziehen müsse. Es sind die technischen Zukunftsvisionen, die sich für Frers mit dem Nano-Begriff verbinden:

Das Spannende an der Nanotechnologie für mich ist, das sich damit diese Gedanken verknüpfen, Materie neu zu gestalten, das praktisch der Mensch auf niedrigster Ebene anfängt, Dinge aufzubauen und natürliche Prozesse technisch zu rekonstruieren und halt auch zu verbessern und auch zu verändern. Und das ist für mich halt auch das, was für ich den spannenden Gedanken an Nanotechnologie ausmacht.

Lars Schuster gehörte zu den wenigen Doktoranden, die wirklich gründlich herausfinden wollten, was hinter dem Begriff "Nano" steckt. Er nahm über die vollen vier Tage an der Darmstädter Tagung teil, in der über 40 Wissenschafter aus
7 Ländern zu klären versuchten, was die "Nanowissenschaften" eigentlich genau wollen. Doch auch nach dem Tagungsmarathon stand für den angehenden Philosophen fest:

Es gibt also immer noch sehr viel Bedarf, an Definitionen. Die Sessions, die für mich am Interessantesten gewesen sind, waren für mich die, in denen versucht wurde, Nanotechnologie überhaupt mal zu definieren. Auch wenn das nicht ganz geglückt ist, hat man dann damit wenigstens etwas an der Hand, mit dem man dann weiter machen kann. Interessant fand ich auch die Visualisierungsbeispiele und jetzt die ethischen Implikationen. Aber das ganze Feld ist noch viel zu sehr in den Kinderschuhen, oder vielleicht noch nicht mal da drin, um da wirklich handfeste Aussagen machen zu können.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk